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Medizin

COVID-19: Entwicklung von Impfstoff und Arzneimitteln läuft auf Hochtouren

Dienstag, 10. März 2020

/dpa

Berlin – Um die Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht zu überlasten, gilt es die Aus­breitung von SARS-CoV-2 zu verlangsamen. „Wir müssen aber auch Zeit für die Forschung gewinnen“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) gestern in Berlin. Die Ent­wicklung von Medikamenten zur Behandlung von COVID-19 sowie eines SARS-CoV-2-Impfstoffs „brauche Geduld und Zeit“, betonte auch Bun­des­for­schungs­minis­terin Anja Karliczek (CDU).

An der Finanzierung indes soll es nicht scheitern: Bereits am 03. März startete das BMBF einen Förderaufruf für die Vergabe von zehn Millionen Euro. Darüber hinaus geht die Ministerin davon aus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestags morgen weitere 145 Millionen Euro aus Bundesmitteln bewilligen werde.

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Ein Schwerpunkt der Forschungsförderung wird Karliczek zufolge die Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 sein. „Aktuell haben 35 Impfstoffentwickler ihre Platt­for­men auf das Coronavirus umgestellt“, sagte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Er geht davon aus, dass es bereits im Sommer bis Herbst dieses Jahres erste klinische Prüfungen der Phase I geben wird.

Falls diese hinsichtlich des Hervorrufens einer spezifischen Immunantwort sowie Verträg­lichkeit und Sicherheit positiv verlaufen sollten, könnten 2021 Studien der Phase II und III mit tausenden oder gar zehntausenden Probanden anlaufen. Unter bestimmten Vo­raus­setzungen „könnten wir dann eventuell schon bestimmte Bevölkerungsgruppen im Rahmen der Studien vor SARS-CoV-2 schützen“, sagte er.

Cichutek betonte, dass das PEI von Zulassungs-, Genehmigungs- und Beratungsseite alles tun werde, um den Zugang zu einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zu beschleunigen. Den­noch müsse eine gute Verträglichkeit, Sicherheit und Wirksamkeit gegeben sein, betonte er: „Die Menschen können sich darauf verlassen, dass ein zugelassener Impfstoff [gegen SARS-CoV-2] auch ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis haben wird.“

Schneller als ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 könnten möglicherweise Medikamente ge­gen die Krankheit COVID-19 zur Verfügung stehen. Die Forschung läuft auf Hochtouren. Susanne Herold, Professorin für Infektionskrankheiten der Lunge an der Justus-Liebig-Universität Gießen, betonte, dass es zwar aktuell keine spezifischen Medika­mente gegen die Krankheit gebe, sich aber viele gute Kandidaten in der Entwicklung befinden würden.

Derzeit werde erforscht, ob bereits zugelassene Medikamente womöglich auch gegen die COVID-19 helfen könnten. Die bereits verfügbaren antiviralen Mittel müssten schnell – und das gelinge mit Unterstützung der Behörden auch – in groß angelegte klinische Stu­dien gebracht werden.

Ein Beispiel ist Herold zufolge das gegen Ebola entwickelte Arzneimittel Remdesivir, das in präklinischen Tests eine gewisse Wirksamkeit gegen MERS gezeigt habe. Auch Prote­ase­hemmer wie sie bei der Influenza eingesetzt würden, seien vielversprechend.

„Wir müssen uns unabhängig machen von Hyperaktivitäten“

Andererseits geht es aber auch darum, neue Wirkstoffe zu identifizieren. Rolf Hilgenfeld, Direktor des Instituts für Biochemie an der Universität Lübeck, arbeitet bereits seit dem MERS-Ausbruch 2013 mit seiner Arbeitsgruppe an der Entwicklung eines Wirkstoffs ge­gen Coronaviren. „Wir müssen uns unabhängig machen von Hyperaktivitäten während und nach Ausbrüchen“, sagte er.

Der von den Lübecker Wissenschaftlern entwickelte Proteasehemmer sei absichtlich breit angelegt in seiner Wirksamkeit, erklärte Hilgenfeld. Coronaviren seien für die Pharma­in­dustrie bislang kein interessantes Betätigungsfeld gewesen. Deshalb habe man den Inhi­bitor so entwickelt, dass er zum Beispiel auch gegen Entero- und Rhinoviren wirken kann.

Bislang sei die Substanz zur Ermittlung der optimalen Applikationsform an Mäusen ge­testet worden. Dies habe eine Anreicherung in der Lunge und der Niere nach subkuta­ner Injektion gezeigt, so Hilgenfeld. Der nächste Schritt sei nun, den Inhibitor in einem Tier­modell auf seine Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 zu testen.

Dies könne allerdings nicht im akademischen Bereich geschehen, sondern erfordere die Unterstützung der Pharmaindustrie. Deshalb hofft Hilgenfeld, dass der Wirkstoff im Rah­men der Initiative Innovative Arzneimittel 2 von einem Pharmaunternehmen aufge­griffen und weiterentwickelt wird. © nec/aerzteblatt.de

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