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Ausland

Frauen treten weltweit für mehr Rechte ein

Montag, 9. März 2020

/picture alliance, ZUMA Press

Islamabad – Am Internationalen Frauentag sind Frauen auf der ganzen Welt für mehr Rech­te eingetreten. Ungeachtet der Ängste vor einer Ausbreitung von SARS-CoV-2 betei­lig­ten sich gestern in Asien tausende Menschen an Demonstrationen, auch in patriarcha­lischen Staaten wie Pakistan gingen Frauen auf die Straße. In Kirgistan wurden dutzende Frauen bei einem Protestmarsch festgenommen. In Istanbul ging die Polizei mit Tränen­gas gegen einen nicht genehmigten Protestzug vor.

Im ultrakonservativen Pakistan gab es in mehreren Städten Kundgebungen zum Interna­tio­nalen Frauentag – und auch Gegendemonstrationen. In der Hauptstadt Islamabad for­derten rund tausend Frauen und auch einige Männer gleiche Rechte für die Geschlechter. „Frauen in Pakistan werden als Eigentum ihres Mannes angesehen“, kritisierte Teilnehme­rin Tahira Maryum. „Es ist nichts Anstößiges daran, seine Rechte einzufordern.“

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Die Demonstrantinnen wurden nur durch eine Polizeikette von der Gegenkundgebung ge­trennt. Bei dieser hielten in Burkas gekleidete Frauen Schilder wie „Anti-Feminist“ und „Unser Körper, Allahs Wille“ in die Höhe. Ein AFP-Reporter sah, wie Männer mit Steinen und Stöcken auf die Frauentagsdemonstrantinnen warfen.

Zu Ausschreitungen kam es auch bei einer Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen in Kir­gis­tan. Maskierte Männer mit traditionellen Kopfbedeckungen attackierten die Teil­neh­merinnen in Bischkek, bewarfen sie mit Eiern und entrissen ihnen die Plakate. Die Polizei nahm mehrere dutzend Frauen fest.

In Istanbul setzte die türkische Polizei Tränengas ein, um eine nicht genehmigte Kund­gebung am zentralen Taksim-Platz aufzulösen. Wie schon im vergangenen Jahr hatten die Istanbuler Behörden die Demonstration nicht genehmigt und alle Straßen zum Taksim-Platz und zur Einkaufsstraße Istiklal abgeriegelt. Trotzdem versammelten sich hunderte Frauen, um für ihre Rechte und gegen Gewalt zu protestieren.

In Europa war die Beteiligung an Demonstrationen vielerorts geringer als in den Vorjah­ren. Viele Frauenrechtsgruppen organisierten unter den Hashtags #FemaleStrike und #38InternationalWomensDay Internetkampagnen statt Straßenmärsche. In Paris stürmten Femen-Aktivistinnen mit blankem Oberkörper auf den Place de la Concorde, zugleich wurde in Frankreich über Polizeigewalt gegen eine Frauendemonstration am Vorabend gestritten.

In Asien wurden die Frauentagsdemonstrationen massiv von der Angst vor dem neuarti­gen Coronavirus überschattet. Demonstranten in Bangkok forderten angesichts dutzender Infektionsfälle in Thailand einen besseren Arbeitsschutz und mehr Rechte für Frauen. In China, wo die SARS-CoV-2-Epidemie ihren Ausgang nahm, hoben Staatsmedien den Ein­satz von weiblichem medizinischen Personal im Kampf gegen das Virus hervor.

In Südkorea, das mit mehr als 7.000 nachgewiesenen SARS-CoV-2-Fällen der größte Infektionsherd außerhalb Chinas ist, wurden mehrere geplante Veranstaltungen zum Frauentag abgesagt. „Auch wenn wir nicht physisch zusammen sein können, ist unser Bewusstsein für Geschlechtergerechtigkeit stärker als je zuvor“, sagte die südkoreanische Gleichstellungsministerin in einer Videobotschaft.

In Indien wurde wegen der SARS-CoV-2-Epidemie ein geplanter Frauenmarathon abge­sagt. Anlässlich des Weltfrauentags überließ Premierminister Narendra Modi jedoch seine Konten in den Onlinediensten prominenten Frauen.

Die Demonstration in der philippinischen Hauptstadt Manila richtete sich auch gegen Prä­sident Rodrigo Duterte, dem immer wieder Frauenfeindlichkeit vorgeworfen wird. De­monstranten verbrannten eine riesige Puppe, die Duterte darstellte. Im indonesischen Jakarta forderten Demonstrantinnen Gesetze gegen sexuelle Gewalt.

In Santiago de Chile demonstrierten hunderttausende Frauen gegen Männergewalt, aber auch gegen die Regierung von Präsident Sebastián Piñera. In São Paulo demonstrieren hunderte Frauen gegen den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro.

UN-Generalsekretär António Guterres beklagte eine „gewaltige Ungleichheit der Ge­schlechter in Politik und Wirtschaft“. Er bezeichnete die mangelnde Gleichstellung in vielen Bereichen als „die überwältigende Ungerechtigkeit unserer Zeit und die größte Herausforderung für die Menschenrechte“.

Das 21. Jahrhundert müsse das „Jahrhundert der Gleichstellung von Frauen sein“, forderte Guterres in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS). Er kritisierte auch den täglichen Sexismus, dem Frauen ausgesetzt seien. © afp/aerzteblatt.de

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