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Ausland

Mangel an Schutzmasken behindert Kampf gegen SARS-CoV-2

Mittwoch, 4. März 2020

/picture alliance, Karl-Josef Hildenbrand

Genf – Der Mangel an Gesichtsmasken und anderen medizinischen Schutzausrüstungen behindert laut Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) den Kampf gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 und die Lungenerkrankung COVID-19.

„Wir können COVID-19 nicht aufhalten, ohne unsere Gesundheitspersonal zu schützen“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gestern in Genf. „Die Vorräte gehen rapide zur Neige.“ Die Preise für OP-Masken hätten sich versechsfacht, die für Beatmungsgeräte verdreifacht und für Schutzkleidung mehr als verdoppelt.

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Tedros sagte, dass die weltweite Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung um 40 Pro­zent gesteigert werden müsse, und forderte die Regierungen auf, den Herstellern An­reize zu bieten. Nach Schätzung der WHO werden jeden Monat etwa 89 Millionen Atem­schutzmasken gebraucht und 76 Millionen Untersuchungshandschuhe.

Der Technologiekonzern 3M betonte, man habe die Produktion von Schutz­­ausrüstung für medizinisches Personal bereits hochgefahren. Das sagte eine Unternehmenssprecherin zur Rheinischen Post. 3M stellt unter anderem monatlich Millionen Mundschutzmasken her.

„Wir arbeiten weltweit mit Kunden, Händlern, Regierungen und medizinischen Stellen daran, 3M-Lieferungen dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten benötigt werden, dabei priorisieren wir vom Coronavirus betroffene Gebiete“, sagte die Sprecherin. Den­noch übersteige die weltweite Nachfrage nach Schutzausrüstung derzeit das Angebot. „Wir gehen davon aus, dass dies auch noch in absehbarer Zeit der Fall sein wird.“

Der gemeinsame Krisenstab von Bundesinnen- und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, der nach Pandemieplan zur Bekämpfung des Coronavirus gegründet wurde, hat unterdessen ein Exportverbot für medizinische Schutzausrüstung verhängt.

In Frankreich sind Schutzmasken nur noch auf Rezept erhältlich. Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye sagte heute im Radiosender France Inter, die Apotheken seien angewiesen worden, „Masken nur noch auf ärztliche Verschreibung oder an Gesundheitspersonal weiterzugeben“. Damit kämen die Masken „Menschen zugute, die infiziert sind oder stark gefährdet sind, sich zu infizieren“.

Medikamentenproduktion in Indien leidet

Indien, aus dem viele Nachahmerpräparate kommen, hat den Export von 26 Medikamen­ten und Wirkstoffen eingeschränkt. Die Grundstoffe für deren Produktion kämen aus Chi­na und wegen der Epidemie würden sie inzwischen nicht mehr geliefert, sagte der Vorsit­zende der indischen Exportförderungsbehörde für Arzneimittel, Dinesh Dua, heute.

Indien wolle mit der Einschränkung sicherstellen, dass wichtige Medikamente wie Para­cetamol in ausreichender Menge für den eigenen Markt zur Verfügung stehen. Er sagte zunächst nicht, welche Länder die Exportbeschränkungen betreffen. Nach Auskunft des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stehen die bislang ge­meldeten Lieferengpässe für Deutschland nicht im Zusammenhang mit SARS-CoV-2.

Zahlen steigen weltweit, Virus kehrt nach China zurück

Die Zahl der Toten durch SARS-CoV-2 in China ist unterdessen um 38 gestiegen. Damit sind in Festlandchina bereits 2.981 Todesfälle zu beklagen, wie die nationale Ge­sundheits­kommission heute in Peking berichtete.

Außerdem wurden 119 Infektionen neu nachgewiesen. Die Gesamtzahl der Ansteckungen in der Volksrepublik seit Beginn der Epidemie im Dezember klettert damit auf offiziell rund 80.270. Von ihnen haben knapp 50.000 die Krankenhäuser wieder verlassen.

Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. Die überwiegende Zahl der neu bestätigten Infektionen und Todesfälle in der offiziellen Statistik gab es wieder in der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina, wo SARS-CoV-2 seinen Ausgang ge­nommen hat. In der seit Ende Januar abgeschotteten Krisenregion sind bislang allein mehr als 67.000 Fälle registriert und 2.871 Tote durch die COVID-19-Lungenkrankheit gemeldet.

Mit der weltweiten Ausbreitung kehrt das neuartige Coronavirus auf dem Umweg über das Ausland unterdessen wieder nach China zurück. So sind innerhalb einer Woche bei der Ankunft in China bereits 75 Reisende entdeckt worden, die mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert wa­ren, wie die Grenzbehörden nach Angaben der chinesischen Ausgabe der Zeitung Global Times heute berichteten.

Allein acht Chinesen, die aus der norditalienischen Stadt Bergamo in der schwer betroffe­nen Lombardei zurückkehrten, sind in der ostchinesischen Provinz Zhejiang positiv getes­tet worden, wie das Wirtschaftsmagazin Caixin schreibt. Die Chinesen seien heimgekehrt, weil ihr Restaurant in Bergamo seit dem Ausbruch des Virus in Norditalien nicht mehr lief.

Bei der Einreise in China seien durch die verschärften Kontrollen und Fiebermessungen bisher 6.728 Menschen mit Krankheitssymptomen aufgefallen, hieß es. Der erste Fall einer Infektion bei einem Reisenden aus dem Ausland sei am vergangenen Donnerstag in der Provinz Ningxia festgestellt worden.

Mehrere chinesische Städte und Regionen wie Peking, Shanghai oder die Südprovinz Guangdong verlangen von Reisenden aus schwer betroffenen Ländern wie Italien, Süd­korea, Iran oder Japan, nach der Landung 14 Tage in Quarantäne entweder überwacht zuhause, in einem besonderen Hotel oder in speziellen Zentren zu verbringen. Vielfach ordnen auch lokale Behörden einfach eine solche Isolation an. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #818061
Antonia.F
am Donnerstag, 5. März 2020, 05:03

In unserer Praxis sitzten lauter Corona Patienten

Dieses Corona Thema zieht sich nun seit Wochen durch unsere Praxis gefühlt jeder Hypoc. sitzt in unserer Praxis, und hat Corona.
Das interessante ist, das scheinbar den Menschen ein anderes Thema fehlt.
Ich habe dann angefangen mich mit den Frauen über Freud und die Traumdeutung zu unterhalten. Häufig lenkt Sie das total ab, das Buch von Freud gibt es ja auch kostenlos im Internet (gemeinfrei). Auch gut scheinen deutung.com und https://traum-deutung.de bei den Patienten zu funktionieren.
Also wie bei kleinen Kindern, ablenkung mit einem Thema und schon tut die Wunde nicht mehr weh. Vielleicht hilft es noch anderen.
Avatar #711626
philipp.kapp75
am Mittwoch, 4. März 2020, 21:13

Kampf "gegen"...

als ob sich das arme Virus wehren könnte... Das ist kein Kampf "gegen" etwas, schon gar nicht mit "Masken". Es ist eine Vorbeugung. Eine Maßnahme. Formulieren Sie bitte präziser und weniger reisserisch.
LNS

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