NewsMedizinFäkaler Mikrobiomtransfer: „Stuhlbank“ beliefert Kliniken in England
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fäkaler Mikrobiomtransfer: „Stuhlbank“ beliefert Kliniken in England

Mittwoch, 25. März 2020

/Andrey Popov, stock.adobe.com

Birmingham/England und Silver Spring/Maryland – Das erste „Microbiome Treatment Centre“ beliefert in England Kliniken mit Stuhlproben, die sich laut einer Fallserie in EClinicalMedicine (2020; doi: 10.1016/j.eclinm.2020.100301) in der Behandlung von C. difficile-Infektionen (CDI) als sicher und effektiv erwiesen haben. In den USA haben die Produkte eines privaten Anbieters schwere Infektionen ausgelöst.

Der fäkale Mikrobiomtransfer (FMT, „Stuhltransplantation“) hat sich in früheren Studien als effektive Therapie für Patienten erwiesen, die nach diversen Antibiotika-Behand­lungen eine CDI entwickelt haben. Dass die Behandlung dennoch relativ selten durchgeführt wird, hängt mit Sicherheitsbedenken zusammen.

Der FMT versucht, eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora durch die Über­tragung eines ausgewogenen Mikrobioms zu kurieren, das einem gesunden Spender entnommen wird. Dabei muss sichergestellt werden, dass die Stuhlproben des Spenders keine Krankheitserreger enthalten, die den häufig stark geschwächten CDI-Patienten schnell zum Verhängnis werden können.

In England hat die Arzneimittelbehörde MHRA (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) Regeln für das Screening der Spender entwickelt. Sie sehen neben einer intensiven Befragung zu Gesundheit, sozialem Hintergrund und Reisen eine Reihe von mikrobiologischen Tests vor, die die Übertragung von Krankheitserregern verhindern sollen. An der Universität Birmingham wurde ein erstes „Microbiome Treatment Centre“ lizensiert.

Dass die Behandlungen nicht ohne Risiken sind, zeigte sich in der 1. Studie an 124 Patienten, die entweder an einer rezidivierenden CDI nach im Mittel 3,8 Krankheits­episoden litten oder bei denen die Erstbehandlung mit Antibiotika nicht zum Erfolg geführt hatte.

Wie Victoria McCune vom Heartlands Hospital in Birmingham und Mitarbeiter berichten, starben 2 der 124 Patienten in der 1. Woche nach dem FMT. Der 1. Patient hatte einen Darmdurchbruch erlitten, der 2. starb an Darmkrebs. Beide Todesfälle dürften nicht mit der Behandlung in Beziehung stehen.

Nicht ganz so sicher ist dies bei 2 weiteren Patienten, bei denen es zu einer Bakteriämie kam. Im 1. Fall wurde E. coli nachgewiesen. Der Erreger könnte aus den Harnwegen stammen, da der Patient am Tag der FMT bereits an einer Pyurie mit eben diesem Erreger litt. Bei dem 2. Patienten wuchsen Serratia marcescens in den Blutkulturen. McCune vermutet, dass der Erreger über einen Harnwegskatheter in die Blutbahn gelangte.

Bei den übrigen Patienten verlief die Behandlung ohne große Komplikationen. Bei 4 Patienten kam es zur Obstipation, bei 2 zu Bauchschmerzen und bei jeweils 1 zu Blähungen, Flatulenz oder zu einem Würgereiz nach Legen der Magensonde, über die der FMT bei den meisten Patienten durchgeführt wurde.

Die Erfolgsrate der Behandlung war hoch. Laut McCune erzielten 83,9 % eine Remission, die bei 78,2 % der Patienten auch bei einer Nachuntersuchung nach 90 Tagen noch anhielt. Die MHRA will in den nächsten Jahren weitere „Microbiome Treatment Centre“ lizensieren. Diese sollen später eine flächendeckende Versorgung des National Health Service ermöglichen.

In den USA werden die Stuhlproben von privaten Firmen angeboten. Dort ist das Screening offenbar nicht immer lückenlos. Die FDA, die die Aufsicht über die Behandlung übernommen hat, berichtete dieser Tage über 6 Patienten, die nach einem FMT mit dem Produkt eines Unternehmens schwer erkrankten.

Bei 2 Patienten wurde eine Infektion mit enteropathogenen Escherichia coli (EPEC) nachgewiesen. 4 entwickelten eine Infektion mit Shigatoxin-produzierenden E. coli (STEC). Diese 4 Patienten hatten Stuhlproben desselben Spenders erhalten. 2 weiteren Patienten, die ebenfalls einen FMT von diesem Spender erhalten hatten, waren bereits vorher gestorben, ohne dass STEC bei ihnen nachgewiesen wurden. Die FDA fordert, dass die Patienten vor einem FMT über die möglichen ernsthaften Risiken der Behandlung aufgeklärt werden. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 25. März 2020, 21:44

Na, dann...

Nach einer Fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT) ist es in den USA zu einem Todesfall gekommen, wie die US-Arzneimittelbehörde FDA berichtet. Die gespendeten Fäzes waren demnach mit multiresistenten Keimen belastet gewesen, die eine schwere Infektion ausgelöst hatten.
https://www.aerztezeitung.de/Medizin/FDA-meldet-Todesfall-nach-Stuhltransplantation-256127.html

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

26. März 2020
Ann Arbor/Michigan – Eine Appendizitis gehört zu den häufigen Erkrankungen, die bei der Erstuntersuchung auf der Notfallaufnahme übersehen werden können. Eine Studie in JAMA Network Open (2020; 3:
Warum eine Appendizitis in der Notfallaufnahme übersehen werden kann
20. März 2020
Bochum – Kurzkettige Fettsäuren wie die Propionsäure oder deren Salz Propionat regen regulatorische Zellen des Immunsystems an und erhöhen die Zahl der Zellen. Sie beeinflussen auf diese Weise die
Ernährung könnte den Verlauf einer Multiplen Sklerose beeinflussen
3. März 2020
New York – Die Störung der Darmflora, die bei vielen Patienten vor und nach einer allogenen Stammzellbehandlung nachweisbar ist, beeinflusst das Ergebnis der Behandlung. Nach einer Studie im New
Darmflora beeinflusst Mortalität nach Stammzelltransplantation bei Leukämien und Lymphomen
21. Januar 2020
Wellington/Neuseeland –Ein H2-Rezeptor-Antagonist (H2RA) hat in einer internationalen Vergleichsstudie Stressulzera von maschinell beatmeten Intensivpatienten annähernd so häufig verhindert wie ein
PEPTIC-Trial: Studie verglich H2-Blocker und PPI in der Intensivmedizin
17. Dezember 2019
Berlin – Etwa 492.000 Menschen sind 2016 in Deutschland neu an Krebs erkrankt. Das geht aus einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Die
2016 gab es fast eine halbe Million Krebsneuerkrankungen in Deutschland
6. Dezember 2019
Hamburg – Die Achalasie, die durch eine Verkrampfung des unteren Ösophagussphinkters den Nahrungstransport in den Magen behindert, lässt sich durch eine Myotomie effektiv beseitigen. Eine neue
Achalasie: Myotomie ist endoskopisch schonender, führt aber häufiger zum Reflux
20. November 2019
Kiel – Eine Ernährung ohne die Aminosäure Tryptophan verändert die Zusammensetzung der Darmbakterien bei Mäusen und sorgt dafür, dass die Tiere keine Symptome einer experimentell erzeugten Multiplen
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER