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Medizin

COVID-19: Wie Quarantäne und andere nicht-medikamentöse Maßnahmen die Spanische Grippe ausgebremst haben

Montag, 16. März 2020

/Martin, stock.adobe.com

Atlanta/Georgia – Als sich im Herbst 1918 die Spanische Grippe ausbreitete, haben die lokalen Entscheidungsträger in den USA unterschiedlich rasch reagiert. Großstädte, die proaktiv vor den 1. Fällen weitreichende nicht-medizinische Maßnahmen ergriffen, haben das Auftreten der Epidemie hinausgezögert und die Zahl der Erkrankungen senken können. Dies zeigt eine vor Jahren im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 298: 644-654) veröffentlichte Studie.

COVID-19 dürfte nicht das Ausmaß der Spanischen Grippe erreichen, an der 1918/19 weltweit 40 Millionen Menschen gestorben sein sollen. Die Ausgangslage ist jedoch vergleichbar. Beide Male ist es zu einer Pandemie mit einem Erreger gekommen, der durch Tröpfchen übertragen wird und gegen den es weder einen Impfstoff noch effektive Medikamente gibt. In beiden Fällen war die Ausbreitung vorhersehbar.

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Es blieb also Zeit für nicht-medizinische Maßnahmen. Sie wurden in den USA von den betroffenen Großstädten zu unterschiedlichen Zeitpunkten ergriffen.

Am schnellsten und konsequentesten reagierte New York City. Schon am 18. September 1918, 11 Tage bevor ein Anstieg der Mortalität einsetzte, wurden obligatorische Isolierungs- und Quarantänemaßnahmen beschlossen. Erkrankte wurden in Kranken­häusern und provisorischen Einrichtungen untergebracht. Kontaktpersonen wurden in häusliche Quarantäne geschickt. Die Häuser wurden öffentlich sichtbar markiert. Die Schulen wurden von Mitte bis Anfang Dezember geschlossen. Die Zahl der Passagiere im öffentlichen Nahverkehr wurde begrenzt.

Diese Maßnahmen haben den Verlauf der Epidemie in der bevölkerungsreichsten Stadt der USA, New York hatte damals bereits mehr als 5 Millionen Einwohner, verlangsamt, wie Martin Cetron von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta anhand der wöchentlichen Meldungen im „Weekly Health Index“ zeigen konnte.

In New York kam es durch die Spanische Grippe zu 452 zusätzlichen Todesfällen auf 100.000 Einwohner. Von den 43 Städten über 100.000 Einwohner, deren Daten Cetron auswerten konnte, war dies die 15. niedrigste exzessive Mortalität.

In Pittsburgh konnte sich die Stadtregierung erst 7 Tage nach Anstieg der Todesfälle zu einem Verbot von öffentlichen Versammlungen entschließen, die Schulen schlossen erst nach weiteren 20 Tagen. Das Versammlungsverbot wurde am 2. November wieder aufgehoben. In Pittsburgh kam es zu 807 zusätzlichen Todesfällen auf 100.000 Einwohner, also fast doppelt so viele wie in New York. Dies war die höchste Mortalität aller US-Großstädte.

In anderen Städten wie Denver, wo die Schulschließungen zwischenzeitig wieder aufgehoben wurden und das Versammlungsverbot frühzeitig beendet wurde, kam es sogar zu einem zweiten Erkrankungsgipfel.

Die Erfahrungen der Spanischen Grippe zeigen, dass nicht-medikamentöse Maßnahmen den Mortalitätsgipfel hinauszögern und vermindern können. Die Gesamtzahl der Todesfälle wurde ebenfalls gesenkt. Die CDC-Mitarbeiter empfahlen damals, im Fall einer neuen Pandemie frühzeitig nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Isolierung, Kontaktsuche, Versammlungsverbote und Schulschließungen zu veranlassen. © rme/aerzteblatt.de

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lupus1955
am Montag, 16. März 2020, 21:38

warum erst jetzt???

Warum werden solche Informationen erst jetzt im Zentralorgan der deutschen Ärzteschaft publiziert??? Hatte das RKI sich dagegen gewehrt?
Vielleicht hätten die verantwortlichen Politiker anders gehandelt. Aber sie können und tun es bereits: Sie verstecken sich hinter den Empfehlungen des RKI.
LNS

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