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Coronavirus breitet sich in Afrika aus

Montag, 16. März 2020

/picture alliance, AP Photo

Bamako – Die Bischofskonferenz von Burkina Faso und Niger äußert sich deutlich zum Coronavirus. Nachdem am vergangenen Montag in der Hauptstadt Ouagadougou zwei Fälle bestätigt wurden – am Samstag waren es bereits sieben Fälle – hat sie einen Maßnahmenkatalog verabschiedet, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Kreuzwege, Versammlungen und Pilgerreisen sind künftig verboten. Auf das Händeschütteln während des Friedensgrußes wird verzichtet. Die Kommunion darf nur noch mit der Hand empfangen werden. Eine vorherige und spätere Desinfektion der Hände ist Pflicht.

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In höchster Alarmbereitschaft ist auch die Regierung von Burkina Faso. In dem westafrikanischen Land, in dem rund 20 Millionen Menschen leben, sind Schulen und Universitäten bis zum Monatsende geschlossen. Bis Ende April sind Demonstrationen verboten und die nationale Kulturwoche wurde abgesagt.

Nach dem ersten Fall in Kenia hat auch dort die Regierung entschieden, alle öffentlichen Veranstaltungen abzusagen.

Andere Staaten in der Region haben sich noch nicht zu so deutlichen Maßnahmen entschieden. In Benin gilt allerdings seit Anfang März eine zweiwöchige Selbstquaran­täne für alle, die aus einem von Corona betroffenen Land einreisen. Überprüfen lässt sich das jedoch nicht.

In Sierra Leone muss sich jeder, der aus einem Land mit mindestens 50 Fällen einreist, 14 Tage lang isolieren. Es wurde angekündigt, dass Beamte Kontrollbesuche durchführen.

Nigeria, wo es bisher zwei Fälle gab, hat nach Angaben des Zentrums für Seuchenbe­kämpfung (NCDC) mittlerweile fünf Labore, in denen Tests vorgenommen werden können. Anfang des Jahres waren es auf dem ganzen Kontinent lediglich zwei. Überall werden Konferenzen abgesagt. Auf den Flughäfen von Cotonou in Benin und Bamako in Mali tragen Reisende immer häufiger Mundschutz. Vor Restaurants und Behörden stehen Desinfektionsmittel.

Im weltweiten Vergleich – gestern Mittag spricht die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) von 273 bestätigten Fällen auf dem Kontinent – ist Afrika bisher kaum betroffen. In vielen Fällen lässt sich rekonstruieren, wie das Virus in das jeweilige Land kam. Das liegt an einer weiterhin schlechten Anbindung an den Rest der Welt. In vielen Ländern gibt es täglich nur wenige Flüge nach Europa und nur einen internationalen Flughafen.

Wer nach Asien reist, muss meist über Istanbul, Addis Abeba oder Dubai fliegen. Leisten können sich das nur die Eliten des Landes sowie Mitarbeiter internationaler Organisationen und Botschaften.

So ist der erste bestätigte Fall in Guinea ein Betroffener, der dort für die Delegation der Europäischen Union arbeitet. Zwar wird China für afrikanische Studierende immer beliebter. Trotzdem ist die Zahl derer, die dort studieren – nach Angaben des chine­sischen Bildungsministeriums sind es 81.562 Studierende – verhältnismäßig gering.

Sollte es dennoch zu einem verstärkten Ausbruch kommen, können die Gesundheits­systeme diesen vermutlich nicht alleine stemmen. Schon jetzt verfügen zahlreiche Länder nicht einmal über eine Grundversorgung. Vor allem in ländlichen Regionen sind Gesundheitszentren weit weg und nur schwer erreichbar. Kranken fehlt es zudem oft an finanziellen Ressourcen, um überhaupt zu einem Arzt zu gehen.

Zu schaffen macht außerdem die Abwanderung des medizinischen Personals in weitaus lukrativere Länder in Europa und Nordamerika. Nach Angaben der WHO kommen in Nigeria gerade einmal 0,3 Ärzte auf 1.000 Patienten. Aus Sierra Leone und Liberia – in beiden Ländern kam es 2014 zu einem schweren Ebola-Ausbruch – heißt es, dass im ganzen Land jeweils nur 136 bzw. 51 Ärzte praktizieren.

Vor allem in den Sahelstaaten sind die Gesundheitssysteme auch durch den anhaltenden Terrorismus unter Druck. Aktuell ist Burkina Faso besonders betroffen.

Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) schätzt, dass rund 765.000 Menschen vor Terrorangriffen und Überfällen auf der Flucht sind. Nach Einschätzung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist das Gesundheitssystem in den betroffenen Gebieten „komplett zusammengebrochen“. © kna/aerzteblatt.de

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