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Medizin

Ernährung könnte den Verlauf einer Multiplen Sklerose beeinflussen

Freitag, 20. März 2020

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Bochum – Kurzkettige Fettsäuren wie die Propionsäure oder deren Salz Propionat regen regulatorische Zellen des Immunsystems an und erhöhen die Zahl der Zellen. Sie beeinflussen auf diese Weise die Darm-vermittelte Immunregulation bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS).

Das berichten Wissenschaftler der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im St. Josef-Hospital um Aiden Haghikia. Die Forscher haben ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Cell vorgestellt (doi 10.1016/j.cell.2020.02.035).

Im Darm interagieren die Nahrung, die dortigen Bakterien, deren Stoffwechselprodukte und das Immunsystem in der Darmwand miteinander. „So können die Darmbakterien direkt und indirekt Einfluss auf anatomisch entfernte Strukturen wie das Gehirn nehmen“, erklärt Haghikia.

In ihrer Arbeit konnten die Forscher nachweisen, dass die Mikrobiom-Zusammensetzung bei MS-Patienten verändert ist. Darüber hinaus konnten sie einen Mangel von Propion­säure im Stuhl und Serum von MS-Patienten zeigen, die in der frühesten Phase der Erkrankung am stärksten ausgeprägt war. Dieser Nachweis gelang in Kooperation mit dem Max-Delbrück-Centrum Berlin und den Ernährungswissenschaften der Universität Halle-Wittenberg.

Zusammen mit Wissenschaftlern der Bar-Ilan University in Israel, die ein Darm-Modell zur funktionellen Analyse des Mikrobioms entwickelt hatten, zeigte sich laut den Forschern, dass eine Propionat-Gabe die Funktion der Bakterien im Darm verändert. Eine Folge ist die Entstehung von neuen regulatorischen Zellen.

„Diese Zellen beenden überschießende Entzündungsreaktionen und reduzieren im Kontext von Autoimmun-Erkrankungen wie der MS auto-immune Zellen“, erläutert Ralf Gold, Direktor der Neurologie im St. Josef Hospital.

Die kurzkettigen Fettsäuren stellen nur einen Bruchteil der Stoffwechselprodukte von Darmbakterien dar, die durch die bakterielle Einwirkung aus der Nahrung entstehen.

„Die weitere Erforschung dieses weitestgehend unbekannten Organs und die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden es erlauben, in Zukunft weitere innovative diätetische Maßnahmen zu den bekannten Therapeutika zu entwickeln“, hofft Haghikia. © hil/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #759489
MITDENKER
am Montag, 30. März 2020, 17:10

"Der Tod sitzt im Darm"

...ist ein alter Spruch, den wir schon vor Jahrzehnten in der Heilpraktiker-Ausbildung zitiert bekamen. Am Anfang belächelt, jetzt das Hauptforschungsgebiet.
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