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COVID-19: Bundespsycho­therapeutenkammer fordert Behandlung per Telefon und weitere Ausnahmeregelungen

Freitag, 20. März 2020

/rocketclips, stock.adobe.com

Berlin - Psychisch kranke Menschen brauchen auch während der COVID-19-Pandemie weiter eine psychotherapeutische Versorgung. Solange weder Patientinnen und Patienten noch Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten Symptome für Atem­wegs­erkrankungen haben, sei dies auch weiterhin möglich, erklärt Dietrich Munz, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK).

Dann sei es jedoch notwendig, einen ausreichenden Abstand von ein bis zwei Metern eingehalten, auf das Hände-Schütteln zu verzichten, die Husten- und Nies-Etikette zu beachten sowie Türklinken regelmäßig zu desinfizieren.

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Begrenzungen der Videobehandlung aufgehoben

Wenn der Patient Kontakt zu einem COVID-19-Erkrankten hatte, bestehe die Möglichkeit, die Behandlung online per Videosprechstunde fortzuführen, betonte Munz. Diese Möglichkeit war bis vor Kurzem noch auf 20 Prozent je Gebührenordnungsposition begrenzt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetz­lichen Krankenkassen haben jedoch noch Mitte März beschlossen, diese Begrenzungen der Videobehandlung aufzuheben. Die neue Regelung gilt vorläufig ab dem 1. April für das II. Quartal 2020.

„Wir begrüßen diese Entscheidung sehr, weil sie es überhaupt erst ermöglicht, die psychotherapeutische Versorgung auch für Patienten, die sich in Quarantäne befinden, sicherzustellen“, sagte der BPtK-Präsident.

Wenn für Patienten aber kein Videotelefonat möglich ist, sollte auch die Behandlung per Telefon möglich sein. „Beides ist wichtig, weil sich bei einem Teil der Patienten ohne Behandlung die psychischen Erkrankungen verschlimmern oder chronifizieren können“, erklärte Munz.

„Gerade ältere Menschen bevorzugen die traditionelle Methode der Kommunikation, die aber mit niedrigerer Vergütung und in geringerem Umfang als die Videosprechstunde vorgesehen ist, sagte auch Martin Klett, Vizepräsident der Landespsychotherapeuten­kammer Baden-Württemberg. Insbesondere gefährdete ältere Leute kämen nicht mehr in die Praxen, um Ansteckung zu vermeiden. Die Kammer fordert eine vorübergehende Gleichstellung der Telefon- mit der Videosprechstunde, betonte Klett.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz ermöglicht indes bereits Ärzten und Psychotherapeuten, Patienten in der Telefonsprechstunde zu versorgen.

In der zeitlich befristeten Regelung bis zum 19. April kann das problemorientierte ärztliche Gespräch, das kinder- und jugendpsychiatrische Gespräch, das neurologische, psychiatrische und psychotherapeutische Gespräch sowie die Einzelpsychotherapie abgerechnet werden. „Das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist nicht notwendig. Es kommt das Ersatzverfahren zur Anwendung“, heißt es aus der KV.

Auch Akutbehandlungen, Sprechstunde und Probatorik über Videotelefonat ermöglichen
Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer kritisiert darüber hinaus, dass Akutbehandlungen für Menschen in akuten Krisen weiterhin von der Videobehandlung ausgenommen sind.

„Das ist ein Unding vor allem für COVID-19-Patienten. Gerade sie brauchen unbedingt Beratung und Behandlung. Dies muss über Video oder Telefonat noch ermöglicht werden“, fordert BPtK-Präsident Munz. Denkbar wäre noch eine Behandlung im Schutz­anzug. Doch dafür fehle es zum einen in den Praxen an Atemschutzmasken und Schutzkleidung. „Zum anderen stellt sich die Frage, ob ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten in Alienverkleidung den Patienten tatsächlich hilft“, so Munz.

Die BPtK hält es darüber hinaus auch für notwendig, befristet psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Gespräche per Video in begründbaren Einzelfällen zu ermöglichen. Grundsätzlich muss die Diagnostik einer psychischen Erkrankung von Angesicht zu Angesicht stattfinden, damit ein vollständiger, auch nicht-visueller Eindruck von der Patienten möglich ist.

„Die Corona-Epidemie schafft hier jedoch Notlagen bei den Patienten, die wir lösen müssen. Deshalb ist es in dieser noch nie dagewesenen Ausnahmesituation notwendig, auf die Videobehandlung zurückzugreifen, wenn sonst keine psychotherapeutische Versorgung möglich ist“, erklärt der BPtK-Präsident.

Für die Behandlung per Videotelefonat hat die Bundes­psycho­therapeuten­kammer bereits im November 2019 einen „BPtK-Ratgeber“ herausgegeben. Darin werden Fragen zur Praxisorganisation beantwortet, beispielsweise welche technische Ausstattung notwendig ist und in welchen Räumen eine Videobehandlung möglich ist. Auch über zertifizierte Videodienstanbieter wird informiert. © PB/aerzteblatt.de

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