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Politik

COVID-19: Chinesen leiden unter Angst- und Schlafstörungen während der Quarantäne

Freitag, 20. März 2020

/TheVisualsYouNeed, stock.adobe.com

Berlin – Die COVID-19-Pandemie kann auch psychosoziale Folgen haben wie Angstzustände, Depressionen oder Schlafprobleme: Diese Folgen seien in China bereits sichtbar, fanden Wissenschaftler des deutsch-chinesischen Almunifachnetzes (DCHAN) heraus, wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung berichtet (BMBF).

Millionen Menschen stehen in China aufgrund der Corona-Pandemie unter Quarantäne – 11 Millionen alleine in Wuhan. Sie müssten mit extremen Emotionen von Panik, Schock, Verwirrung, Wut, Trauer, Schuld und Hilflosigkeit umgehen, heißt es aus dem BMBF.

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Die akute Krisensituation führe zu psychosomatischen und psychischen Beschwerden. Diese müssten auch im Krisenmanagement berücksichtigt werden, fordern die Wissen­schaftler.

Aufbau der Fachbereiche Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in China
Das Alumnifachnetz für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DCAPP) ist eines von sieben Projekten der 2017 vom BMBF ins Leben gerufenen Deutsch-Chinesischen Alumnifachnetze (DCHAN).

Seit zweieinhalb Jahren förderten Expertinnen und Experten der Heidelberger und Freiburger Universitätskliniken gemeinsam mit ihren chinesischen Kooperationspartnern (an der Tongji University, an der West China Sichuan University in Chengdu und am Peking Union Medical College Hospital) den Aufbau der in China noch vernachlässigten Fachbereiche Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an chinesischen Lehrkrank­enhäusern und Universitäten.

Ärzte des Zentrums für psychische Gesundheit in Pudong einem Stadtteil von Shanghai und des Zentrums für psychische Gesundheit an der Tongji-Universität haben nach Angaben aus dem BMBF ein Team zur Unterstützung der Hubei-Provinz gebildet. Viele der von DCAPP in Psychosomatischer Medizin ausgebildeten chinesischen Ärzte, Psychologen und Pflegekräfte würden zudem vor Ort helfen. Aus den Erfahrungen dort habe das Nationale Gesundheitskomitee Chinas bereits Leitlinien zur „psychologischen Versorgung der in Not befindlichen Bevölkerung“ erarbeitet.

Hotlines zur psychologischen Betreuung

Ärzte und Psychotherapeuten, die im DCAPP-Fachnetz aktiv sind, bieten nach Angaben aus dem BMBF aktuell Supervision zum Umgang mit Menschen in Panik, Trauer, Angst, Depression und Traumatisierung an. Außerdem betreuten sie das unter starkem Stress stehende medizinische Personal und leisteten psychologische Betreuung schwerkranker Patienten, die sich bis zur palliativen Arbeit erstrecke. Es seien darüber hinaus Hotlines eingerichtet worden, die von Psychologen betreut würden.

Erste statistische Daten einer Auswertung von Anrufen eines psychologischen Dienstes in Wuhan (2.144 Hotline-Anrufe im Zeitraum vom 4. bis 20. Februar), die das DCAPP-Fachnetz auswertete, ergaben, dass rund 47 % der Anrufer Angststörungen, 20 % Schlafstörungen, 15 % somatoforme Symptome, 16 % depressive Symptome und 1,4 % andere emotionale Zustände (wie Einsamkeit, Müdigkeit und Unruhe) aufwiesen. 39 % der Anrufer suchten Unterstützung bei der Bewältigung von Aufgaben des alltäglichen Lebens (Einkaufen, Verkehr, Umgang mit einer medizinischen Diagnose und Behandlung und Erwerb von Schutzmasken).

Knapp 19 % der Anrufer berichteten von Angst, Unruhe und Schlaflosigkeit, die durch Medienberichte über die Pandemie verursacht wurden. Knapp 16 % waren von Panik, einem Engegefühl in der Brust und anderen somatoformen Symptomen betroffen. Rund 21 % hatten psychosoziale Probleme, wie zwischenmenschliche Konflikte in der Familie oder am Arbeitsplatz.

Emotionaler Stress kann somatoforme Störungen verursachen

Emotionaler Stress könne sich auch in Form von körperlichen Beschwerden, wie Herz­klopfen, Atemnot, Engegefühl in der Brust, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, Einschlafstörungen und Albträumen äußern, erläutern die Wissen­schaftler des DCAPP-Fachnetzes. Das Ausmaß der langfristigen psychosozialen Folgen der COVID-19-Pandemie werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen. © PB/aerzteblatt.de

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