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Politik

Robert-Koch-Institut stuft Risiko für die Bevölkerung jetzt als „hoch“ ein

Dienstag, 17. März 2020

/picture alliance

Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft das Risiko, das von SARS-CoV-2 für die Bevölkerung ausgeht, nun als „hoch" ein. Bisher war die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland als „mäßig“ eingeschätzt worden. RKI-Präsident Lothar Wieler begründete die Änderung der Risikoeinschätzung heute in Berlin mit der großen Dynamik der Pandemie und dem starken Anstieg der Fallzahlen.

Allerdings variiere das Risiko für die Bevölkerung von Region zu Region und könne regional auch „sehr hoch“ sein wie im Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen.

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Ab morgen wird es auf der Internetseite des RKI ein Dashboard mit den nach Vorgabe des Infektionsschutzgesetzes elektronisch gemeldeten Zahlen zur Corona-Epidemie geben. Bis gestern sind in Deutschland auf diesem Weg 5.433 Fälle offiziell gemeldet worden. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 12.

Diese Zahlen werden durch den Meldeverzug auch weiterhin immer etwas niedriger sein als die beispielweise von der Johns-Hopkins-University über ihr Dashboard gemeldeten Zahlen, die alle nachgewiesenen Fälle umfassen. Wieler geht aber davon aus, dass sich die beiden Zahlen in den kommenden Wochen und Monaten immer weiter anpassen werden.

Er wies außerdem darauf hin, dass davon ausgegangen werden müsse, dass die tatsächlichen Erkrankungszahlen wesentlich höher seien, als sie dem RKI übermittelt würden. Geschuldet sei dies den Test- und Meldekapazitäten.

Wieler betonte, dass die mit der veränderten Risikoeinschätzung einhergehenden, gestern veröffentlichten verstärkten Maßnahmen zur Eindämmung der Virusverbreitung notwendig seien, „sonst haben wir in wenigen Monaten mehrere Millionen Krankheits­fälle“.

Krankenhäuser sollen Intensivkapazitäten verdoppeln

In den vergangenen Wochen hatte das RKI die Krankenhäuser bereits wiederholt aufgefordert, sich auf die Epidemie vorzubereiten. Heute konkretisierte Wieler: „Wir erwarten, dass die Krankenhäuser ihre Intensivkapazitäten verdoppeln.“

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, sollte es bis Ende der Woche 20.000 bestätigte Infektionsfälle in Deutschland geben, sei damit zu rechnen, dass davon bis zu 1.500 Patienten in den Krankenhäusern behandelt werden müssten. Dies wäre nach seinen Angaben eine Verdreifachung der Zahl der derzeit stationär behandelten Coronapatienten. Das würde die Krankenhäuser aber "nicht überfordern". Gaß zufolge gehe es jetzt um den Ausbau der Intensivkapazitäten. In zwei oder drei Monaten sei es möglich, die Zahl der Intensivbetten von derzeit 28.000 auf rund 34.000 aufzustocken. Auch die Zahl der Beatmungsgeräte von derzeit 20.000 Stück müsse erhöht werden.

Der RKI-Präsident wies daraufhin, dass auch wenn allerorts die Kapazitäten hochgefahren werden, eine optimale Nutzung des Gesundheitssystems dennoch nötig sei. Und dies erfordere verschiedene Tools, so der RKI-Präsident.

Um schwere Verläufe besser vorhersagen zu können verfüge das RKI bereits über verschiedene Ansätze wie etwa das GrippeWeb, ein kontinuierliches, internetbasiertes Monitoring Influenza-typischer Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung, die Sentinelpraxen, die regelmäßig Patientenproben an das RKI zur Untersuchung einschickten und ein Tool für schwer erkrankte Pneumoniepatienten in Krankenhäusern.

Zudem werde zunehmend das bereits vergangene Woche vorgestellte Monitoring-Tool ausgerollt, das eine Übersicht über die verfügbaren Intensivbetten, biete, ergänzte Wieler.

Auf Nachfrage nach einem Ende der Pandemie erklärte Wieler, dass das RKI und internationale Fachleute von einer Dauer von circa 2 Jahren ausgingen.

Bis die für einen Rückgang der Ansteckungen erforderlichen 60 bis 70% Infizierten erreicht seien, könne es tatsächlich Jahre dauern. Zudem hänge die Dauer der Pandemie auch davon ab, wann ein Impfstoff verfügbar werde und wie viele Menschen dann damit geimpft würden. © nec/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #683778
Freudi
am Mittwoch, 18. März 2020, 01:03

Aufstockung?!

Aufstockung um 6000 Intensivbetten geplant! Herr, schmeiß Pflegepersonal ra....
LNS

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