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Medizin

Neue Studie: Wie lange SARS-CoV-2 in der Luft und auf Oberflächen nachweisbar bleibt

Mittwoch, 18. März 2020

/Yakobchuk Olena, stock.adobe.com

Hamilton/Montana – Das neue SARS-CoV-2 ist ähnlich lange in der Luft und auf Oberflächen nachweisbar wie das SARS-CoV-1 von 2002/3. Dies zeigen US-Labor­experimente, deren Ergebnisse letzte Woche in medRxiv (2020; DOI: 10.1101/2020.03.09.20033217) veröffentlicht wurden. Jetzt werden im New England Journal of Medicine (2020; doi: 10.1056/NEJMc2004973) aktualisierte abweichende Zahlen publiziert.

Die Forschergruppe der US-National Institutes of Health hatte die Stabilität der beiden SARS-Coronaviren in einem Hochsicherheitslabor in Hamilton/Montana unter kontroll­ierten Bedingungen untersucht. Sie verwendeten dazu einen Collison-Nebulizer, mit dem sie die Viren in eine rotierende Goldberg-Trommel sprühten.

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Unmittelbar danach sowie 30, 60, 120 und 180 Minuten später wurde ein Gelatine-Filter in die Trommel gehalten und darauf später die Viruskonzentration bestimmt. In einem weiteren Experiment wurden Oberflächen aus Kunststoff (Polypropylen), Edelstahl (AISI 304), Kupfer (99,9 %) und handelsübliche Pappe besprüht und die Viruskonzentration nach 1, 4 und 8 Stunden sowie nach 1, 2, 3 und 4 Tagen bestimmt.

Wie Neeltje van Doremalen und Mitarbeiter berichten, waren die Viren sowohl in der Luft (der engen Goldberg-Trommel) als auch auf den Oberflächen bis zum Ende der Experi­mente nachweisbar. Ihre Konzentration nahm jedoch exponentiell ab.

Die Halbwertzeiten für SARS-CoV-2 und SARS-CoV-1 in der Luft betrugen nach der Publikation in medRxiv jeweils 2,74 Stunden. Nach der Publikation im New England Journal of Medicine liegen die Halbwertzeiten für SARS-CoV-2 in der Luft der Goldberg-Trommel nur noch bei 1,09 Stunden (95-%-Konfidenzintervall 0,64 bis 2,64 Stunden) und für SARS-CoV-1 bei 1,18 Stunden (0,78 bis 2,43 Stunden).

Die Halbwertzeiten des SARS-CoV-2 auf Kupferoberflächen betragen nach der neuen Publikation 0,774 Stunden (0,427 bis 1,19 Stunden). Nach 4 Stunden waren laut der aktuellen Publikation keine „lebensfähigen“ Viren mehr nachweisbar. Auf Pappe vergingen 3,46 Stunden (2,34 bis 5 Stunden), auf Stahl 5,63 Stunden (4,59 bis 6,86 Stunden) und auf Plastik 6,81 Stunden (5,62 bis 8,17 Stunden), bis die Hälfte der Viren verschwunden war.

Die Ergebnisse bestätigen damit die Vermutung, wonach die Viren durch die Berührung von kontaminierten Oberflächen und durch einen engen Kontakt („face to face“) übertragen werden.

Das genaue Übertragungsrisiko lässt sich aus Laboruntersuchungen nicht ableiten, da die Experimente unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt wurden. Die Verhältnisse in der Goldberg-Trommel, die zwischenzeitig nicht gelüftet wurde, dürften kaum mit den Verhältnissen eines Krankenzimmers vergleichbar sein.

Forscher aus Singapur hatten Proben aus Zimmern untersucht, in denen Patienten mit COVID-19 untergebracht waren. Die Viren waren laut ihrem Bericht in JAMA (2020; doi: 10.1001/jama.2020.3227) auf Toilettenschüssel, im Waschbecken und am Türgriff zum Badezimmer nachweisbar, während alle Luftproben negativ getestet wurden.

Unbekannt ist derzeit auch die Konzentration der Viren, die zu einer Infektion führt. Hier dürfte es Unterschiede zwischen einzelnen Menschen geben.

Für Ärzte ist interessant, welche Ausscheidungen der Patienten Viren enthalten. Wenjie Tan vom Nationalen Institut für die Kontrolle und Prävention von Viruserkrankungen in Peking und Mitarbeiter berichten im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.3786) über die Analyse von 1.070 Proben, die bei 205 Patienten mit COVID-19 entnommen wurden.

Die Tests fielen in der Flüssigkeit der Bronchiallavage zu 93 % positiv aus. Es folgten in der Häufigkeit Sputum (72 %), Nasenabstrich (63 %), bronchoskopische Bürstenbiopsie (46 %), Rachenabstrich (32 %), Stuhlproben (29 %) und Blutproben (1 %). Dagegen fiel keine von 72 Urinproben positiv aus. © rme/aerzteblatt.de

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