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COVID-19: Aufrufe an medizinisches Personal

Donnerstag, 19. März 2020

/dpa

Berlin – Medizinstudierende sollen zur Not in Kliniken und Gesundheitsämtern aushelfen. Das schlug der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, auf einer Pressekonferenz vorgestern vor. In den Pandemieplänen des RKI ist dies eine Option. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) unterstützt das Vorhaben.

Bundesländer rufen Studierende zu Hilfe

In mehreren Bundesländern starteten Politiker, Unikliniken und Ärztekammern Aufrufe, um Studierende der Human- und Zahnmedizin sowie der Pflegewissenschaften um Hilfe zu bitten. Ob bei der Aufklärung der Bevölkerung über eine Telefonhotline oder direkt in der Patientenversorgung in den Kliniken – überall ist Unterstützung gefragt.

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sucht bereits seit einer Woche nach Medizinstudierenden für die Servicehotline 116117. Besonders in Mannheim und Chemnitz sind die Callcenter unterbesetzt. Studierende können sich unter medstud@kbv.de melden.

Die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) startete heute einen Aufruf an alle Menschen mit medizinischer Ausbildung. Um für die zu erwarteten Patientenzahlen ausreichend Personal in den Krankenhäusern vorzuhalten, müssen die Personalbestände aufgestockt werden“, sagte Marc Schreiner, Geschäftsführer der BKG. Auch in Pflege­heimen werde Unterstützung gebraucht. Interessierte sollen sich bei den jeweiligen Einrichtungen per E-Mail melden.

Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) rief bereits am Montag alle Medizin­studierenden auf, sich freiwillig als Helfer zu melden. Gemeinsam mit den Ärztlichen Direktoren der sechs bayerischen Universitätskliniken Würzburg, Augsburg, Erlangen, München (LMU und TUM) und Regensburg erreichte der Appell wohl viele: allein an der Uniklinik Erlangen gingen bereits mehr als 700 E-Mails mit Hilfsangeboten von Studierenden ein, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Auch der Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Erik Bodendieck, suchte seit Anfang der Woche Hilfskräfte für die Gesundheitsämter, Test- und Behandlungszentren sowie die Telefonhotlines. Medizinstudierende seien nach dem Physikum sehr gut geeignet, um Ärzte und Gesundheitsämter bei Abstrichen und der Ermittlung von Kontaktpersonen vor Ort zu unterstützen, schrieb die Kammer. Meldungen können an corona@slaek.de gesendet werden.

Der Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen bat ebenfalls um ehrenamtliche Mithilfe. „Durch die medizinischen Kenntnisse der Studierenden sind sie eine wertvolle Unterstützung im telefonischen Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern“, hieß es in einer Mitteilung gestern. Helfer können sich hier in eine Liste eintragen: https://www.kreis-steinfurt.de/kv_steinfurt/Aktuelles/Slider/Informationen%20Coronavirus/Spontanhelfer/

Landes-Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU) sucht auch für das Universitäts­klinikum Schleswig-Holstein nach Freiwilligen. „Nicht nur von Studierenden der Medizinischen Studiengänge. Auch wer zum Beispiel eine Rettungssanitäter-Ausbildung hat oder anderweitig etwas beitragen will, zum Beispiel auch im Bereich der Logistik, ist herzlich willkommen“, wird Prien in einer heutigen Meldung zitiert. Helfer schreiben eine E-Mail an helfen@uksh.de.

Seit vergangener Woche wurden zudem in Mecklenburg-Vorpommern Abstrichzentren bei den Gesundheitsämtern in Schwerin, Stralsund, Güstrow, Ludwigslust, Pasewalk, Neustrelitz und Bergen auf Rügen eingerichtet. Diese werden von je zwei extra geschulten Medizinstudierenden der Universitäten Rostock und Greifswald betrieben und sollen die Ansteckungsgefahr in Kliniken und Praxen reduzieren, schrieb das Landes­ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit.

In Niedersachsen richtete sich Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) an die rund 6.000 Studierenden in Göttingen, Hannover und Oldenburg. Sie könnten als Pflegehilfs­kräfte das Klinikpersonal entlasten. Dies gelte auch für Studierende der Zahnmedizin und der Pflegewissenschaften. Die Landespflegekammer unterstützte das Vorhaben. Die Vizepräsidentin der Kammer, Nora Wehrstedt, merkte jedoch an, dass niemand „ohne pflegerische Ausbildung von heute auf morgen hochkomplexe Pflegeaufgaben übernehmen“ könne.

Studierende organisieren ihre Mithilfe auch selbst

„Viele Medizinstudierende wollen helfen“, sagte Martin Jonathan Gavrysh, Vizepräsident für Externes beim bvmd, dem Deutschen Ärzteblatt. Sie müssten jedoch ausreichend angeleitet werden: „Nur weil man Medizin studiert, kann man noch keine komplexen Pflegetätigkeiten übernehmen“, bekräftigte Gavrysh. Für die bvmd stehe jetzt die Patientensicherheit im Mittelpunkt.

Es dürften den Helfern jedoch auch keine Nachteile für ihr Studium entstehen. Grade im Praktischen Jahr (PJ) müsse die Ausbildung weiter ermöglicht werden um eine Balance zu finden zwischen guter und gesicherter Versorgung und konstanten Absolventenzahlen. Sonst würde sich das Personalproblem im Verlauf der Krise weiter zuspitzen, so Gavrysh.

Die Studierenden wüssten häufig selbst sehr gut, welche Aufgaben übernommen werden können, so der bvmd-Sprecher. In Praktika bereits erworbene Fähigkeiten wie die Blut­ent­nahme könne man ihnen zutrauen. Bei vielen Kliniken herrsche jedoch Unsicherheit über die rechtliche Lage.

Wie genau die Jungmediziner eingesetzt werden dürfen, bestimmen aktuell die Bundesländer. Die bvmd versuche daher momentan, bundeseinheitliche Regelungen mitzugestalten, erklärte Gavrysh weiter. Dabei arbeite man mit dem Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) zusammen. Es solle eine Plattform entstehen, über die die Ressourcen an freiwilligen Helfern bestmöglich verteilt werden kann. Die Universität Jena habe eine ähnliche Meldestelle bereits eingerichtet.

Mehr als 6.000 Humanmedizinstudierende aus Deutschland und Österreich vernetzen sich aktuell darüber hinaus selbstständig in Facebook-Gruppen. Sie tauschen sich aus, wo Hilfe benötigt wird und stellen Kontakte zu Kliniken und Praxen in Not her. Inzwischen gibt es eine eigenständige Webseite, die Hilfegesuche zusammenträgt. © jff/aerzteblatt.de

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Avatar #822275
MedStud192837465
am Freitag, 27. März 2020, 20:19

Petition läuft!!!

Unterschreiben und an Freunde weiterleiten: Initiative Faire Bedingungen für Praktisches Jahr und Staatsexamina im Medizinstudium in der COVID-19-Pandemie!: https://www.openpetition.de/petition/online/faire-bedingungen-fuer-praktisches-jahr-und-staatsexamina-im-medizinstudium-in-der-covid-19-pandemie
Avatar #821066
Lauer87
am Donnerstag, 26. März 2020, 15:45

M2 Befreiung

Die beste Lösung wäre wenn Sie und von M2 frei lassen..Sie sollen an den Kranken Leute denken die zur zeit Hilfe brauchen..das ist Benefit sowohl für die Studenten als auch für die Krankenhaus .wir als Student wir könnten besser Leistung bringen..
Avatar #822275
MedStud192837465
am Donnerstag, 26. März 2020, 13:20

Medizinstudenten Hände gebunden - In der Corona Krise

Unter folgendem Titel habe ich nun ein Youtube Video erstellt, auf dem ich diese Problematiken anspreche.
Dabei teile ich wie viele andere auch die Meinung, aus Fairness, das M2 zu erlassen!

Gerne könnt ihr mich unterstützen, indem ihr das Video weiter teilt, damit möglichst alle Menschen in Deutschland erfahren, wie unsere derzeitige unfassbare und ungerechte Lage ist!

Link zum Video: https://youtu.be/cHFro6HxFM4

Beste Grüße!
Avatar #774755
Geraldos
am Freitag, 20. März 2020, 08:42

Super Sache, wenn Alle mit arbeiten....

Mein Freund hat Anfang des Jahres, nach einem Studium im EU Ausland, seine Approbation beantragt. Jetzt bekommt er Bescheid, dass das sein zuständiges LPA seinen Übersetzer nicht anerkennt, während seine Kommilitonen mit gleichen Unterlagen, im selben Bundesland, nur anscheinend bei einem anderen Sachbearbeiter, keine Problem hatten. Nun geht er wohl in die Schweiz, denn dort hatte man an seinen Unterlagen nichts zu beanstanden.
Es ist natürlich wichtig sicher zu gehen, dass alles seine Richtigkeit hat. Nur hierbei erscheint es mir als reine Willkür. Aber wenn man meint, es sich in dieser Zeit leisten zu können Ärzte ins Ausland zu verlieren, scheint der Ernst der Lage auf den Ämtern wohl noch nicht angekommen zu sein.
LNS

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