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Medizin

HIV: Monatliche Injektionen von Cabotegravir und Rilpivirin unterdrücken Virusreplikation

Freitag, 6. März 2020

/tashatuvango, stock.adobe.com

London und Omaha/Nebraska – Die monatliche intramuskuläre Injektion eines Depotpräparats mit den Wirkstoffen Cabotegravir und Rilpivirin könnte HIV-Patienten künftig die tägliche Einnahme der Medikamente ersparen.

2 Phase-3-Studien, deren Ergebnisse jetzt im New England Journal of Medicine (2020; doi: 10.1056/NEJMoa1909512 und 10.1056/NEJMoa1904398) publiziert wurden, zeigen, dass die intramuskuläre Behandlung sicher und effektiv ist. Trotzdem hat die US-Arzneimittelbehörde FDA eine Zulassung bisher abgelehnt.

Die hochaktive antiretrovirale Therapie, die durch die Kombination mit mehreren Wirkstoffen die Virusreplikation langfristig unterdrückt, hat unzähligen HIV-Infizierten das Leben gerettet. Sie zählt zweifellos zu den größten medizinischen Fortschritten der letzten beiden Jahrzehnte.

In dieser Zeit ist es auch gelungen, die Pillenlast von rund einem Dutzend auf eine Tablette zu senken. Der nächste Fortschritt könnte die Entwicklung von Depotpräparaten sein, die nach einer intramuskulären Injektion die Wirkstoffe kontinuierlich über einen längeren Zeitraum ins Blut abgeben.

Eine vielversprechende Kombination besteht aus dem Integrase-Strangtransfer-Inhibitor Cabotegravir mit dem nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitor Rilpivirin. Die Hersteller der beiden Wirkstoffe haben eine intramuskuläre Formulierung in 2 internationalen Phase-3-Studien untersuchen lassen.

An der FLAIR-Studie („First Long-Acting Injectable Regimen“) nahmen 566 HIV-Infizierte teil, die zuvor noch keine Medikamente erhalten hatten. Alle waren vor Beginn der Studie mit einer oralen Kombination behandelt worden, die die Viruskonzentration unter die Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml senkte. An der ATLAS-Studie („Antiretroviral Therapy as Long Acting Suppression“) nahmen 618 Patienten teil, die bereits seit längerer Zeit in Behandlung waren und die zuletzt eine stabile Virussuppression erzielt hatten.

In beiden Studien wurden die Patienten auf eine Fortsetzung der Behandlung oder auf monatliche Injektionen der Kombination aus Cabotegravir und Rilpivirin randomisiert. Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten mit einer Viruskonzentration von mehr als 50 Kopien/ml nach 48 Wochen, was als Therapieversagen gewertet wurde. Die Nichtunterlegenheitsmarge wurde auf 6-%-punkte festgelegt.

Beide Studien erreichten ihr Ziel. In der FLAIR-Studie kam es unter der Langzeittherapie bei 6 von 283 Patienten (2,1 %) zum Therapieversagen gegenüber 7 von 283 Patienten (2,5 %) unter der oralen Therapie. Der Unterschied von 0,4-%-punkten blieb nach Berechnungen von Chloe Orkin, Queen Mary University London, und Mitarbeitern mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 2,1 bis 2,8-%-punkten unter der Nichtunter­legenheitsmarge.

In der ATLAS-Studie waren die Ergebnisse ähnlich. Unter der Langzeittherapie kam es bei 5 Patienten (1,6 %) zum Therapieversagen gegenüber 3 Patienten (1,0 %), die eine orale Therapie erhielten. Der Unterschied von 0,6-%-punkten lag nach den von Susan Swindells vom University of Nebraska Medical Center in Omaha und Mitarbeitern vorge­stellten Ergebnissen bei einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 1,2 bis 2,5-%-punkten unter der Nichtunterlegenheitsmarge.

Die Hersteller stellten aufgrund der Ergebnisse in den USA und in Europa einen Zulassungsantrag. Im Dezember erhielten sie jedoch von der US-Behörde FDA einen „complete response letter“, womit im Behördenjargon eine Ablehnung gemeint ist.

Die Gründe stehen laut den Herstellern mit „Chemistry, Manufacturing and Controls“ in Verbindung. Gemeint sind Herstellungs- und Kontrollprobleme. Sicherheit und Verträglichkeit der Depotpräparate wurden angeblich nicht beanstandet. Eigentlich sollten dies keine unüberwindlichen Probleme sein. Doch die Hersteller scheinen bisher keine weiteren Anstrengungen unternommen zu haben, eine Zulassung zu erhalten.

Möglicherweise hoffen sie, dass die Ergebnisse einer Anschlussstudie der Zulassung neue Schubkraft verleiht. In der ATLAS-2M-Studie wurde an 1.045 HIV-Patienten untersucht, ob das Intervall der intramuskulären Injektionen von 4 auf 8 Wochen verlängert werden kann. Nach den vom Hersteller im letzten Jahr mitgeteilten Ergebnissen hat die Studie dieses Ziel erreicht. Eine Publikation steht jedoch noch aus.

Ein 2-monatiges Intervall könnte die Therapie nicht nur für die Patienten attraktiver machen. Sie würde sich auch besser in die derzeitige ärztliche Betreuung integrieren lassen, findet Judith Currier vom the UCLA Medical Center in Los Angeles. Derzeit werden die Patienten in den meisten Behandlungszentren 2 Mal im Jahr zu Kontrollunter­suchungen einbestellt.

Die Injektion eines Depotpräparats würde häufigere Termine erforderlich machen. Ärzte wären mit einem 2-monatigen Intervall vermutlich glücklicher als mit monatlichen Besuchen, glaubt Currier. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #743305
Maddy0466
am Samstag, 7. März 2020, 20:28

US-Behörde FDA einen „complete response letter“US-Behörde FDA einen „complete response letter“

Vielleicht verdienen die Pharmakonzerne mit dem vertreiben der herkömmlichen Medikamente mehr, als wenn jeder HIV+ im Monat eine Spritze bekommen? Die Lobby ist auch in den amerikanischen Zulassungsstellen so mächtig, dass diese somit aus Gründen, welche man sich aus dem Finger gesaugt hat, die Zulassung des neuen HIV- Medikaments eine Absage erteilte. Natürlich stellt sich auch die Frage, ob diese überhaupt für alle HIV+ aus Verträglichkeitsgründen zu Einsatz kommen kann.
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