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Medizin

Lebensmittelbedingte Infektionen in Europa zunehmend schwerer zu behandeln

Donnerstag, 5. März 2020

/dpa

Stockholm und Parma – Die Häufigkeit von Antibiotikaresistenzen hat bei Salmonellen und bei Campylobacter, den beiden häufigsten bakteriellen Ursachen einer Gastroen­teritis, in Europa weiter zugenommen.

Dies geht aus dem aktuellen Jahresbericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Europäischen Behörde für Lebens­mittelsicherheit (EFSA) hervor. Bei Salmonellen wurden auch Resistenzen gegen das Reserveantibiotikum Carbapenem beobachtet.

ECDC und EFSA veröffentlichen jährlich einen gemeinsamen Bericht über die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen bei Bakterien, die in der Viehzucht verwendete Tiere und Menschen infizieren können. Dass diese Zoonosen die Gesundheit der Bevölkerung gefährden, wird nicht mehr bestritten. Beschränkungen des Antibiotikaeinsatzes sollen das Risiko einschränken. Eine Wende scheint jedoch noch nicht erreicht zu sein.

Beim Menschen ist der Anteil der Salmonellen, die eine Resistenz gegen hohe Konzentra­tionen von Ciprofloxacin aufweisen, von 1,7 % im Jahr 2016 auf 4,6 % im Jahr 2018 an­gestiegen. Bei Campylobacter berichten 16 von 19 Ländern über sehr hohe oder extrem hohe Prozentsätze an Ciprofloxacinresistenzen.

Hohe Resistenzen gegen Ciprofloxacin werden auch bei Salmonellen und E. coli-Bakte­rien bei Geflügel gemeldet. Die Resistenzen sind problematisch, weil Fluorchi­nolone, zu denen Ciprofloxacin gehört, von der Welt­gesund­heits­organi­sation als äußerst wichtige Antibiotika für die Anwendung beim Menschen eingestuft werden.

Bedrohlich wird die Resistenz auf Fluorchinolone, wenn sie mit Resistenzen auf weitere wichtige Antibiotika kombiniert ist. Solche Fälle sind bisher sehr selten geblieben. Nur vereinzelt werden Salmonellen gefunden, die gleichzeitig gegen Fluorchinolone und Cephalosporine der dritten Generation resistent sind.

Bei Campylobacter gibt es kombinierte Resistenzen gegen Fluorchinolone und Makrolide. Diese Fälle sind laut dem Bericht jedoch weiterhin selten.

Beunruhigend ist dagegen, dass im Jahr 2018 beim Menschen sporadisch Salmonellen isoliert wurden, die gegen Carbapeneme resistent waren. Carbapeneme gehören zu den Reserveantibiotika, deren Verlust eine schwer zu füllende therapeutische Lücke hinter­lassen würde.

Die wirksamste Möglichkeit, die Ausbreitung dieser Stämme zu verhindern, besteht laut ECDC darin, das Screening weiter zu verbessern und auf positiv getestete Fälle umge­hend zu reagieren.

Bei den Tieren, aus denen Lebensmittel hergestellt werden, dient E. coli als Gesamt­indi­kator. Die Empfindlichkeit von E. coli hat sich laut dem Report in 1/4 der EU/EAA-Länder im Zeitraum 2014 bis 2018 verbessert. ECDC und EFSA betrachten dies als eine günstige Entwicklung, da in diesen Ländern die Chancen auf eine erfolgreiche Antibiotikabehand­lung gestiegen sind.

Auch die Verbreitung der bei Tieren isolierten E. coli, die Beta-Laktamasen mit erweiter­tem Wirkungsspektrum (ESBL) bilden oder das Resistenzgen AmpC aufweisen, ist in 40 % der Mitgliedsstaaten rückläufig. Dies ist nach Einschätzung von ECDC und EFSA wich­tig, weil ESBL-AmpC bildende E. coli für schwere Infektionen beim Menschen verantwortlich sind.

Resistenzen gegen das Reserveantibiotikum Colistin sind bei Salmonellen und E. coli selten. Bei Masthähnchen, Truthähnen und Masthähnchenfleisch wurden zudem keine Carbapenemase bildenden E. coli nachgewiesen.

Die positiven Entwicklungen bei Tieren sind laut dem Report ermutigend, da sie auf eine Verbesserung hindeuten. Bei Menschen ist laut ECDC der Rückgang der Resistenz gegen Ampicillin und Tetrazykline bei Salmonella Typhimurium in vielen Ländern ein ermuti­gen­der Trend, der in den Jahren 2013 bis 2018 zu beobachten war. © rme/aerzteblatt.de

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