NewsMedizinPersonalisierte Therapie verlängert Überleben bei Pankreaskarzinom um ein Jahr
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Personalisierte Therapie verlängert Überleben bei Pankreaskarzinom um ein Jahr

Mittwoch, 4. März 2020

Pankreaskarzinom /Kateryna_Kon stock.adobe.com

Houston/Texas – Ein Viertel aller Pankreaskarzinome weist genetische Veränderungen auf, die Angriffspunkte für eine gezielte Therapie mit bereits zugelassenen Wirkstoffen bieten. In einer Behandlungsserie in Lancet Oncology (2020; DOI: 10.1016/S1470-2045(20)30074-7) wurde eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeiten beobachtet.

Das Pankreaskarzinom gehört zu den Krebserkrankungen mit den schlechtesten Behandlungsergebnissen. Eine Operation kommt in der Regel zu spät und die Ergebnisse der Chemotherapie sind meist unbefriedigend. Die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Diagnose liegt nur bei etwa 1 Jahr. Das rasche Fortschreiten des Tumors erschwert die Suche nach genetischen Veränderungen, die gezielte Therapieansätze ermöglichen.

Die US-Stiftung „Pancreatic Cancer Action Network“ bietet Patienten zusammen mit einem privaten Anbieter eine Genom-Analyse des Tumors an. Dort wird nach „actionable“ Veränderungen gesucht, die auf eine mögliche Wirksamkeit einer steigenden Zahl von zielgerichteten Krebsmedikamenten hindeutet.

In den letzten Jahren konnten die Tumore von 1.082 Patienten untersucht werden. Bei 282 (26 %) wurden „actionable“ Veränderungen gefunden. Aus unterschiedlichen Gründen (etwa zu rasches Fortschreiten des Tumors oder fehlende finanzielle Mittel) konnten jedoch nur 46 Patienten behandelt werden.

Da es sich um keine randomisierte Studie handelt, ist die Aussagekraft begrenzt. Die Überlebenszeiten der Patienten lagen jedoch deutlich über den mit Operation und Chemotherapie erreichbaren Ergebnissen.

Wie Michael Pishvaian vom MD Anderson Cancer Centre in Houston und Mitarbeiter berichten, waren nach 383 Tagen noch 21 von 46 Patienten am Leben. Das mediane Gesamtüberleben betrug 2,58 Jahre gegenüber 1,51 Jahren bei den Patienten, die keine zielgerichtete Therapie erhalten hatten.

Pishvaian ermittelt eine Hazard Ratio von 0,42, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,26 bis 0,68 signifikant war. Auch im Vergleich zu den Patienten, bei denen keine „actionable“ genetischen Veränderungen gefunden wurden, waren die Überlebenszeiten mit 1,32 Jahren länger (Hazard Ratio 0,34; 0,22 bis 0,53).

Es kamen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz. Lang anhaltende Remissionen wurden unter anderem mit Crizotinib (bei ALK-Fusion), Pembrolizumab (bei MSI-H oder bei CDK-Amplifikation), Olaparib (bei BRCA1/2-Mutationen), Trametinib und Dabrafenib (bei BRAF-Mutationen) erzielt.

Da die meisten Patienten weitere Behandlungen wie Chemotherapie oder auch Radio­therapie erhielten, lässt sich der Anteil der zielgerichteten Behandlung am Behandlungs­ergebnis kaum abschätzen und beurteilen. Außerdem ist nicht auszu­schließen, dass selektiv Patienten mit einem besseren funktionellen Allgemeinzustand behandelt wurden.

Die Verlängerung des Gesamtüberlebens um ein ganzes Jahre ist jedoch ein beachtliches Ergebnis und für den Editorialisten Jörg Kleeff vom Universitätsklinikum Halle/Saale ein ermutigender Ausgangspunkt für eine molekular abgestimmte Therapie, die jetzt in weiteren Studien untersucht werden sollte. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. März 2020
Heidelberg – Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg wollen die Vorsorge von Darmkrebs weiter verbessern und vereinfachen. Die Deutsche Krebshilfe fördert zwei Projekte des
Wissenschaftler wollen Darmkrebsvorsorge verbessern
27. März 2020
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) plädiert dafür, die Versorgung von Krebspatienten mit notwendigen, unter Umständen lebensrettenden Therapien aufrechtzuerhalten. „In
Strahlentherapie onkologischer Patienten im Einzelfall trotz COVID-19 möglich
27. März 2020
Kiel – Eine personalisierte Therapie, welche die genetische Disposition der einzelnen Betroffenen besonders berücksichtigt, kann das Leben von Patienten mit bestimmten Darmkrebsformen verlängern. Das
Darmkrebs: Patienten profitieren von personalisierter Therapie
25. März 2020
Berlin – Viele Krebspatienten sind wegen der Corona-Pandemie besorgt, ob ihre onkologische Therapie derzeit auf optimalem Niveau durchgeführt werden kann. Das berichten die Deutsche Krebshilfe, das
COVID-19: Sorge um Unterversorgung onkologischer Patienten
16. März 2020
Heidelberg – Krebserkrankte sollten zu ihrem Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 die entsprechenden Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen besonders sorgfältig beachten, vor allem, wenn ihr
Krebserkrankungen und Krebstherapien während der Corona-Pandemie
11. März 2020
Bethesda – Die Trefferrate bei der Diagnose des Prostatakarzinoms kann verbessert werden, wenn die systematische Stanzbiopsie um eine gezielte Biopsie von Arealen ergänzt wird, die in der
Prostatakarzinom: Magnetresonanztomografie verbessert Qualität der Biopsie
6. März 2020
Berlin/Göttingen – Künstliche Intelligenz (KI) soll künftig verstärkt in der Krebstherapie zum Einsatz kommen. Dafür starteten das Universitätsklinikum Göttingen und Siemens Healthineers am 1. Februar
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER