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Medizin

Warum Muttermilch bei Frühgeborenen eine Sepsis verhindern kann

Donnerstag, 26. März 2020

/dpa

St. Louis – Ein epidermaler Wachstumsfaktor, der in den ersten Tagen in höherer Konzentration in der Muttermilch enthalten ist, war in einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2020; doi: 10.1073/pnas.1912022117) für den Schutz von neugeborenen Mäusen vor einer Sepsis verantwortlich, die zu den häufigsten Todesursachen von frühgeborenen Kindern gehört, die häufig nicht gestillt werden.

Eine Sepsis, die häufig 72 Stunden bis 7 Tage nach der Geburt auftritt und deshalb als „Late onset“-Sepsis (LOS) bezeichnet wird, ist eine häufige Komplikation bei Frühgebo­renen. Betroffen sind laut US-Zahlen 10 % der Frühgeborenen, von denen 30 bis 50 % an den Folgen der neonatalen Infektion sterben. Über die Ursache wurde lange gerätselt.

Da Frühgeborene die ersten Tage und Wochen in der Klinik verbringen müssen, wurde eine nosokomiale Genese angenommen. Ein endotrachealer Tubus, venöse und arterielle Zugänge, Harnwegskatheter oder andere Drainagen galten als wahrscheinliche Eintrittspforte für die Klinikkeime.

Die guten Erfahrungen, die an vielen Kliniken mit der Fütterung der „Frühchen“ mit Muttermilch gemacht werden, deuten jedoch in eine andere Richtung. Die meisten Bakterien, die in den Blutkulturen der erkrankten Kinder gefunden werden, sind auch im Darm des Neugeborenen vorhanden, der erst nach der Geburt mit Bakterien besiedelt wird.

Viele Mütter können ihr Kind nach einer Frühgeburt nicht sofort stillen. Die Säuglinge wurden deshalb lange mit einer Ersatznahrung gefüttert. Inzwischen haben viele Kliniken Muttermilchbanken eingerichtet, wo die Milch von anderen laktierenden Müttern gesammelt wird. Die klinischen Erfahrungen zeigen, dass diese Frühgeborenen seltener an einer LOS erkranken.

Die Schutzwirkung könnte nach den jetzt von Rodney Newberry von der Washington University School of Medicine in St. Louis und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen auf einen epidermalen Wachstumsfaktor zurückzuführen sein, der in den ersten Tagen und Wochen in höherer Konzentration in der Muttermilch enthalten ist, im weiteren Verlauf der Laktation aber immer weiter zurückgeht.

Die Forscher fütterten neugeborene Mäuse mit einer Lösung von E. coli-Bakterien, die aus Blutkulturen von Frühgeborenen stammten, die an einer „Late onset“-Sepsis erkrankt waren. Die Tiere wurden dann von Muttertieren gesäugt, die entweder vor kurzem geworfen hatten oder die sich bereits in einer späteren Phase der Laktation befanden. Die neugeborenen Tiere, die die frühe Muttermilch erhalten hatten, überlebten die orale E. coli-Exposition. Die meisten Tiere, die die späte Muttermilch erhalten hatten, starben nach wenigen Tagen.

Newberry führt das Überleben der 1. Gruppe auf die höhere Konzentration des epidermalen Wachstumsfaktors in der Milch zurück. Der Forscher vermutet, dass der Erfolg der Muttermilchbehandlung an den Kliniken ebenfalls davon abhängen könnte, in welcher Phase der Laktation sich die Spenderinnen befinden. Dies wäre jedoch noch in einer klinischen Studie zu klären.

Die Forscher haben auch die Wirkung des epidermalen Wachstumsfaktors näher untersucht. Zunächst wurden einige neugeborene Mäuse mit einem Mittel behandelt, das im Körper die Rezeptoren des epidermalen Wachstumsfaktors blockiert. Diese Tiere erkrankten schneller an einer Sepsis und die Bakterien aus der Lösung waren in Lymphknoten, Milz und Leber nachweisbar.

Newberry vermutet deshalb, dass die Blockade der Rezeptoren den Eintritt der Bakterien in die Blutbahn erleichtert. Die Eintrittspforte sind nach weiteren Befunden die Becherzellen des Kolons. Hier scheint der epidermale Wachstumsfaktor aus der Muttermilch eine gewisse Schutzfunktion auszuüben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #104741
urgestein
am Donnerstag, 26. März 2020, 21:12

Darmkeime sind nicht die häufigsten Erreger

Die mit Abstand häufigsten Erreger einer LOS bei sehr kleinen Frühgebirenrn in allen Studien sind koagulade-negative Stsphylokokken. Nicht grade die typischen Darmkeime.... .
LNS

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