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Medizin

Morbus Alzheimer: Bluttest erzielt hohe diagnostische Treffsicherheit

Mittwoch, 4. März 2020

/totojang1977, stock.adobe.com

San Francisco und Lund – Ein Bluttest, der einen Bestandteil von Tau-Fibrillen im Plasma nachweist, hat in 2 Studien in Nature Medicine (2020; DOI: 10.1038/s41591-020-0755-1 und 0762-2) einen Morbus Alzheimer ebenso zuverlässig erkannt wie PET, Liquor-Untersuchungen. Der Test ermöglicht auch eine Abgrenzung von der frontotemporalen Demenz, die mit ähnlichen Symptomen einhergeht.

Nachdem ein Morbus Alzheimer lange Zeit erst nach dem Tod diagnostiziert werden konnte, ist dies mit der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und einer Liquor-Analyse bereits auch am lebenden Menschen möglich.

Die PET verwendet Tracer, die an Ablagerungen von Amyloiden oder Tau-Fibrillen binden. In der Liquor-Untersuchung werden Fragmente der beiden für die Erkrankung typischen Proteine nachgewiesen. Die PET erfordert einen hohen apparativen Aufwand mit entsprech­enden Kosten. Die Liquor-Untersuchung ist invasiv und für den Patienten unangenehm.

Ein Bluttest steht deshalb seit längerem auf der Wunschliste der Neurologen. 1. Kandidaten, die beispielsweise das Protein NFL („neurofilament light“) nachweisen, haben sich für den klinischen Alltag als zu ungenau erwiesen. Erfolgversprechender scheint der Nachweis von P-tau181 zu sein, einem phosphorylierten Bestandteil der Tau-Proteine. Der Test wurde in 2 Studien in den USA und Schweden evaluiert.

In der neuen US-Studie wurden Blutproben von 362 Personen im Alter von 58 bis 70 Jahren untersucht. Dazu gehörten 56 Patienten, bei denen ein Morbus Alzheimer diagnos­tiziert wurde, 190 Patienten mit frontotemporaler Demenz sowie 47 Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen und 69 gesunde Kontrollpersonen.

Wie das Team um Adam Boxer vom Weill Institute for Neurosciences in San Francisco berichtet, waren die P-tau181-Konzentrationen bei den Alzheimer-Patienten im Mittel 3,5-fach erhöht. Der Test ermöglichte auch eine Abgrenzung von der frontotemporalen Demenz. Bei dieser Erkrankung kommt es zwar ebenfalls zu Ablagerungen im Gehirn. Der Anstieg von P-tau181 war jedoch nicht so ausgeprägt.

Boxer ermittelt in der ROC-Kurve, die Sensitivität und Spezifität kombiniert, eine AUC von 0,894 im Vergleich zur klinischen Diagnose einer frontotemporalen Demenz und eine AUC von 0,878 im Vergleich zum Autopsiebefund. Beide Werte sprechen für eine gute Treffsicherheit. Eine AUC von 1,0 wäre eine sichere Diagnose, ein AUC von 0,5 ein Zufalls­ergebnis.

Das schwedische Team um Oskar Hansson von der Universität Lund hat Blutproben von insgesamt 589 Personen untersucht, die an einer Alzheimer-Demenz oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen des Gehirns litten, oder bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) oder keine Gedächtnisstörungen vorlagen.

Auch hier lieferte der quantitative Nachweis von P-tau181 im Blutplasma eine hohe Übereinstimmung mit einer PET (AUC 0,87 bis 0,91). Die Abgrenzung von anderen Demenzursachen war mit einer AUC von 0,94 bis 0,98 ebenfalls seht gut möglich.

Trotz der guten Ergebnisse ist nach Einschätzung der Forscher mit einer Einführung des Tests erst in etwa 5 Jahren zu rechnen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #798733
bernd.ultsch@gmail.com
am Donnerstag, 5. März 2020, 13:41

Prof. Dr.

Die Wissenschaft schreitet in der Diagnostik schneller voran als in der Entdeckung erfolgversprechender Therapien. Ich persönlich würde den Test meinen Patienten nicht empfehlen, außer sie wünschen ihn. Weiter forschen und theapieversprechende Wege suchen und finden, wünsche ich mir, dann kann ich auch die Diagnose ertragen.
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