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Medizin

Studie: Menschen in Ost- und Süddeutschland trinken mehr Alkohol

Mittwoch, 18. März 2020

/Syda Productions, stock.adobe.com

München – Auch 3 Jahrzehnte nach dem Ende der DDR ist ein problematischer Alkohol­konsum in den neuen Bundesländern häufiger anzutreffen als im Westen. Doch auch im Süden der Republik wird laut einer Querschnittstudie in BMC Public Health (2020; 20: 277) zu viel Alkohol konsumiert. Das Ernährungsverhalten ist laut der Studie in Ostdeutschland besser als im Westen.

Nach den Ergebnissen der Global Burden of Disease Study sind fast 3/4 aller vorzeitigen Todesfälle auf nicht-übertragbare Erkrankungen zurückzuführen. Zu den maßgeblichen weil häufigen Risikofaktoren gehören Tabakrauchen („Smoking"), ungesunde Ernährung („Nutrition“), problematischer Alkoholkonsum („Alcohol“) und Bewegungsmangel („Physical Inactivity“). Der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA) liefert einen Überblick über die Verbreitung der „SNAP“-Risiken in Deutschland.

An der Studie nahm 2015 eine zufällige Strichprobe von 9.204 Erwachsenen im mittleren Alter von 42,3 Jahren teil, die entweder per Telefon oder schriftlich kontaktiert wurden. Jeder Tabakkonsum von mehr 1 Zigarette, Zigarre etc. pro Monat wurde als ungesund gewertet.

Zur Ernährung wurden 6 Fragen („LML-6“) zum Verzehr von fettarmen Milchprodukten, Rohkost/Salaten, Kräutern (frisch oder gefroren), Obst, Getreide (Getreideprodukte, Müsli, Vollkornreis, -nudeln), Kräutertee und Früchtetee gestellt , die mit 1 bis 5 Punkten bewertet wurden. Weniger als 10 Punkte wurden als ungesunde Ernährung gewertet.

Ein problematischer Alkoholkonsum lag bei mehr als 12 Gramm für Frauen und mehr als 24 Gramm für Männer pro Woche vor. Weniger als 5 Mal 30 Minuten körperliche Aktivität in der Woche wurde als Bewegungsmangel gedeutet.

Nach den von Josefine Atzendorf vom Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozial­politik in München und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen beeinflusste die regionale Herkunft die Verbreitung von 2 der 4 SNAP. Ein problematischer Alkoholkonsum war in Ostdeutschland mit 18,3 % häufiger als in Westdeutschland (14,6 %). Atzendorf ermittelt eine Odds Ratio (OR) von 1,3, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,1 bis 15 signifikant war.

Im Norden der Republik gehen Menschen vorsichtiger mit Alkohol um; 13,9 % hatten einen problematischen Alkoholkonsum gegenüber 16,7 im Süden (OR 0,8; 0,7-0,9).

Bei der Ernährung schnitten Menschen aus den neuen Bundesländern besser ab, auch wenn sie sich nicht gerade gesund ernährten. Bei 66,7 % wurden die für eine gesunde Ernährung notwendigen 10 Punkte im LML-6-Score nicht erreicht, im Westen waren es jedoch 70,6 % (OR 0,8; 0,7-1,0).

Stärker als die Herkunft beeinflussten Geschlecht und Bildung den Lebensstil. Frauen rauchen seltener (OR 0,80; 0,68-0,94) und mäßigen sich beim Alkoholkonsum häufiger (OR 0,76; 0,64-0,89). Sie ernähren sich weitaus seltener ungesund (OR 0,32; 0,29-0,36), bewegen sich aber häufiger zu wenig (OR 1,5; 1,3-1,8).

Höhere Bildung hält Erwachsene in Deutschland vom Rauchen ab (OR 0,4; 0,3-0,5) und bewahrt sie vor einer ungesunden Ernährung (OR 0,73; 0,60-0,90). Ein problematischer Alkoholkonsum ist bei Menschen mit hohem Bildungsniveau jedoch häufiger (OR 1,45; 1,09-1,94), ebenso ein Bewegungsmangel (1,85; 1,43-2,38). © rme/aerzteblatt.de

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