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Medizin

SARS-CoV-2 erstmals in Sentinelprobe nachgewiesen

Donnerstag, 12. März 2020

Diverse Viren in 3D-Ansicht vor einem Gesicht /peterschreiber.media, stock.adobe.com
/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Berlin – Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist in der vergangenen Woche erstmals in einer Sentinelprobe des Überwachungssystems von Patienten mit Atemwegserkrankungen gefunden worden. Das berichtete RKI-Vizepräsident Lars Schaade heute bei einer mittlerweile nahezu täglich stattfindenden Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin.

Seit dem 24. Februar werden die von ausgewählten Praxen an das RKI eingesendeten Proben von Patienten mit Atemwegsinfektionen nicht mehr nur auf Influenza- und Erkältungsviren, sondern auch auf das neue Coronavirus untersucht. „Wir ziehen damit praktisch eine Stichprobe aus der Bevölkerung von Menschen mit Atemwegsinfektionen, um zu schauen, inwieweit sich das neue Virus in der Bevölkerung schon verbreitet hat“, sagte der RKI-Vizepräsident.

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Weltweit gibt es bislang 124.518 Fälle von COVID-19, die Zahl der Todesfälle liegt bei 4.607 (Stand 12.03.2020; 6:00 Uhr). In Deutschland beträgt die Zahl der gemeldeten Fälle 1.567 (Stand 11.03.20, 14:00 Uhr). Drei Menschen aus Deutschland sind bisher an COVID-19 gestorben.

Zahlen vom Nationalen Referenzzentrum

Im Rahmen des Sentinels identifizierte Influenza-, RS-, hMP-, humane Parainfluenzaviren (PIV 1 – 4), Rhino- und SARS-CoV-2-Viren. Seit der Kalenderwoche 40/2019 wurden insgesamt 2.842 Proben eingesandt, davon waren 57 % positiv für eins der Viren.

In Kalenderwoche 10/2020 wurden 250 Proben untersucht mit 61 % positiven Virusbefunden: Influenza- (42 %), RS- (6 %), hMP- (7 %), humane Parainfluenzaviren (PIV 1 – 4) (0 %), Rhino- (8 %) und SARS-CoV-2-Viren (0,4 %)

Schaade berichtete aber auch, dass speziell junge und gesunde Menschen das Coronavirus mitunter nicht ernst genug nähmen, da sie keiner der beiden Risikogruppen angehörten. „Es ist zwar richtig, dass ältere Menschen und Menschen mit Grunderkrankungen ganz besonders gefährdet sind. Aber auch bei jüngeren und gesunden Menschen kann es in seltenen Fällen schwere Verläufe und sogar Todesfälle geben. Das zeigen uns die Erfahrungen aus dem Ausland“, sagte Schaade.

Er wies noch einmal darauf hin, dass es sich bei dem aktuellen Ausbruch des Coronavirus um eine Situation handelt, „die wir alle ernst nehmen sollten“. Durch die Beachtung der Hygieneregeln und den Verzicht auf Kontakte schütze man nicht nur sich selbst, sondern auch andere. „Die Jüngeren sollten sich solidarisch zeigen mit den Älteren, die ein höheres Risiko haben“, betonte er.

Fast die Hälfte der Proben war positiv für Influenza

„Wir müssen aber auch die Influenza weiter im Blick haben“, mahnte Schaade. Der gestern erschienene Influenza-Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza zeige, dass in Deutschland weiterhin auch die Influenza aktiv sei.

„In 42 % der eingesendeten Proben (n = 250) in diesem Überwachungssystem von Patienten mit Atemwegserkrankungen wurden in der vergangenen Woche Influenzaviren nach­gewiesen“, berichtete Schaade. Seit Oktober 2019 hätte die Influenza etwa 3,2 Millionen Arztbesuche verursacht, 145.000-mal sei das Influenzavirus in dieser Zeit labordiagnostisch bestätigt worden. „Die Zahl der seit Oktober 2019 gemeldeten Todesfälle durch Influenza liegt bei 247“, so der RKI-Vizepräsident. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 17. März 2020, 16:32

Wie in der Medizin...

...sollte man bei Abschottungsmaßnahmen und Quarantänemaßnahmen abwägen, ob die "Therapie/OP" nicht noch schlimmer ist als die zu behandelnde Krankheit. Es macht keinen Sinn einen Hirntumor mit der Guillotine zu therapieren.
Ich würde zwar nicht so weit gehen wie Kassenarztpräsident Gassen, der bei Focus Online 13.3.20 mit den Worten zitiert wurde: "Derzeit sei Corona eher eine mediale als eine medizinisch relevante Infektion", aber die kritischen Einlassungen von Ex Amtsarzt, Lungenfacharzt und Epidemiologen Dr. Wodarg sollte man schon diskutieren (siehe seine Website).
Insofern kann ich mich ausnahmsweise S.Rex Anmerkungen durchaus anschließen. Auch mal schön.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 16. März 2020, 00:42

Derartige Daten sind wissenschaftlicher Goldstaub

Aus einer einzelnen positiven Sentinelprobe kann man naturgemäß noch keine Statistik machen, aber in den nächsten Tagen werden weitere folgen und dann sind diese Daten sehr hilfreich:
1. Es handelt sich hier um eine repräsentative Stichprobe. Es werden zwar keine asymptomatischen Träger erfasst, aber alle Patienten mit respiratorischen Symptomen, die einen Arztbesuch, aber keine Krankenhauseinweisung erfordern. Durch jahrelange Vergleichsdaten aus dem Influenzasentinel kann man diese Daten auf die Gesamtbevölkerung hochrechnen.
2. Aus dem Konsultationsindex und der Positivitätsrate lässt sich die Krankheitslast in der „Normalbevölkerung“ hochrechnen, bei bekannten klinischen Verläufen kann man mit ca. 1 bis 2 Wochen Vorlauf den Ressourcenbedarf und die schweren bzw. tödlichen Verläufe besser vorhersagen.
Mittlerweile gibt es beim RKI einen detaillierten Erregersteckbrief:
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html
Gerade weil hier die Falldefinitionen des RKI (als Untersuchungsindikation) nicht berücksichtigt werden, können aus Differenzen zwischen Sentineldaten und Meldedaten neue Ausbreitungscluster regional erkannt werden.
3. Die Positivitätsrate ist in doppelter Hinsicht ein wichtiger Vorhersageparameter. Wenn sich die Epidemie dem Höhepunkt nähert, weist eine hohe Positivitätsrate auf eine hohe Dunkelziffer an unerkannten Fällen. Gleichzeitig zeigt ein Stagnieren bzw. Fallen der Positivitätsrate das Erreichen der Plateauphase (=Pikwochen) bzw. das beginnende Abflauen der Epidemie.
4. Die case fatality rate hat zwei wesentliche Fehlerquellen: sie ist in der Anfangsphase einer Epidemie falsch hoch, weil die unerkannten Fälle nicht berücksichtigt werden. Sie ist gleichzeitig falsch niedrig, weil die Patienten oft erst eine oder zwei Wochen nach Symptombeginn versterben. Leider heben sich diese Effekt nicht auf. Wenn man den zeitlichen Verlauf der Fallzahlen kennt, kann man besser das Gefährdungsrisiko für die Gesamtbevölkerung einschätzen und die Bevölkerung besser auf notwendige Maßnahmen einstimmen. Dies hilft auch, die notwendige Balance zwischen Gelassenheit einerseits und Besorgnis andererseits zu finden.
5. Im Verlauf einer großen Epidemie kommt es zu Engpässen (z.B. bei Diagnostika) oder zu veränderten Falldefinitionen oder Meldekriterien (siehe Beispiel China). Ein derartiges Sentinel schafft vergleichbare Daten über den gesamten Verlauf der Epidemie.
6. Zusammen mit anderen Quellen (z.B. Webasto-Ausbruch) zeigen diese Daten die Epidemie in Echtzeit und widerlegen z.B. Behauptungen aus der Ecke der Verschwörungstheoretiker, dass dieses Virus schon lange vorher da war.
7. Positive Proben werden in der Regel in einem Archiv gesammelt. Das ermöglicht spätere molekulare Untersuchungen zur Evolution dieses Virus bei einer Pandemie.

Noch einige Anmerkungen zu den vereinzelt im Forum geäußerten Forderungen nach einer totalen Abschottung. Erstens ist eine Abschottung nach vorheriger PCR-Testung unmöglich (dazu sind die Infektionszahlen zu hoch und die PCR-Kapazitäten zu niedrig). Was bleibt ist eine komplette Abschottung jeweils kleiner Gebiete bis zum Totlaufen der jeweiligen Infekte in jedem einzelnen Quarantänegebiet. Das bedeutet aber auch den Zusammenbruch aller Lieferketten und damit in letzter Konsequenz den Zusammenbruch von Strom- und Wasserversorgung. Das bedeutet damit auch den Rückfall in eine vorindustrielle Lebensweise. Wer die totale Abschottung fordert, sollte überlegen, was ist schlimmer, die Krankheit oder der Verlust der Zivilisation. Wie sich das anfühlt, das können die Großeltern erzählen, wenn sie über Kriegs- und Nachkriegszeit berichten.
Nur als prägnantes Beispiel, einer der wichtigsten Hersteller für Abstrichtupfer (nylonbeflockte Nasopharynxtupfer) ist die Firma Copan in Italien. Der Markt für diese Abstrichtupfer ist bereits jetzt leergefegt. Wenn sich alle Länder abschotten, dann können wir hier demnächst einfache Wattestäbchen für die Abnahme benutzen (ein Referat über Praeanalytik würde diesen Beitrag sprengen). Kurz gesagt, die EU ist nicht nur eine große Freihandelszone, es ist auch eine Werte- und Schicksalsgemeinschaft. Die aktuelle Corona-Krise hat das Potential, der EU entweder den Rest zu geben oder die Bevölkerung der EU wachzurütteln und der europäischen Idee neuen Schub zu geben.
LNS

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