NewsPolitikSARS-CoV-2 in fast allen Bundesländern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

SARS-CoV-2 in fast allen Bundesländern

Dienstag, 3. März 2020

/picture alliance

Berlin – In fast allen Bundesländern gibt es inzwischen nachgewiesene Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2. Gut die Hälfte der vom Robert-Koch-Institut (RKI) bis heute Vormittag erfassten 188 Infektionen wurde in Nordrhein-Westfalen (NRW) ge­meldet.

„Mit weiteren Fällen, Infektionsketten und auch Ausbrüchen in Deutschland muss gerech­net werden“, betonte das RKI. Neben NRW sind derzeit Bayern und Baden-Württemberg stärker betroffen. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) kündigte für morgen eine Regierungser­klärung zum Krisenmanagement bei SARS-CoV-2 an. Zudem ist ein Treffen mit den Ge­sund­heitsministern der Bundesländer vorgesehen.

Anzeige

Gestern Abend waren erste Fälle in Brandenburg, Thüringen und Sachsen bekannt ge­worden. Heute wurden erste Fälle im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern be­kannt. Noch keine Meldungen gab es aus Sachsen-Anhalt.

Schwere Verläufe der vom Virus ausgelösten Lungenkrankheit COVID-19 sind selten, ein darauf zurückgehender Todesfall wurde in Deutschland bisher nicht erfasst. In Berlin, wo der erste Fall vorgestern bekannt wurde, kamen zwei weitere Nachweise hinzu. Da eine Lehrkraft unter den Infizierten ist, bleibt nun auch in der Hauptstadt eine öffent­liche Schule geschlossen.

Deutschlands Vertragsärzte warnen unterdessen vor zu vielen unnötigen Tests auf SARS-CoV-2. „Um­fang­reichere Testung von klinisch Gesunden ist medizinischer Unfug“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Sinnvoll seien Tests nur, wenn jemand Symptome einer Erkrankung der oberen Atemwege aufweise und wo­mög­lich Kontakt zu Infizierten gehabt habe.

Die Stadt und die Region Aachen weichen unterdessen von geltenden Empfehlungen des RKI ab, um den Betrieb von Krankenhäusern sicherzustellen. Bei einer Infektion in der Belegschaft auf einer Station werden Mitarbeiter ohne Krankheits­symp­tome nicht mehr vorsorglich unter Quarantäne gestellt, wie die Stadt mitteilte.

Nach Empfehlungen des RKI seien dagegen in einem solchen Fall alle Mitarbeiter in Quarantäne zu schicken. Zudem könnten zum Schutz besonders gefährdeter Patienten­gruppen Besuchsverbote erlassen werden.

Über den Beschluss der Krisenstäbe sei das NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­terium informiert, erklärte die Stadt. Die bisherige Regelung könne ganze Stationen lahmlegen und pers­pek­tivisch sogar den Betrieb ganzer Krankenhäuser, begründeten die Krisenstäbe die Entscheidung.

Zuvor hatte der Kreis Heinsberg RKI-Empfehlungen für medizinisches Personal kritisiert. Landrat Stephan Pusch hatte Ausnahmeregeln erwogen, um die medizinische Versorgung sicherzustellen. Die Gewährleistung der Versorgung werde im Kreis derzeit zunehmend schwierig.

Nach Ansicht des Leiters des Frankfurter Gesundheitsamtes, Rene Gottschalk, kann die Infektionskette des sich weiter ausbreitenden Virus nicht mehr unterbrochen werden. „Das ist bei der Vielzahl an Fällen nicht zu leisten“, sagte er. Dies sei aber auch „nicht weiter tragisch, weil die Erkrankung nicht schlimm“ sei.

Ganze Menschenansammlungen zu prüfen oder gar Quarantänegebiete einzurichten, hält der Experte für überzogen. „Je­manden 14 Tage zu kasernieren wegen einer Erkrankung, die verläuft wie ein Schnupfen, ist völlig unverhältnismäßig“, sagte er.

Außerhalb Chinas, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte, ist derzeit Südkorea nach den offiziellen Meldezahlen am schwersten von SARS-CoV-2 betroffen. Mehr als 4.800 Infektionen wurden von den Behörden inzwischen erfasst, mindestens 28 Men­schen starben an COVID-19.

In der EU ist Norditalien besonders stark betroffen. Nach Angaben des Zivilschutzes wur­den in Italien mehr als 2.000 Infektionen erfasst, mehr als 50 der Infizierten starben. In China lag die Zahl offiziell erfasster Infizierter heute bei mehr als 80.000, die der Todesfälle bei knapp 3.000. Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus.

Weltweit haben sich dem RKI zufolge inzwischen rund 90.900 Menschen in 73 Ländern nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert. „Das Geschehen verlagert sich etwas weg von China, und der Rest der Welt wird vermehrt betroffen“, sagte Vizepräsident Lars Schaade. Seit gestern seien in China offiziell 115 Fälle hinzugekommen, in den restlichen 72 Ländern 1.700 Fälle. © dpa/afp/kna/may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. Juni 2020
Berlin – Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) 507 Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 binnen eines Tages gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Coronakrise 183.271
RKI meldet 507 Neuinfektionen in Deutschland
5. Juni 2020
London – Im Kampf gegen Infektionskrankheiten sind bei einer internationalen Geberkonferenz umgerechnet rund 7,8 Milliarden Euro (8,8 Milliarden US-Dollar) für die globale Impf-Allianz Gavi zugesagt
Geberkonferenz für Impfallianz Gavi sammelt 7,8 Milliarden Euro ein
5. Juni 2020
Addis Abeba – Afrika muss die Zahl seiner Tests auf SARS-CoV-2 nach Auffassung seines obersten Gesundheitsexperten verdreifachen, wenn es die Ausbreitung des Virus trotz der vielerorts beschlossenen
Afrika sollte Zahl seiner Tests verdreifachen
4. Juni 2020
Wiesbaden – Wissenschaftler wollen mit einer Coronastudie in hessischen Kitas mehr über die Ausbreitung von SARS-CoV-2 erfahren. Dafür sollen in landesweit 60 Einrichtungen Kinder und Erzieherinnen
Hessen will mit Kitastudie mehr über SARS-CoV-2 erfahren
3. Juni 2020
Berlin – In Berlin gibt es wieder mehr neue Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. Gestern wurden 6.873 bestätigte Fälle registriert, das sind 35 mehr als am Vortag und 23 mehr als am Tag davor,
Kalayci sieht Negativtrend bei Coronainfektionen
3. Juni 2020
Bristol − Die Bemühungen des National Health Service (NHS), den Einsatz von Antibiotika in der hausärztlichen Versorgung zu verringern, hat laut einer Studie in PLOS ONE (2020; DOI:
Großbritannien: Verminderte Antibiotikaverordnung senkt Häufigkeit bestimmter Resistenzen
2. Juni 2020
Berlin – Die Zahl der COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung ist über die vergangenen Wochen in Deutschland deutlich zurückgegangen. Laut DIVI-Intensivregister wurden Stand heute 689
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER