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Medizin

Personalisierte Therapie verlängert Überleben bei Pankreaskarzinom um ein Jahr

Mittwoch, 4. März 2020

Pankreaskarzinom /Kateryna_Kon stock.adobe.com

Houston/Texas – Ein Viertel aller Pankreaskarzinome weist genetische Veränderungen auf, die Angriffspunkte für eine gezielte Therapie mit bereits zugelassenen Wirkstoffen bieten. In einer Behandlungsserie in Lancet Oncology (2020; DOI: 10.1016/S1470-2045(20)30074-7) wurde eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeiten beobachtet.

Das Pankreaskarzinom gehört zu den Krebserkrankungen mit den schlechtesten Behandlungsergebnissen. Eine Operation kommt in der Regel zu spät und die Ergebnisse der Chemotherapie sind meist unbefriedigend. Die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Diagnose liegt nur bei etwa 1 Jahr. Das rasche Fortschreiten des Tumors erschwert die Suche nach genetischen Veränderungen, die gezielte Therapieansätze ermöglichen.

Die US-Stiftung „Pancreatic Cancer Action Network“ bietet Patienten zusammen mit einem privaten Anbieter eine Genom-Analyse des Tumors an. Dort wird nach „actionable“ Veränderungen gesucht, die auf eine mögliche Wirksamkeit einer steigenden Zahl von zielgerichteten Krebsmedikamenten hindeutet.

In den letzten Jahren konnten die Tumore von 1.082 Patienten untersucht werden. Bei 282 (26 %) wurden „actionable“ Veränderungen gefunden. Aus unterschiedlichen Gründen (etwa zu rasches Fortschreiten des Tumors oder fehlende finanzielle Mittel) konnten jedoch nur 46 Patienten behandelt werden.

Da es sich um keine randomisierte Studie handelt, ist die Aussagekraft begrenzt. Die Überlebenszeiten der Patienten lagen jedoch deutlich über den mit Operation und Chemotherapie erreichbaren Ergebnissen.

Wie Michael Pishvaian vom MD Anderson Cancer Centre in Houston und Mitarbeiter berichten, waren nach 383 Tagen noch 21 von 46 Patienten am Leben. Das mediane Gesamtüberleben betrug 2,58 Jahre gegenüber 1,51 Jahren bei den Patienten, die keine zielgerichtete Therapie erhalten hatten.

Pishvaian ermittelt eine Hazard Ratio von 0,42, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,26 bis 0,68 signifikant war. Auch im Vergleich zu den Patienten, bei denen keine „actionable“ genetischen Veränderungen gefunden wurden, waren die Überlebenszeiten mit 1,32 Jahren länger (Hazard Ratio 0,34; 0,22 bis 0,53).

Es kamen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz. Lang anhaltende Remissionen wurden unter anderem mit Crizotinib (bei ALK-Fusion), Pembrolizumab (bei MSI-H oder bei CDK-Amplifikation), Olaparib (bei BRCA1/2-Mutationen), Trametinib und Dabrafenib (bei BRAF-Mutationen) erzielt.

Da die meisten Patienten weitere Behandlungen wie Chemotherapie oder auch Radio­therapie erhielten, lässt sich der Anteil der zielgerichteten Behandlung am Behandlungs­ergebnis kaum abschätzen und beurteilen. Außerdem ist nicht auszu­schließen, dass selektiv Patienten mit einem besseren funktionellen Allgemeinzustand behandelt wurden.

Die Verlängerung des Gesamtüberlebens um ein ganzes Jahre ist jedoch ein beachtliches Ergebnis und für den Editorialisten Jörg Kleeff vom Universitätsklinikum Halle/Saale ein ermutigender Ausgangspunkt für eine molekular abgestimmte Therapie, die jetzt in weiteren Studien untersucht werden sollte. © rme/aerzteblatt.de

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