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Medizin

Warum eine Appendizitis in der Notfallaufnahme übersehen werden kann

Donnerstag, 26. März 2020

/freshidea, stock.adobe.com

Ann Arbor/Michigan – Eine Appendizitis gehört zu den häufigen Erkrankungen, die bei der Erstuntersuchung auf der Notfallaufnahme übersehen werden können. Eine Studie in JAMA Network Open (2020; 3: e200612) hat nach möglichen Ursachen gesucht.

Wenn ein Patient 2 Mal innerhalb weniger Tage oder Wochen mit denselben Symptomen auf einer Notfallaufnahme behandelt wird, aber erst beim 2. Besuch eine Appendizitis diagnostiziert wird, liegt der Verdacht nahe, dass die Diagnose beim 1. Mal verpasst wurde.

Solche Fälle sind keineswegs selten, wie Prashant Mahajan von der Universität von Michigan in Ann Arbor bei der Analyse der Krankenakten eines großen US-Kranken­versicherers herausfand.

Bei 6,0 % der Erwachsenen und 4,4 % der Kinder wurde die Diagnose einer Appendizitis nicht beim 1. Besuch in der Notfallaufnahme gestellt. Die Zahlen stimmen mit früheren Untersuchungen überein, die die Häufigkeit von verpassten Diagnosen bei Kindern auf 3,8 bis 15,0 % und bei Erwachsenen mit 5,9 bis 23,5 % beziffert hatten.

Notfallärzte können die Diagnose einer Appendizitis verpassen, weil die Beschwerden häufig unspezifisch sind. Die Patienten stellen sich mit Bauchschmerzen, Obstipation, Übelkeit und/oder Erbrechen, Fieber oder Durchfall vor, die auch andere Ursachen haben können. Eine häufige Fehldiagnose ist nach Erfahrung von Mahajan eine Obstipation.

Die Ärzte beschränken sich dann häufig auf eine Röntgenaufnahme und schicken die Patienten mit einem Laxativum nach Hause. Auf eine eingehende körperliche Unter­suchung und auf eine Computertomografie (CT) wird dann häufig verzichtet. Psychologen bezeichnen diesen kognitiven Lapsus als „premature closure“. Eine eigentlich erforder­liche diagnostische Abklärung unterbleibt, weil der Arzt von einer anderen Ursache überzeugt ist.

Dass Ärzte in die falsche Richtung ermittelten, zeigte sich in der Analyse der Krankenakten daran, dass die Ärzte häufiger eine Röntgenuntersuchung (wegen des Verdachts auf eine Obstipation) oder eine Urinuntersuchung (Verdacht auf Harnwegsinfektion) oder ein komplettes Blutbild (Verdacht auf andere Infektionen) anordneten. Auch Ultraschall­untersuchungen wurden häufiger durchgeführt.

Dort kann zwar eine Appendizitis häufig erkannt werden, es erscheint jedoch wahrschein­licher, dass die Ärzte einer anderen Verdachtsdiagnose nachgingen. Auf ein CT wurde dagegen häufiger bei Patienten verzichtet, bei denen eine Appendizitis zunächst übersehen wurde.

Das CT ist am ehesten in der Lage, eine Appendizitis zu diagnostizieren. Die Unter­suchung wird allerdings bei Kindern wegen des Strahlenrisikos nur als Methode der 2. Wahl betrachtet.

Zu den Personengruppen, bei denen eine Appendizitis häufiger übersehen wurde, gehörten Frauen/Mädchen sowie Personen mit Begleiterkrankungen. Bei weiblichen Patienten könnten die Ärzte öfter gynäkologische Erkrankungen oder die bei Frauen häufigeren Harnwegsinfektionen vermutet haben.

Bei Patienten mit Begleiterkrankungen besteht offenbar die Neigung, die Beschwerden auf die bestehenden Erkrankungen zurückzuführen. Ein weiterer „Bias“ betrifft die ethnischen Gruppen. Bei Erwachsenen (nicht aber bei Kindern) mit afrikanischen Wurzeln wurde die Appendizitis häufiger als bei anderen Gruppen übersehen. Bei Asiaten oder Menschen aus Lateinamerika war keine Benachteiligung zu erkennen. © rme/aerzteblatt.de

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