szmtag Kassenärzte geben „vorsichtige Entwarnung“ bei Schutzausrüstung
NewsÄrzteschaftKassenärzte geben „vorsichtige Entwarnung“ bei Schutzausrüstung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Kassenärzte geben „vorsichtige Entwarnung“ bei Schutzausrüstung

Donnerstag, 19. März 2020

/dpa

Berlin – Seit heute zeichnet sich eine Lösung beim Mangel an Schutzausrüstung in den Praxen niedergelassener Ärztinnen und Ärzte ab. Es seien rund zehn Millionen Atemschutzmasken von den Herstellern geliefert worden, die jetzt dezentral über die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) vor Ort an Praxen, Testzentren und Bereit­schaftspraxen verteilt würden, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, heute bei einer Online-Pressekonferenz in Berlin.

Auch Desinfektionsmittel sei in ausreichender Menge verfügbar. Zum Teil verhinderten vor Ort allerdings logistische Schwierigkeiten eine Abgabe der Mittel an die Praxen. Das sei in erster Linie den neuen Lieferketten geschuldet und werde sich bald einspielen, zeigte sich Gassen optimistisch. „Wir brauchen das Material zum Schutz des medizi­nischen Personals, damit die Praxen arbeitsfähig bleiben“, erklärte der KBV-Vorsitzende. Hier könne man jetzt „vorsichtige Entwarnung“ geben.

Anzeige

Chronisch Kranke weiter ambulant versorgen, um Kliniken zu entlasten

Wie wichtig es angesichts der steigenden Fallzahlen bei den Coronainfektionen ist, die ambulante Versorgung aufrechtzuerhalten, betonte auch Gassens Vorstandskollege Stephan Hofmeister. Könnten die Praxen die Routineversorgung der chronisch Kranken nicht mehr leisten, müsse diese in die Krankenhäuser verlagert werden. Dort benötige man aber alle Ressourcen, um schwer Kranke Coronapatienten zu behandeln.

„Den Krankenhäusern ist am meisten geholfen, wenn chronisch Kranke in den Praxen weiter versorgt werden“, sagte Hofmeister auf die Frage, wie die Niedergelassenen die Kollegen in den Krankenhäusern unterstützen können.

KBV-Chef Gassen betonte, dass die Praxen derzeit „weit über Normalmaß“ arbeiteten, um die Coronakrise zu bewältigen und die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Dafür seien auch die täglichen Abläufe verändert worden. Die Ärztinnen und Ärzte berieten Patienten inzwischen verstärkt am Telefon und hätten nicht dringend notwendige Behandlungen verschoben. Allerdings drohten auch in den Praxen personelle Engpässe, weil Mitarbeiter in Quarantäne oder wegen der flächendeckenden Schul- und Kitaschließungen ihre Kinder betreuen müssten.

Viele Praxen fürchteten finanzielle Einbußen. Die KBV forderte deshalb einen finanziellen Schutzschirm auch für die niedergelassenen Ärzte. Vorbild sind die Regelungen im Krankenhaus. Dort sollen die Kliniken für Ausfälle durch das Verschieben von planbaren Eingriffen entschädigt werden.

Angebot der 116117 soll ausgebaut werden

Gassen kündigte zugleich an, dass die KVen aufgrund der Vielzahl der Anrufe das Angebot der Callcenter unter der Rufnummer 116117 erweitern würden. Er appellierte jedoch an die Bevölkerung, die Servicenummer verantwortungsvoll zu nutzen und für akut Erkrankte freizuhalten. Für Informationen über das Coronavirus verwies Gassen auf die Themenseite unter www.kbv.de.

Tests auf das medizinisch Notwendige reduzieren

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte gestern Abend in einem stern TV Spezial im Sender RTL eingeräumt, dass es lange gedauert habe, die ersten zehn Millionen Atemschutzmasken zu besorgen. „Wir haben viel auch auf der Welt nach Lieferanten suchen müssen“, erklärte der Minister.

Angesichts teilweiser Engpässe auch bei den Testverfahren sagte Spahn: „Wir können und schaffen es nicht, hunderttausende Bundesbürger jeden Tag zu testen." Das gäben die Kapazitäten nicht her, obwohl Deutschland weltweit mit die größten Testkapazitäten habe. Bei den Tests müsse man sich „auf die konzentrieren, wo es tatsächlich auch sinnvoll ist“. Das seien diejenigen, die aus Risikogebieten kämen und auch Symptome zeigten.

Auf die Frage, ob eine generelle Ausgangssperre in Deutschland in nächster Zeit auszuschließen sei, sagte der Minister, zunächst müssten die bereits getroffenen Maßnahmen wirken. Die Auswirkung der massiven Einschnitte im öffentlichen Leben, wie Schulschließungen oder die Schließung von Bars und Geschäften würden sich nicht schon in zwei oder drei Tagen in den Statistiken zeigen.

„Es wird eher zehn, 14 Tage dauern, bis sich so etwas überhaupt niederschlagen kann“, erklärte Spahn. Es brauche jetzt keinen „Überbietungswettbewerb“, sondern Geduld. © HK/afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 22. März 2020, 22:35

Was nützt Schutzausrüstung fü die KVen

wenn die Dinger in den Praxen nicht ankommen? Als Arzt brauche ich eigentlich FFP2-Atemschutz, um meine Praxis aufrecht erhalten zu können. Meine einfachen Masken reichen noch bis morgen - dann ist Schluss, ich werde weder meine Gesundheit (70 Jahre, Hypertonus, DM2, Niereninsuffizienz) noch die meiner Mitarbeiterinnen aufs Spiel setzen!
LNS
LNS LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER