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Medizin

Notfallpatienten nur äußerst selten mit Organspendeausweis

Freitag, 13. März 2020

/dpa

Nach einer aktuellen Umfrage besitzen 36 Prozent der Deutschen einen Organspende­ausweis, doch tatsächlich ist im Notfall ein solcher Ausweis nur bei einer verschwindend geringen Zahl der Patienten verfügbar. Zu diesem Ergebnis kommen Max Küpers und Co-Autoren in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 183-7).

In ihrer Studie überprüften sie die Wertsachenprotokolle von 2.044 Schockraumpatienten, die von Februar 2017 bis März 2019 in der Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Essen aufgenommen wurden. Lediglich bei 17 Patienten, also bei 0,8 %, war ein Organ­spende­ausweis vorzufinden. Selbst unter den 740 Notfallpatienten, bei denen das Mitführen einer Brieftasche dokumentiert wurde, war die Ausweis-Trägerrate mit 2,2 % (16 Ausweise) sehr gering.

Die sehr niedrigen Trägerraten an Organspendeausweisen liegen deutlich unter den Zahlen, die aufgrund der Umfragen zu erwarten waren. Nicht auszuschließen scheint, dass viele der Befragten eine Antwort im Sinne des sozial Erwünschten geben.

Allerdings verzichten die Autoren im Deutschen Ärzteblatt auf solche Spekulationen. Sie betonen aber, dass Schockraumpatienten im Wesentlichen genau das Kollektiv darstellten, für das ein Organspendeausweis gedacht sei: verunglückte Personen, die eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, an einer Hirnschädigung zu versterben, und die ihren Willen möglicherweise nicht mehr zu äußern vermögen.

Gerade bei diesen Notfallpatienten müsse die bestehende Regelung zur Organspende­bereitschaft als wenig effektiv bezeichnet werden. Eine Alternative dazu könnte nach Ansicht der Autoren eine Online-Datenbank sein, in der die Zustimmung oder auch Ablehnung bezüglich der Organspende dokumentiert würde und auf die Ärzte gegebenenfalls zugreifen könnten. © tg/aerzteblatt.de

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