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Labore arbeiten mit Hochdruck

Donnerstag, 12. März 2020

/picture alliance, Bernd Wüstneck

Dresden – Ein großes Schild – teilweise mit roter Schrift – warnt an der Glastür: „Infektionsgefahr“ und „Tür immer geschlossen halten!“. Im molekularbiologischen Labor des Instituts für Virologie der Technischen Universität (TU) Dresden, werden viele der Coronavirus-Tests in Sachsen vorgenommen. Normalerweise ist das Labor für Besucher gesperrt, die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch. Die Einrichtung am Dresdner Universitätsklinikum war eines der ersten Labors in Sachsen, die auf Corona testen konnten.

In dem kleinen Raum sitzt eine Mitarbeiterin über die Proben gebeugt an der sterilen Werkbank und bereitet die nächste Ladung vor. Die kleinen Röhrchen füllt sie mit behandschuhten Fingern und einer Pipette hinter der Sicherheitsscheibe mit einer Flüssigkeit. Aktuell werden in dem Labor vier Durchläufe am Tag und damit zuletzt knapp
100 Proben vorgenommen.

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„Wir können nicht jede Probe einzeln laufen lassen“, erklärt der Leiter des Instituts für Virologie, medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Technischen Universität (TU) Dresden, Alexander Dalpke.

Für jeden Gang ins Labor müssen die technischen Assistenten das komplette Schutzprogramm abspulen: Schuhe aus, Kittel an, Handschuhe überziehen, Schutzmaske und -brille aufsetzen. Das kostet Zeit – vor allem, wenn über 100 Proben am Tag ins Haus kommen. „Man sammelt für eine gewisse Zeit und führt dann mehrere Proben gleichzeitig durch“, erläutert Dalpke. Acht von ihnen waren bisher positiv.

Der Test für das neuartige Coronavirus ist laut Dalpke ein „gängiges Verfahren“ mit dem Viren nachgewiesen werden können. Dafür wird deren Erbmaterial verstärkt. Die Rede ist von Milliardstel Gramm – wenn überhaupt. Und die gilt es zu vermehren. Der Institutsleiter zieht einen Vergleich: „Zuckerwürfel im Meer würden Sie nie nachweisen, aber ein ganzes Salzbergwerk im Meer - das lässt sich nachweisen.“

„Es überschlägt sich momentan alles“, stellt ein Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte (BDL) fest. Zwar sei anfangs die Mehrzahl der Proben noch in den Universitätskliniken gemacht worden.

Das Meiste passiere aktuell aber nicht in den Krankenhäusern, sondern im niedergelassenen Bereich. Deutschlandweit meldet der BDL aktuell zusätzlich knapp 50 niedergelassene Laboratorien, die COVID-19-Tests vornehmen können.

In Sachsen sind nach aktuellen Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums vier Laboratorien in der Lage zu testen. Weitere Privatlabore könnten im Laufe der Tage hinzukommen. In Thüringen gibt es nach Behördenangaben sechs Labors, in denen auf das Coronavirus getestet wird, darunter vier private Einrichtungen. Die Kapazität reiche derzeit aus, sagte eine Sprecherin. In Sachsen-Anhalt teilen sich die Labors der beiden Unikliniken, das Landesamt für Verbraucherschutz und mehrere kleine Privatlabors die Aufgabe.

Ist das genug? „Momentan haben wir den Eindruck, dass es reicht“, sagt der BDL-Sprecher. Mit „ständig neuen Wasserstandsmeldungen“ müsse man jetzt von Tag zu Tag die Lage neu bewerten. Die medizinischen Labors seien für das Coronavirus gerüstet.
Problematisch könne es in ländlichen Regionen werden, in denen es nur wenige medizinischen Labors gebe.

„Es ist eine potenziell infektiöse Probe“, beschreibt Institutsleiter Dalpke die zu untersuchende Substanz. „Das heißt, die Bearbeitung muss in einem Labor erfolgen, welches eine entsprechende Sicherheitsstufe hat.“ In dem Fall wäre das Sicherheitsstufe zwei, wie auch auf dem Schild an der Eingangstüre zu lesen ist.

„Wir haben mittlerweile ein zweites Gerät in Betrieb genommen, welches noch einmal zusätzlich 180 bis 200 Proben pro Tag schaffen kann“, berichtet Dalpke. „Insofern glaube ich im Moment nicht, dass wir in einen realen Engpass bei den Test-Kapazitäten kommen.“ Schlimmstenfalls könne man das auch mit zusätzlichem Personal bedienen, das Gerät also 24 Stunden am Tag laufen lassen. © dpa/aerzteblatt.de

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