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Politik

Ethikerin: Klare Regeln bei Mangel an medizinischen Geräten

Donnerstag, 19. März 2020

Christiane Woopen /picture alliance, Kay Nietfeld

Berlin − Die Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, Christiane Woopen, geht davon aus, dass alle Corona-Patienten medizinisch gleich behandelt werden. Es gebe im Gesund­heits­system den Grundsatz eines gleichen Zugangs zu Versorgung für alle, sagte die Medizinethikerin im Spiegel-Interview gestern.

Sollte es einen Mangel an intensivmedizinischen Geräten geben, müssten die Ärzte vor Ort zuerst entscheiden, wer überhaupt gerettet werden könne, erläuterte die Medizin­ethikerin. Aus dieser Gruppe würden diejenigen ausgewählt, die ein Beatmungsgerät besonders dringend bräuchten. „Wenn allerdings zwei Kranke dringend beatmet werden müssen, es aber nur ein Gerät gibt, sollte es derjenige bekommen, der die bessere Aussicht hat zu überleben − eine schwere Entscheidung.“

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Sie gehe davon aus, dass sich die Teams in den Krankenhäusern inzwischen darüber verständigten, wie sie vorgehen würden, wenn es zu einer Mangelsituation kommen sollte, sagte Woopen. Es sei wichtig, dass das Behandlungsteam einvernehmlich handelt. Jedes Krankenhaus sollte eine psychologische und seelsorgerliche Begleitung auch für das Personal haben, denn solche Entscheidungen kosteten Kraft.

Die Kölner Medizinethikerin warnte vor Panikmache. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe von einem Gesundheitskrieg gesprochen, um die Bevölkerung wachzu­rütteln. „Gleichwohl halte ich die Kriegsrhetorik für schädlich. Wir sind nicht im Krieg. Kriege sind zerstörerisch, das Vorgehen gegen Corona ist es nicht.“

Aus Sicht der Ethikratsvorsitzenden kann die Coronakrise die Gesellschaft auch bereichern. „Wir alle werden gerade aus dem alltäglichen Leben, in dem es ja auch viel Oberflächliches, Gedankenlosigkeit und Zeitverschwendung gibt, mit einer gewissen Brutalität auf das Wesentliche gestoßen“ sagte sie. Sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, sei etwas sehr Wohltuendes.

Mit Blick auf eine Ausgangssperre sagte Woopen, es müsse sorgfältig abgewogen werden, wie lange sie zumutbar wäre, „ohne dass das gesellschaftliche Klima umschlägt oder die Bedrohung etwa durch häusliche und sexuelle Gewalt größer wird als der Nutzen.“

Verhindert werden müsse auch, dass die Kräfte, die die Gesellschaft spalten, weiteren Zulauf erfahren. „Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass die Unterstützungsleistungen, die die Regierung verspricht, auch zügig und verlässlich umgesetzt werden. Sonst verliert die Regierung ihre Glaubwürdigkeit, die Bürger verlieren das Vertrauen, und die gesellschaftlichen Folgen würden katastrophal sein.“ © kna/aerzteblatt.de

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