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Medizin

Pneumokokken-Impf­stoffe nur noch für Risikogruppen

Montag, 16. März 2020

/dpa

Langen - Für die Pneumokokken-Impfstoffe Prevenar 13 und Pneumovax bestehen derzeit Lieferengpässe, wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mitteilt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat deshalb Priorisierungsempfehlungen für die Verordnung und den Verkauf herausgegeben, damit die Populationen mit dem größten Risiko geschützt werden können.

Der STIKO-Empfehlung zufolge soll Prevenar 13 ausschließlich für die Grundimmuni­sierung im Säuglingsalter bis zu einem Alter von 2 Jahren verwendet werden. Sollte Prevenar 13 nicht verfügbar sein, kann auf Synflorix (10-valenter Pneumokokken­konjugatimpfstoff) ausgewichen werden. Pneumovax 23 soll prioritär für Patienten mit Immundefizienz, Senioren ab dem Alter von 70 Jahren und Patienten mit chronischen Atemwegs­erkrankungen verwendet werden.

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Neue Chargen des Pneumovax-Impfstoffs werden Anfang Mai erwartet. Wie viele Impfdosen das dann sein werden, ist allerdings nicht bekannt. Prevenar 13 ist nach Angaben des PEI derzeit „begrenzt verfügbar“. Das bedeutet: „Für die Säuglingsimpfung sind noch Kontingente vorhanden. Diese sollen aber nicht für Erwachsene verwendet werden, damit wir die Impfung von Säuglingen nicht gefährden. Hersteller und Apotheker kontrollieren daher die Abgabe“, erklärte Isabelle Bekeredjian-Ding, die am PEI die Abteilung Mikrobiologie leitet.

„Ich wünschte, wir könnten die [angesichts der SARS-CoV-2-Epidemie] herausgegebenen Impf-Empfehlungen ermöglichen, aber im Moment bin ich schon froh, wenn wir die normalen STIKO-Empfehlungen umsetzen können“, sagte Bekeredjian-Ding auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts.

Die STIKO empfiehlt eine Standardimpfung gegen Pneumokokken für Senioren ≥ 60 Jahre sowie altersunabhängig eine Indikationsimpfung bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung. Die Impfrate bei den über 60-Jährigen in Deutschland liegt allerdings – abhängig von Bundesland und Alter – deutlich unter 50 %. Und bei den Jüngeren mit erhöhter Gefährdung durch eine Grunderkrankung erreichen die Impfquoten nie mehr als 10 %.

Engpässe auch durch mangelnde Nachfrage in der Vergangenheit

Bekeredjian-Ding wies darauf hin, dass die Unternehmen die Menge der produzierten Impfstoffe an die jeweilige Nachfrage der Vorjahre anpassen würden. Wenn sich dann plötzlich – wie in der jetzigen Situation - alle doch impfen lassen wollten, seien Engpässe zu erwarten.

Auch bei Wiederverfügbarkeit der Impfstoffe sollen deshalb vorläufig Pneumokokken-Impfungen ausschließlich dem Personenkreis vorbehalten bleiben, der in den gültigen Impfempfehlungen der STIKO benannt ist. © nec/aerzteblatt.de

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