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Ausland

Italiens Coronavirus-Krise bringt vor allem Arme in Bedrängnis

Mittwoch, 11. März 2020

/picture alliance, Andrew Medichini

Rom – Mehrere Hilfsorganisationen machen auf die gravierenden sozialen Folgen der Corona-Krise in Italien aufmerksam. Save the Children kritisierte heute, dass vor allem Kinder aus ärmeren Familien die Leidtragenden der landesweiten Schulschließungen seien.

„Wir fordern einen Sonderfonds für die Kommunen, um in der Krise Bildungsprogramme für benachteiligte Kinder und Jugendliche finanzieren zu können“, sagte Raffaela Milano, Direktorin von Save the Children Italia. Von den fünf Millionen Menschen in Italien, die laut Statistik in absoluter Armut leben, sind 1,2 Millionen Kinder.

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Kinder aus wohlsituierten Familien könnten in der Zwischenzeit zu Hause unterrichtet werden, so Milano. Bei armen und bildungsfernen Familien sei dies kaum möglich. Obendrein seien die Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung stark eingeschränkt, weil auch Sporteinrichtungen und Jugendzentren geschlossen seien. Dies führe letztlich dazu, dass Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen noch weiter ausgegrenzt würden.

Save the Children wies zudem darauf hin, dass die Umsatzeinbußen im Tourismus- und Gastronomiegeschäft die ohnehin schon prekäre wirtschaftliche Lage vieler Gelegen­heits­jobber verschärften. Leidtragende seien nicht zuletzt deren Kinder. Auch hier müsse der Staat eingreifen, forderte die Organisation.

Auch die italienische Caritas kritisiert, dass besonders die Armen im Land unter der Ausnahmesituation zu leiden hätten. So hätten wegen des herrschenden Versammlungs­verbots vielerorts die Suppenküchen geschlossen werden müssen. In Florenz etwa seien Caritas-Mitarbeiter nun gezwungen, die Mahlzeiten für Obdachlose im Freien zu verteilen. Ein weiteres Problem ist nach Caritas-Angaben, dass etliche freiwillige Helfer aus Angst vor einer Ansteckung lieber zu Hause blieben.

Derweil hat der Sozialdienst des Papstes seine tägliche Lebensmittelverteilung an Obdachlose in Rom angepasst. „Wir fahren jetzt eine Stunde früher los, so dass die Bedürftigen keine Warteschlange bilden müssen; sie nehmen ihre Ration in Empfang und gehen wieder“, sagte der päpstliche Sozialbeauftragte Kurienkardinal Konrad Krajewski dem Portal Vatican Insider. Auf jeden Fall halte man sich an die staatlichen Vorgaben.

Es sei absolut notwendig, diesen Dienst aufrechtzuerhalten, betonte Krajewski. Zwar haben ihm zufolge etliche Helfer in den vergangenen Tagen abgesagt, weil sie lieber zu Hause bleiben wollten. Das sei auch verständlich. Dafür hätten sich Ordensfrauen, ständige Diakone und Priester zusätzlich bereiterklärt, Essensrationen und andere Dinge zu packen und auszuliefern.

Der polnische Kardinal wertet dieses Engagement als „ein wichtiges Zeichen, da in diesen Tagen die Gefahr droht, dass jeder nur an sich denkt.“ Auch bei den von der Kirche betriebenen Mensen, wo Bedürftige bisher an Tischen essen konnten, gehe die Essensausgabe weiter – jedoch nur zum Mitnehmen. © kna/aerzteblatt.de

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