NewsMedizinGentherapie kuriert Barth-Syndrom bei Mäusen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Gentherapie kuriert Barth-Syndrom bei Mäusen

Freitag, 13. März 2020

/Gernot Krautberger, stock.adobe.com

Boston – US-Forscher haben eine Gentherapie für das Barth-Syndrom entwickelt, einem angeborenen Defekt des Phospholipid-Stoffwechsels. Bei Mäusen konnte die Entwicklung einer Kardiomyopathie verhindert werden, die die Lebenserwartung der Patienten mit Barth-Syndrom häufig einschränkt. Ob die in Circulation Research (2020; doi: 10.1161/CIRCRESAHA.119.315956) vorgestellte Therapie auf den Menschen übertragbar wäre, ist unklar.

Die Ursache des Barth-Syndroms, mit dem schätzungsweise eines von 100.000 bis 300.000 Kindern geboren wird, sind Mutationen im Tafazzin-Gen. Es befindet sich auf dem X-Chromosom, weshalb (fast) nur Knaben erkranken. Der Gendefekt führt zu einer Störung in der Produktion von Cardiolipin. Cardiolipin ist ein wichtiger Bestandteil in den Mitochondrien.

Der Gendefekt führt zu Funktionsstörungen in den „Kraftwerken“ der Zellen. Die Auswirkungen machen sich vor allem im Herzmuskel bemerkbar. Menschen mit Barth-Syndrom erkranken bereits in der Kindheit an einer dilatativen Kardiomyopathie. Hinzu kommt eine Schwächung der Skelettmuskulatur, sowie Störungen der Immunantwort und im Gesamtwachstum.

Ein Forscherteam um William Pu vom Boston Children's Hospital konnte vor einigen Jahren in einem „Organ-on-a-Chip“-Modell zeigen, dass der Gendefekt tatsächlich für die Funktionsstörung der Herzmuskelzellen verantwortlich ist. Inzwischen haben die Forscher den Gendefekt bei Mäusen nachgestellt. „Knock out“-Mäuse, denen das Tafazzin-Gen fehlt, sterben häufig schon vor der Geburt, was die Forscher auf die Schwächung der Skelettmuskulatur zurückführen.

Wurde das Gen nur im Herzmuskel ausgeschaltet, wurden alle Tiere lebend geboren. Sie entwickelten jedoch schon bald die für das Barth-Syndrom kennzeichnende dilatative Kardiomyopathie.

Eine Gentherapie, bei der das fehlende Gen den Tieren mit einem Adeno-assoziierten Virus (AAV) zugeführt wurde, verhinderte den Tod der Mäuse. Bei neugeborenen Mäusen war die Gentherapie auch nach subkutaner Injektion der AAV effektiv. Bei älteren Tiere war eine intravenöse Gabe notwendig.

Die Gentherapie verhinderte, dass die Mäuse bereits im Kindesalter starben. Bei älteren Tieren mit dilatativer Kardiomyopathie kam es sogar zu einer Verbesserung der Herzfunktion. Die Behandlung war allerdings nur erfolgreich, wenn die AAV etwa 70 % der Herzmuskelzellen infizierten und dort eine intakte Version des Tafazzin-Gens ablegten.

Im nächsten Schritt muss untersucht werden, ob die Behandlung auch bei größeren Tieren erfolgreich ist. Die Dosis der Gentherapie müsste dafür deutlich erhöht werden. Damit steigt laut Pu das Risiko von Nebenwirkungen. Es könnte auch zu einer Immunreaktion kommen, bei der die Abwehrzellen des Körpers die AAV vernichten, bevor diese die Herzzellen erreichen. Klinische Studien sind vorerst nicht geplant. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. Mai 2020
Brüssel – Das derzeit teuerste Medikament der Welt kann nun auch in Deutschland auf den Markt kommen. Zolgensma habe eine vorläufige EU-Zulassung erhalten, bestätigte ein Sprecher der EU-Kommission
Zolgensma vor Marktstart in Deutschland
6. Mai 2020
Bristol − Eine einmalige Injektion in den Augapfel könnte Patienten mit Glaukom in Zukunft die tägliche Anwendung von Augentropfen ersparen. Britische Forscher stellen in Molecular Therapy
Glaukom: Gentherapie könnte Augeninnendruck senken
24. April 2020
Magdeburg – Ein vollständiges System zur Produktion von biotechnologisch hergestellten Viren als Transportvehikel haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer
Gentherapie: Forscher entwickeln System zur Produktion viraler Vektoren
30. März 2020
Amsterdam − Fast ein Jahr nach der US-amerikanischen FDA hat jetzt auch die europäische Arzneimittel-Agentur EMA grünes Licht für die Zulassung einer Gentherapie für die spinale Muskelatrophie
Spinale Muskelatrophie: Millionenteures Medikament Zolgensma vor Zulassung in Europa
3. März 2020
Berlin – Die nationalen Ethikräte Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens rufen Regierungen und Interessenvertreter in der ganzen Welt gemeinsam dazu auf, bei jeglicher künftigen Diskussion von
Ethikräte fordern Berücksichtigung ethischer Aspekte bei Diskussionen um Keimbahneingriffe
20. Februar 2020
München – Der Einsatz von Stammzellen ist mit großen Hoffnungen auf Heilung schwerer Krankheiten verbunden. Die ethischen und gesetzlichen Grenzen wären aber überschritten, würden Stammzellen aus
Verfahren gegen Patent auf embryonale Stammzellen und Genschere
10. Februar 2020
Berlin – Das Vorgehen von Avexis (Novartis) im Rahmen eines globalen Härtefallprogramms die Zolgensma-Behandlung von Patienten mit 5q-Spinaler Muskelatrophie (SMA) auszulosen, stößt weiter auf Kritik.
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER