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Politik

Digitales Medizinstudium in Malta führt nicht automatisch zur Approbation in Deutschland

Freitag, 6. März 2020

/dpa

Berlin/Valetta – Der Masterabschluss des privaten Online-Medizinstudiengangs EDU der Digital Education Holdings (DEH) in Malta fällt nicht unter die automatische Anerken­nung innerhalb der Europäischen Union (EU) gemäß der EU-Richtlinie. Er führt daher auch nicht zur Approba­tion als Arzt in Deutschland. Das hat nach detaillierter Prüfung der Fakten die Zentral­stelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) im Sekretariat der Kultus­ministerkonferenz (KMK) festgestellt.

Der EU-Richtlinie zufolge setze eine automatische Berufsanerkennung innerhalb der EU voraus, dass das Humanmedizinstudium „an einer Universität oder unter der Aufsicht ei­ner Universität“ erfolge. Die EDU sei jedoch in Malta nicht als „university“, sondern ledig­lich als „higher education institution“ lizensiert worden, also eine Stufe tiefer, erklärte die ZAB dem Deutschen Ärzteblatt.

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Allein deshalb würde der Masterabschluss in Malta nicht als ärztliche Qualifikation aner­kannt werden. Darüber hinaus wäre die ärztliche Ausbildung mit dem Master nicht voll­ständig abgeschlossen, da in Malta im Anschluss an das Medizinstudium ein praktischer Dienst absolviert werden müsse, zu dem EDU-Studierende jedoch nicht zugelassen wür­den.

Mit dieser Klarstellung bestätigen sich die Befürchtungen der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und der Deutschen Hochschulmedizin. Sie wiesen bereits Ende 2018 gemeinsam darauf hin, dass noch viele Fragen zur Ausgestaltung dieser Form des Medizinstudiums offen sei­­en und empfahlen jungen Leuten, die sich für ein Medizinstudium interessieren, dieses Angebot „sorgfältig auf seine Tragfähigkeit und vor allem auf die Ermöglichung des ange­strebten Studienziels zu prüfen“.

Insbesondere die Qualität des Studiums und die Qualifikation der Lehrenden und Prüfen­den hielten BÄK und der Medizinische Fakultätentag (MFT) für fraglich: Die EDU besitze keine Zulassung als Universität, warnten sie. Unklar sei auch, ob im Anschluss an das Stu­dium noch ein „Foundation Year“ angeschlossen werden müsse, wie es für die lokalen Stu­diengänge der Humanmedizin auf Malta erforderlich sei, um eine volle Approbation zu erhalten.

„Unsere Sorgen, die die Rechtssicherheit dieses Online-Studiengangs in Malta betreffen, haben sich durch die Bewertung der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen der KMK bestätigt“, sagte jetzt Frank Wissing, Generalsekretär des MFT, dem Deutschen Ärzteblatt.

„Ein Medizinstudium, dessen theoretische Ausbildung ausschließlich online erfolgt, bietet keine ausreichende Vorbereitung auf die Praxis – zumal auch die rechtlichen Rahmenbe­dingen nicht gegeben sind. Das EDU College of Medicine ist keine Universität im Sinne der EU-Richtlinie.“ Damit führe auch der in Malta angebotene Masterabschluss in Human­medizin nicht unmittelbar zur Approbation in Deutschland.

Die BÄK lehnt zudem die Verlagerung der medizinischen Ausbildung ins Ausland ab, um so auf einem vereinfachten Wege weitere Mediziner auszubilden. Nach ihrer Ansicht soll­te vielmehr der ärztliche Fachkräftemangel in Deutschland durch den Ausbau von staat­lich finanzierten Medizinstudienplätzen an deutschen Universitäten begegnet werden, anstatt kommerzielle Studienangebote im Ausland weiter auszubauen.

Als die EDU im April 2019 auf ihrer Homepage von der erfolgreichen Akkreditierung des Master Studienprogramms in Medicine durch die National Commission for Further Higher Education (NCFHE) in Malta berichtete, warnte die BÄK erneut, dass möglicherweise die­ser Studiengang die Bedingungen der Berufsanerkennungsrichtlinie im Sinne einer auto­matischen Anerkennung der ärztlichen Approbation als Voraussetzung für eine Migration innerhalb der EU nicht erfülle.

Dennoch starteten vor gut einem Jahr die ersten deutschen Medizinstudierenden ihr pri­vates Online-Medizinstudium bei der akademischen Plattform EDU, das etwa 20.000 Euro jährlich kostet. Ihren Wohnsitz nach Malta verlegen mussten sie dazu nicht. Denn die EDU verzichtet auf klassische Vorlesungen und Seminare und setzt stattdessen auf ein virtuelles Studium, das fortlaufend angetreten werden kann und online im Austausch mit englischsprachigen Tutoren und Mentoren absolviert wird. Begleitend werden die Studie­ren­den ab dem ersten Studienjahr medizinisch-praktisch innerhalb des Helios-Konzerns ausgebildet, derzeit vor allem bei Helios in Berlin-Buch.

Die EDU strebt zudem weitere Partnerschaften an. Erst heute gab sie bekannt, mit der Fakultät für Gesundheit, Medizin und Lebenswissenschaften der Universität Maastricht, Niederlande, einen Partnerschaftsvertrag geschlossen zu haben, der eine kontinuierliche Evaluation und Supervision des Curriculums des Humanmedizin-Studiums an EDU durch die Experten aus den Niederlanden vorsieht. Ziel sei, den Wissensstand der Medizinstu­dierenden der EDU mit dem von Studierenden anderer Hochschulen vergleichbar zu machen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. © ER/aerzteblatt.de

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