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Ausland

Ärzte ohne Grenzen fordert Auflösung griechischer Flüchtlingslager

Montag, 16. März 2020

Flüchtlingscamp Moria, Lesbos (Griechenland) /dpa

Athen/Berlin – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus COVID-19 die umgehende Evakuierung der EU-Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln gefordert. Die unzumutbaren Lebensbedingungen in den überfüllten Hotspots seien ein idealer Nährboden das Virus, warnte die internationale Hilfsorganisation.

Die mangelhaften Hygienebedingungen und die äußerst eingeschränkten medizinischen Hilfsangebote würden die Gefahr, dass sich COVID-19 unter den auf den Inseln festgesetzten Bewohnern der Lager verbreitet, verschärfen.

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„In einigen Bereichen des Lagers Moria auf Lesbos gibt es nur eine Wasserzapfstelle für 1.300 Bewohner, und Seife ist nicht erhältlich“, verwies Hilde Vochten, medizinische Koordinatorin der Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. Fünf- oder sechsköpfige Familien seien auf einer Schlaffläche von drei Quadratmetern Fläche zusammengepfercht. „Für sie ist es schlicht unmöglich, die empfohlenen Maßnahmen zu befolgen, sich regelmäßig die Hände zu waschen und Distanz zu anderen zu halten“, so die Koordinatorin.

Nachdem vor wenigen Tagen die erste Infektion auf Lesbos bei einer Griechin bestätigt wurde, sei die Evakuierung der Menschen nun dringender denn je.

Ärzte ohne Grenzen bemüht sich gemeinsam mit der griechischen Nationalen Organisation für Öffentliche Gesundheit um koordinierte Aufklärungsmaßnahmen und Einzelfall­behandlungen. „Aber wir müssen realistisch sein: Es wäre unmöglich, einen Ausbruch in einem Lager mit Zuständen wie auf Lesbos, Chios, Samos, Leros oder Kos einzudämmen“, so Vochten.

Entsprechend wichtig sei es, dass die Gesundheitsbehörden zeitnah einen Plan vorlegen, der Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle, zur Gesundheitsaufklärung, zur schnellen Identifikation von Fällen, zur Isolation und Behandlung von Patienten mit mildem Krankheitsverlauf sowie zur Behandlung von schwer und lebensbedrohlich erkrankten Menschen enthält.

Da bislang keine dieser Maßnahmen gewährleistet ist, sei die Evakuierung der Lager auf den griechischen Inseln unumgänglich. Aktuell sitzen 42.000 Asylsuchende auf den griechischen Inseln fest. „Sie als Teil der europäischen Abschreckungspolitik unter solchen Bedingungen leben zu lassen, war schon bislang verantwortungslos, nun grenzt es an eine kriminelle Handlung“, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland. © hil/sb/aerzteblatt.de

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