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DIVI startet Intensivregister zur Abfrage freier Beatmungsplätze in Kliniken

Mittwoch, 18. März 2020

Die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) wird bei schwerem Lungenversagen eingesetzt. /Kiryl Lis adobe.stock.com
Die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) wird bei schwerem Lungenversagen eingesetzt. /Kiryl Lis adobe.stock.com

Berlin – Die Internetseite zur deutschlandweiten Abfrage freier Beatmungsplätze in Krankenhäusern ist an den Start gegangen. Über die Seite sollen Intensivmediziner angesichts der gestiegenen Nachfrage in der Coronakrise unkompliziert Kapazitäten abfragen können, wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) mitteilte.

Über das DIVI-Intensivregister sollen bestenfalls mehr als tausend Kliniken zentral erfasst werden, um „eine regionale Koordination der intensivstationären Betten und damit eine optimale Versorgung der Covid-19-Patienten sicherzustellen“. Aktuell haben sich fast 60 Kliniken angemeldet, bei denen eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) verfügbar wäre. Diese Technik kommt bei schwerem Lungenversagen zum Einsatz.

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Bisher keine registrierten Kliniken gibt es in Sachsen-Anhalt, die meisten Kliniken mit ECMO haben Nordrhein-Westfalen (14) und Bayern (sieben) bereits in das Register eingetragen. Vier Kliniken geben an, dass eine ECMO nur begrenzt verfügbar sei, bei zehn Kliniken ist keine ECMO möglich. Insgesamt sind 91 Kliniken registriert (Stand: 18.3.2020, 11:30 Uhr). Vor dem Start waren den Angaben von gestern Nachmittag zufolge rund 85 Kliniken auf diese Art und Weise miteinander vernetzt.

„Die Möglichkeiten einer maschinellen Beatmung von COVID-19 Patienten hat sich in schwer betroffenen Ländern wie China und Italien als das Nadelöhr in der aktuellen Pandemiesituation gezeigt“, erklärt Christian Karagiannidis, Sprecher der DIVI-Sektion „Lunge – Respiratorisches Versagen“ und Leiter des ECMO-Zentrums der Lungenklinik Köln-Merheim. Das Register diene der Vernetzung der Krankenhäuser und ihrer Intensivstationen, um die Kapazitäten deutschlandweit tagesaktuell darzustellen.

Die DIVI setzte darauf, das Register binnen kurzer Zeit auf tausend Kliniken zu komplettieren. Neue Kliniken könnten sich in fünf Minuten registrieren. Unterschieden wird zwischen freien Kapazitäten mithilfe eines Ampelsystems. Dieses zeigt freie Kapazitäten von low-care (geringer Betreuungsbedarf), high-care (schwer Kranke) und ECMO (für schwerstkranke Beatmungspatienten) an. Je nach Fragestellung stehen weitere Filterfunktionen zur Verfügung.

Auch seien Kliniken mit viel Erfahrung in der Beatmung von Patienten zusätzlich gekennzeichnet. Das soll auch dazu dienen, dass kleinere Kliniken mit weniger Erfahrung schnell sehen, an welche größere Klinik sie sich telefonisch wenden können. Für das Einsehen der Ansprechpartner müssen Kliniken sich einloggen. Das Intensivregister wurde von der DIVI, dem RKI und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) gemeinsam entwickelt.

Eine Pandemie – zwei Zahlen

Die Angaben zu den COVID-19-Fallzahlen in Deutschland entstammen derzeit zwei Quellen: dem Robert Koch-Institut (RKI) und der US-amerikanischen Johns Hopkins University. Die vom RKI immer um 00:00 Uhr veröffentlichten Fallzahlen sind grundsätzlich niedriger als die auf dem Dashboard der US-Universität genannten. Der Grund für die Diskrepanz: Die Erkrankungszahlen müssen von den deutschen Gesundheitsämtern manuell in einer Erfassungssoftware eingetragen und elektronisch an das RKI übermittelt werden. Aufgrund der hohen Fallzahlen kommt es dabei momentan zu einem Meldeverzug. Die Johns Hopkins University aktualisiert die Fallzahlen dagegen fortlaufend. Dabei werden alle nachgewiesenen Fälle von COVID-19 gezählt, auch die, die bislang zum Beispiel nur auf den Webseiten der Landesgesundheitsministerien veröffentlicht wurden. Auch wenn die Fallzahlen des RKI etwas älter sind, haben sie doch den Vorteil, dass von den Gesundheitsämtern zusätzliche Informationen wie Geschlecht, Alter und Erkrankungsbeginn eingegeben werden.

Krankheitsfälle steigen stündlich

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, forderte Krankenhäuser auf, die Zahl ihrer Beatmungsplätze „maximal zu erhöhen“. Der Präsident der DKG, Gerald Gaß, teilte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gestern mit: In zwei oder drei Monaten sei es möglich, die Zahl der Intensivbetten von derzeit 28.000 auf rund 34.000 aufzustocken. Auch die Zahl der Beatmungsgeräte von derzeit 20.000 Stück müsse erhöht werden.

Nach den RKI-Zahlen gab es mit Stand 00.00 Uhr heute 8.198 bestätigte Krankheitsfälle und damit 1.042 mehr als am Vortag. Nach den fortlaufend aktualisierten Zahlen der Johns-Hopkins-Universität in den USA waren es heute gegen 11.00 Uhr allerdings bereits 9.360 Fälle, um 12:10 Uhr 9.877 und um 14 Uhr 10.069. © afp/gie/aerzteblatt.de

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