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Medizin

HPV-Impfung könnte Überleben beim fortgeschrittenen Zervixkarzinom verlängern

Montag, 30. März 2020

/Tobias Arhelger, stock.adobe.com

Leiden/Niederlande − Ein experimenteller Impfstoff gegen das humane Papillomvirus (HPV) vom Typ 16, dem häufigsten Verursacher des Zervixkarzinoms, hat in einer klinischen Studie die Wirksamkeit einer Chemotherapie im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung verbessert, wie die jetzt in Science Translational Medicine (2020; 12; eaaz8235) vorgestellten Ergebnisse zeigen.

Die krebsauslösende Wirkung von HPV 16 beruht auf der Bildung der Onkoproteine E6 und E7, die eine unkontrollierte Vermehrung der Epithelzellen in der Zervix (aber auch im Rachenraum oder der Analschleimhaut) auslösen. Die Infektion ist auch im Stadium der fortgeschrittenen Krebserkrankung noch aktiv.

Sie könnte damit einen Ansatzpunkt für eine Immuntherapie des Zervixkarzinoms bilden. Denn die Proteine E6 und E7 sind dem Immunsystem fremd. Ein Impfstoff, der eine Immunreaktion gegen E6 und E7 induziert, wäre theoretisch in der Lage, die Aufmerk­samkeit der Abwehrzellen auf die Tumorzellen zu lenken. Die bisherigen Therapie­versuche sind jedoch fehlgeschlagen. Dies scheint an der Bildung von T-regulatorischen Zellen des Knochenmarks zu liegen, die eine Immunreaktion gegen den Tumor verhindern.

Forscher aus den Niederlanden und Belgien haben die HPV-Impfung deshalb mit einer Chemotherapie kombiniert, die die Patientinnen im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ohnehin erhalten. Zu den Nebenwirkungen der Chemotherapie gehört eine Knochenmarkdepression. Damit könnte die Chemotherapie auch die T-regulatorischen Zellen beseitigen.

In einer früheren Studie hatte ein Team um Cornelis Melief von der Universität Leiden herausgefunden, dass die beste Wirkung der Impfung zu erwarten ist, wenn sie 2 Wochen nach dem 2. Zyklus einer Chemotherapie mit Carboplatin und Paclitaxel erfolgt.

In einer Phase-1/2-Studie wurden an verschiedenen Kliniken in den beiden Ländern insgesamt 77 Patientinnen im Stadium FIGO IIIb/IVa behandelt. Zum Einsatz kam ein in den Niederlanden entwickelter Impfstoff, der 12 synthetische Abschnitte der Onko­proteine E6 und E7 enthält. Der Impfstoff wurde nach dem 2., 3. und 4. Zyklus der Chemotherapie gegeben.

Der primäre Endpunkt der Studie war die Induktion einer Immunantwort. Um hier zu einem günstigen Ergebnis zu kommen, wurde die Hälfte der Patientinnen zusätzlich mit pegylierten Typ-1-Interferonen behandelt. Wie Melief berichtet, kam es auch ohne den Interferon-Booster zu einer starken Immunantwort. Im Blut der Patientinnen waren vermehrt T-Zellen nachweisbar, die die Krebszellen attackierten.

Dieser Angriff könnte sich günstig auf den Verlauf der Erkrankung ausgewirkt haben. Bei 31 von 72 auswertbaren Patientinnen kam es zu einem Rückgang des Tumors. Bei weiteren 13 Patientinnen kam es zu einem Stillstand.

Die Studie hatte zwar keine Vergleichsgruppe, in der die Patientinnen nur eine Chemo­therapie erhielten. Deshalb lässt sich der Anteil, den die Impfung an der Wirkung hatte, nicht genau beurteilen. Auffallend ist jedoch, dass der Tumor sich bei den Patientinnen mit der stärksten Immunreaktion am deutlichsten zurückbildete. Dies könnte sich auch auf die Überlebenszeiten ausgewirkt haben.

Die mediane Überlebenszeit der 32 Patientinnen mit der stärksten Immunreaktion auf den Tumor betrug 16,8 Monate. Die 32 Patientinnen mit der schwächsten Immunreaktion lebten im Mittel nur noch 11,2 Monate.

Insgesamt 14 Patientinnen waren am Ende der Studie noch am Leben. Darunter waren 9 Patientinnen mit einer mittleren Überlebenszeit von 3 Jahren, was für ein Zervixkarzi­nom im Stadium FIGO IIIb/IVa sehr ungewöhnlich ist. Von anderen Krebsimmuntherapien ist bekannt, dass sie bei einigen Patienten lange Überlebenszeiten erreichen, während andere überhaupt nicht auf die Behandlung ansprechen. © rme/aerzteblatt.de

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