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Medizin

Studie: PPI könnten Knochenbruchrisiko bei Kindern erhöhen

Freitag, 20. März 2020

/David H. Seymour, stock.adobe.com

Stockholm – Schwedische Kinder und Jugendliche, die mit Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPI) behandelt wurden, erkrankten häufiger an Knochenbrüchen. Dies kam in einer bevölkerungsbasierten Studie in JAMA Pediatrics (2020; doi: 10.1001/jamapeiatrics.2020.0007) heraus.

Die Magensäure fördert die Resorption von Kalzium im Darm. Bei Patienten, die regelmäßig mit PPI behandelt werden, kann es deshalb zu einer Unterversorgung kommen, was sich letztlich ungünstig auf die Knochenmineralisierung auswirkt. PPI stehen deshalb seit längerem im Verdacht, das Knochenbruchrisiko älterer Menschen zu erhöhen.

Die epidemiologischen Studien zu dieser Frage sind jedoch nicht eindeutig. Eine Meta-Analyse ermittelte zwar für Erwachsene ein um 22 % (Hüfte) bis 49 % (Wirbelsäule) erhöhtes Risiko, doch die Heterogenität der einzelnen Studien war groß (Life Sciences 2019; 218: 213-223).

Yun-Han Wang und Mitarbeiter vom Karolinska Institut in Stockholm haben jetzt untersucht, ob auch bei Kindern und Jugendlichen das Risiko erhöht ist. Diese Altersgruppe wird zunehmend häufiger mit PPI behandelt. Von 2,3 Millionen Schweden, die in der 2. Hälfte des Jahres 2006 jünger als 18 Jahre waren, hatten 117.234 ein PPI verordnet bekommen. Wang stellt diese Gruppe in einer Propensity-Analyse der gleichen Anzahl von Kindern gegenüber, die keine PPI erhalten hatten, den PPI-Anwendern aber in möglichst vielen Eigenschaften ähnelten.

Der Vergleich der beiden Gruppen ergab, dass mit PPI behandelte Kinder tatsächlich etwas häufiger Knochenbrüche erlitten hatten. Wang ermittelt für Frakturen der oberen Extremitäten ein um 8 % erhöhtes Risiko (Hazard Ratio 1,08; 95-%-Konfidenzintervall 1,03-1,13). Für Frakturen der unteren Extremitäten betrug die Hazard Ratio 1,19 (1,10-1,29) und für alle anderen Frakturen kombiniert 1,51 (1,16-1,97). Knochenbrüche im Kopfbereich oder Wirbelsäulenfrakturen traten nach PPI-Verordnung nicht häufiger auf.

Die Hazard Ratios stiegen mit der Dauer der PPI-Anwendung von 1,08 (1,03-1,13) bei 30 oder weniger Tagen auf 1,14 (1,09-1,20) bei 31 bis 364 Tagen und auf 1,34 (1,13-1,58) bei einer Anwendung über mehr als ein Jahr. Eine solche Dosis-Wirkungs-Kurve wird in epidemiologischen Untersuchungen als Hinweis auf eine Kausalität gewertet. Nach Ansicht von Wang sollte das Risiko bei der Verordnung von PPI bedacht werden, vor allem wenn die Mittel über längere Zeit eingesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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