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Medizin

COVID-19: Wie Kliniken in Hongkong nosokomiale Infektionen (bisher) verhindert haben

Freitag, 6. März 2020

/Mongkolchon, stock.adobe.com

Hongkong – Die Gesundheitsbehörden in Hongkong, wo es Anfang 2003 während der SARS-Epidemie zu zahlreichen Erkrankungen unter Klinikpatienten und im medizinischen Personal gekommen war, haben sich auf weitere Ausbrüche mit einem Notfallplan ge­wappnet, der nach den ersten Fällen aus Zentralchina aktiviert wurde. Laut einem Bericht in Infection Control and Hospital Epidemiology (2020; doi: 10.1017/ice.2020.58) konnten nosokomiale Infektionen bisher vermieden werden.

Während der SARS-Epidemie hatte der Anteil der nosokomialen Infektionen bei 60 % ge­legen. Ein Grund war das Auftreten von „Super-Spreadern“, die in diesem Ausmaß bei der COVID-19-Epidemie bisher nicht beobachtet wurden.

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Zu den Fehlern, die damals gemacht wurden, gehört nach Ansicht von Kwok-Yung Yuen von der Universität Hong­kong, dass Verdachtsfälle nicht konsequent isoliert wurden. Die Patienten hatten bis zu 13 Tage (median 4,5 Tage) in der Klinik verbracht, bis die Infek­tion bei ihnen erkannt wurde.

Um diese Fehler zu vermeiden, aktivierte die „Hospital Authority“, die für alle 43 öffent­lichen Krankenhäuser zuständig ist, bereits am 31. Dezember (Tag 1), als der Ausbruch in Wuhan bekannt wurde, einen Notfallplan.

Er umfasste ein Bündel von Maßnahmen zur Früherkennung, Isolierung, Meldepflicht und Testung aller Verdachtsfälle. Verdächtig galten ab dem Tag 1 alle Patienten, die die klini­schen und die epidemiologischen Kriterien erfüllten. Die Kriterien wurden mit der Zeit angepasst.

Die klinischen Kriterien umfassten bis zum Tag 23 Patienten, die mit Fieber plus Atem­wegs­­e­rkrankungen/Pneumonie aufgenommen wurden. Ab dem Tag 24 wurden alle Pa­tienten mit Fieber oder Atemwegserkrankungen/Pneumonie als Verdachtsfälle eingestuft.

Die epidemiologischen Kriterien waren bis zum Tag 16 ein Aufenthalt in Wuhan in den 14 vorangegangenen Tagen. Danach wurde das Kriterium erweitert um Personen, die in Fest­landchina in den letzten 14 Tagen eine Klinik besucht hatten. Diese Erweiterung wurde laut Yuen durch die Befürchtung ausgelöst, dass sich die Viren wie bei SARS vor allem in und über die Kliniken ausbreiten.

Ab dem 17. Tag galten auch alle Personen mit Kontakt zu einem bestätigten Fall als Ver­dachtsfall. Alle Verdachtsfälle sollten so schnell wie möglich in Einzelzimmern mit Schleuse („airborne infection isolation room“ AIIR) untergebracht werden.

Der Notfallplan sah auch vor, dass die Ergebnisse der Abstrichuntersuchungen nach Mög­lichkeit innerhalb von 4 bis 8 Stunden vorliegen. Dies war möglich, weil die Wege im Stadt­staat relativ kurz sind und insgesamt sieben Labors zu einem Virusnachweis mit PCR in der Lage sind.

Bis zum 10. Februar (Tag 42) erfüllten 1.275 Personen die Kriterien für eine aktive Über­wachung. Bei 42 fiel der Test positiv aus. Von ihnen wurden 36 sofort in AIIR isoliert. Nur 6 verbrachten die erste Zeit nicht in AIIR-Zimmern.

Der Plan sah auch vor, dass alle Ärzte und Pflegenden (HCW), die ungeschützten Kontakt zu den Patienten hatten, über 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden. Dies war laut Yuen nur bei 11 von 413 betroffenen HCW (2,7 %) notwendig, da die Adhärenz mit den Schutzmaßnahmen hoch war. Bei keinem der 11 HCW kam es zu einer Infektion. Auch unter den Patienten ist es zu keiner einzigen nosokomialen Infektion gekommen.

Die Schutzmaßnahmen entsprechen in Hongkong denen in westlichen Ländern mit der Ausnahme, dass praktisch jeder einen Atemschutz trägt. Bei den Personen, die bestätigte Fälle betreuen, sind N95-Respiratoren und Schutzkleidung Pflicht, ebenso ein Augen­schutz.

Die strengsten Regeln gelten auf der Aufnahmestation („Triage“) sowie bei allen Aerosol erzeugenden Maßnahmen. Dazu gehören endotracheale Intubation, kardiopulmonale Wiederbelebung, Bronchoskopie und offene Absaugung der Atemwege, Sputuminduktion, Anwendung der Verneblertherapie, nicht-invasive Überdruckbeatmung und Hochfre­quenz-Oszillationsbeatmung.

Interessant sind die Ergebnisse einer Umgebungsuntersuchung, die beim ersten Patien­ten durchgeführt wurde. Dieser wurde gebeten, mit und ohne Mundschutz 4 Manöver durchzuführen: Normales Atmen, tiefes Atmen, kontinuierliches Sprechen sowie Husten (1 bis 3 Mal und kontinuierlich). Danach wurden Luftproben untersucht. Alle Analysen waren negativ. Auch die meisten Abstriche an verschiedenen Stellen im Raum waren negativ. Nur auf der Fensterbank wurden Virusgene gefunden.

Ein Kommentator der Society for Healthcare Epidemiology of America schließt daraus, dass die Übertragung über die Umwelt bei der Ausbreitung von SARS-CoV-2 eine gerin­gere Rolle spielt als der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch. Allerdings sollten aus der Umgebungsuntersuchung bei einer einzigen Person keine allzu weitreichenden Schlüsse gezogen werden. © rme/aerzteblatt.de

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