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Medizin

Parkinson-Erkrankung früher erkennen

Donnerstag, 12. März 2020

/gballgiggs, stock.adobe.com

Houston – Wissenschaftlern des Mitchell Center for Alzheimer’s Disease and Related Brain Disorders der University of Texas ist es gelungen, unterschiedliche Formen des sogenannten alpha-Synucleins im Liquor nachzuweisen. Dies könnte es ermöglichen, bereits in frühen Stadien zwischen einem Morbus Parkinson und einer Multisystem­atrophie (MSA) zu unterscheiden.

Beide Erkrankungen gehören zur Gruppe der Synucleinopathien, die mit der krankhaften Ablagerung von unlöslichem, fehlgefaltetem alpha-Synuclein einhergehen und ähnliche Symptome zeigen. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Nature erschienen (DOI 10.1038/s41586-020-1984-7).

Die Ablagerungen mit dem Protein alpha-Synuclein sind zelltoxisch und spielen wahr­scheinlich pathogenetisch eine wesentliche Rolle, auch wenn ihre genaue Bedeu­tung laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) noch nicht vollständig geklärt ist.

Zur Aggregation kommt es aufgrund einer fehlerhaften Molekülstruktur des alpha-Synucleins, genauer einer Fehlfaltung, bei der zunächst kleinste Eiweiß-Fasern (Fibrillen) entstehen, die dann weiter zu mikroskopisch sichtbaren Lewy-Körperchen (bei der Parkinson-Krankheit) oder glialen zytoplasmatischen Einschlüssen (bei der MSA) verklumpen.

„Das pathologische alpha-Synuclein ist typischerweise auch im Liquor der Patienten nachweisbar, was zur diagnostischen Unterscheidung von Synucleinopathien und anderen neurodegenerativen Erkrankungen genutzt werden kann“, erklärte Günter Höglinger, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen, einer Schwerpunktgesellschaft der DGN.

Für den Nachweis von Protein-Fehlfaltungen im Liquor wird eine biomolekulare Labor­technik, die sogenannte PMCA („Protein misfolding cyclic amplification“) eingesetzt. Bislang konnte in der gängigen Liquordiagnostik laut der Fachgesellschaft nicht zwischen Parkinson und MSA unterschieden werden.

In der jetzt erschienenen Studie haben die Texaner Wissenschaftler die Technik der PMCA weiterentwickelt. Sie haben dafür an die alpha-Synuclein-PMCA weitere biologisch-chemisch-physikalische Untersuchungsschritte angeschlossen.

Die Sensitivität der angewandten Test-Methode lag bei 95,4 Prozent, was laut der DGN „ausgesprochen gut“ ist. „Solche Test-Assays könnten künftig die Differenzialdiagnostik von Synucleinopathien revolutionieren“, erklärte Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

Zum einen bestehe die Möglichkeit, die Patienten frühzeitig im Krankheitsverlauf zu diagnostizieren, zum anderen könnten die Test-Assays weitere Forschungsarbeiten erleichtern: Bei zukünftige Studien könnte damit eine exakte Patientenstratifizierung erfolgen, die insbesondere für die Entwicklung und Erprobung zielgerichteter, kausaler Therapien von Bedeutung sei, so Berlit. © hil/aerzteblatt.de

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