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Ausland

COVID-19: Tschechien schließt die Grenzen - Schulschließungen in vielen Ländern

Donnerstag, 12. März 2020

Ein Feuerwehrmann steht in Schutzbekleidung während einer Kontrolle von Reisenden an einer Tankstelle der Autobahn D8 Dresden - Prag vor einem Stopschild. /Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Prag – Tschechien schließt seine Grenzen für alle Deutschen, die keinen festen Wohnsitz in dem EU-Mitgliedstaat haben. Die Maßnahme gelte auch für Ausländer aus Italien, Spanien, Österreich, der Schweiz, Schweden, Norwegen, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Dänemark und Frankreich, erklärte Ministerpräsident Andrej Babis nach einer Krisensitzung am Donnerstag. Er stufte diese Staaten als Risikogebiete für eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus ein. In Tschechien gibt es bisher 96 bestätigte Fälle einer Infektion mit dem Virus.

Zugleich rief das Kabinett in Prag mit sofortiger Wirkung für zunächst 30 Tage den nationalen Notstand aus. Grund sei die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung. Auch Reisende aus China, Korea und dem Iran erhalten ein Einreiseverbot. Tschechischen Bürgern werden Reisen in die sogenannten „Risikogebiete“, darunter auch Deutschland, untersagt. Für Grenzpendler, die im nahen Ausland arbeiten, soll es Ausnahmen geben. Sie müssen eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorlegen.

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Zu den Nachbarstaaten Deutschland und Österreich werden die Grenzkontrollen wiedereingeführt. Der Übertritt außerhalb von sieben ausgewiesenen Grenzübergängen zu Deutschland und vier zu Österreich werde verboten, erklärte Innenminister Jan Hamacek. Weitere sieben Übergänge sollen nur für den grenznahen Verkehr geöffnet sein. Die Maßnahme tritt in der Nacht von Freitag auf Samstag in Kraft. Die Armee wird die Polizei bei der Sicherung der Grenze unterstützen. Der internationale Bahn- und Fernbusverkehr in die genannten Länder muss eingestellt werden.

Seit Anfang der Woche finden bereits stichprobenartige Kontrollen an zehn Grenzübergängen zu Deutschland und Österreich statt, bei denen unter anderem die Körpertemperatur gemessen wird. In Tschechien gibt es inzwischen 96 bestätigte Coronavirus-Infektionen. Am stärksten betroffen ist die bei Touristen beliebte Hauptstadt Prag.

Die tschechische Regierung ordnete weitere Sofortmaßnahmen an: Alle sportlichen, kulturellen, religiösen und anderweitigen Veranstaltungen mit mehr als 30 Teilnehmern werden verboten.

Sportanlagen und Wellnesszentren werden ganz geschlossen. Restaurants dürfen nur noch zwischen 6.00 Uhr in der Früh und 20.00 Uhr abends geöffnet sein. In Tschechien regiert derzeit ein Minderheitskabinett aus der populistischen ANO des Multimilliardärs Babis und den Sozialdemokraten (CSSD), das von den Kommunisten (KSCM) toleriert wird.

Ein Drittel der EU-Stataten mit Schulschließungen

Immer mehr Schulen in Europa schließen wegen der Ausbreitung des Coronavirus. Das schaffe Probleme für Eltern, die die Betreuung organisieren müssten, sagte die kroatische Bildungsministerin Blazenka Divjak für den EU-Ratsvorsitz am Donnerstag in Brüssel. Die Sicherheit und Gesundheit der Schüler gehe jedoch vor. Divjak hatte mit zahlreichen europäischen Amtskollegen in einer Videokonferenz über die Lage beraten.

Die EU-Staaten hätten je nach Ausbreitung des Virus unterschiedliche Maßnahmen ergriffen. Etwa ein Drittel der Länder habe sämtliche Schulen geschlossen, sagte Divjak nach der Konferenz, an der nach ihren Angaben etwa 20 Ministerinnen und Minister teilnahmen. Ein Drittel habe Schulen und Hochschulen in bestimmten Regionen geschlossen. Ein weiteres Drittel der Mitgliedstaaten führe bislang den normalen Schulbetrieb fort.

Starker Anstieg der Coronafälle in Spanien

Spanien meldet unterdessen fast 3.000 Coronavirus-Fälle. Die Fälle steigen rasant an. Nach 2.140 Fällen am Mittwochabend seien es am Donnerstag 2.968 Fälle gewesen, teilte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium mit. Fast die Hälfte der Fälle betrafen die Hauptstadtregion Madrid. Die Zahl der Toten verdoppelte sich binnen 24 Stunden fast von 48 auf 84. In der Region Madrid, in der seit Mittwoch alle Schulen geschlossen sind, wurden 1.388 Infektionsfälle mit dem neuartigen Coronavirus festgestellt. Die Region Katalonien will ab Freitag die Schulen schließen.

In Slowenien bleiben als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus von Montag an alle Schulen und Kindergärten vorerst geschlossen. Dies teilte die Regierung in Ljubljana mit. „Es ist eine Maßnahme mit weitreichenden Folgen, aber sie musste getroffen werden“, erklärte Ministerpräsident Marjan Sarec über Twitter. Bis zum Donnerstag gab es 82 Nachweise des Virus Sars-CoV-2 in Slowenien. Das kleine EU-Land hat etwas mehr als zwei Millionen Einwohner.

Erstes Todesopfer in Polen

Polen verzeichnet sein erstes Todesopfer seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus. Eine 57-jährige Lehrerin, die kürzlich mit Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert wurde, starb in Posen, wie der stellvertretende Bürgermeister der westpolnischen Stadt, Jedrzej Solarski, am Donnerstag vor Journalisten sagte. Die schwerkranke Frau sei nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt und künstlich beatmet worden, doch "leider ist sie vor nicht langer Zeit gestorben", sagte Solarski. Der Ehemann und eine Tochter der Frau liegen mit einer Coronavirus-Infektion im Krankenhaus, ihr Zustand ist jedoch nicht bedenklich. Andere Angehörige, darunter zwei Söhne, wurden nicht infiziert. Bislang wurden in Polen nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums 46 weitere Infektionen mit dem Coronavirus gezählt.

Auch Irland schließt alle Schulen und Kindergärten

Irland schließt wegen der Covid-19-Pandemie alle Schulen und Kindergärten. Die Regelung gelte von diesem Donnerstagabend bis zum 29. März, kündigte Premierminister Leo Varadkar an. Schüler und Studenten sollen vor allem online lernen. Alle staatlichen Kultureinrichtungen werden ebenfalls geschlossen. Auch Veranstaltungen werden in Irland stark begrenzt: Es sind demnach keine Versammlungen in Räumen mit über 100 Personen mehr zugelassen. Bei Veranstaltungen im Freien liegt die Höchstgrenze bei 500 Teilnehmern. Restaurants, Cafés und Geschäfte bleiben geöffnet. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sollen ihren Betrieb zunächst nicht einstellen. Arbeitnehmern empfahl der Premier, zuhause zu arbeiten.

Auch Norwegen schließt als zweites skandinavisches Land nach Dänemark wegen der Corona-Krise seine Bildungseinrichtungen. Alle Schulen, Universitäten und Kindergärten im Land blieben ab Donnerstagabend geschlossen, sagte die norwegische Regierungschefin Erna Solberg bei einer Pressekonferenz in Oslo. Mit dieser und weiteren Maßnahmen gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 werde zwar der Alltag der Bevölkerung auf den Kopf gestellt, doch seien diese Schritte nötig, um Leben und Gesundheit zu schützen. Es handele sich um eine schwierige Zeit für Norwegen und die Welt. Die Maßnahmen seien die umfassendsten, die das Land in Friedenszeiten erlebt habe.

Bislang gibt es im Land nach Angaben der norwegischen Gesundheitsbehörde mehr als 620 bestätigte Infektionen. Gestorben ist bislang noch niemand in Norwegen an der Covid-19-Erkrankung. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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