NewsMedizinErster Antikörpertest für SARS-CoV-2 vorgestellt
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Medizin

Erster Antikörpertest für SARS-CoV-2 vorgestellt

Freitag, 20. März 2020

/ustas, stock.adobe.com

New York − US-Forscher haben einen offenbar zuverlässigen Antikörper-Test für das neuartige SARS-CoV-2 entwickelt. Der in medRxiv (2020; doi: 10.1101/2020.03.17.20037713) vorgestellte ELISA-Test könnte genutzt werden, um die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung zu bestimmen und um Personen für eine Serumtherapie zu identifizieren.

Mit dem bisherigen Test auf der Basis der Polymerasekettenreaktion (PCR) lassen sich nur aktive Infektionen erkennen, wenn sich das Virus gerade im Körper vermehrt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass viele Infektionen nicht bemerkt werden, weil der Verlauf asymptomatisch ist oder die Symptome als Zeichen einer anderen Erkrankung gedeutet werden.

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Alle Infizierte entwickeln (unabhängig davon, ob sie erkranken) neutralisierende Antikörper, die sie vor einer erneuten Ansteckung schützen. Die Zunahme dieses Personenpools könnte dazu beitragen, dass die derzeitige SARS-CoV-2-Epidemie allmählich abflaut.

Mit einem Antikörper-Test könnten die Gesundheitsbehörden in Serosurveys den Immun­status der Bevölkerung untersuchen. Die Ergebnisse könnten wichtige Entscheidungen über Public-Health-Maßnahmen wie die Wiedereröffnung von öffentlichen Einrichtungen beeinflussen. Durch die Testung des Personals könnten Kliniken gezielt Ärzte und Pflegende mit positivem Antikörper-Test für die Betreuung von Patienten mit COVID-19 abstellen.

Mit einem Antikörper-Test könnten aber auch rekonvaleszente Personen ermittelt werden, deren Serum zur Behandlung einer aktiven Infektion geeignet wäre. Diese könnte entweder konventionell als Serumtherapie erfolgen und wäre sofort möglich, aber recht umständlich.

Die 1. chinesische Studie zur Serumtherapie von COVID-19 hat deshalb nur 10 Teilnehmer. Dem Vernehmen nach hat China Serumproben von rekonvaleszenten Patienten nach Italien geschickt, um dort an COVID-19 erkrankte Patienten damit zu behandeln.

Die Gene der Antikörper könnten aber auch für die Produktion von monoklonalen Antikörpern genutzt werden. Dieses Prinzip ist mit gewissem Erfolg bei Ebola-Erkrankungen getestet worden.

Eine wichtige Voraussetzung ist die Entwicklung eines zuverlässigen Antikörper-Tests. Er sollte im Idealfall Antikörper gegen SARS-CoV-2 erkennen, aber keine Kreuzreaktion mit den zirkulierenden harmlosen Coronaviren zeigen.

Einen solchen Test hat jetzt ein Team um Florian Krammer von der Icahn School of Medicine in New York vorgestellt. Es handelt sich um einen „Enzyme-linked Immunosorbent Assay“ (ELISA), der die Antikörper anhand einer Farbreaktion sichtbar macht.

Der von Krammer entwickelte ELISA erkennt Antikörper, die gegen die Rezeptor-Bindungsstelle auf dem S-Protein des SARS-CoV-2 gerichtet sind, also dem für die Infektion wesentlichen Bestandteil der Virushülle.

Die 1. Prüfungen des ELISA ergaben, dass er bei allen 4 Blutproben von 3 Patienten mit bestätigter COVID-19-Erkrankung positiv ausfiel. Alle 59 Serumproben aus der Zeit vor der SARS-CoV-2-Epidemie fielen negativ aus. Darunter war die Probe einer Person, bei der vorher eine Infektion mit dem Coronavirus NL63 nachgewiesen wurde, das nur eine harmlose Erkältung auslöst, aber den gleichen Rezeptor (ACE2) zum Eintritt in die Zellen benutzt.

Dass die beiden Viren durch unterschiedliche Antikörper neutralisiert werden, ist auch ein gutes Omen für die Sicherheit der derzeit entwickelten Impfstoffe. Bei Dengue-Infektionen kommt es zu kreuzreagierenden Antikörper, die gegen mehrere Varianten des Virus gerichtet sind. Eine Impfstoffstudie musste abgebrochen werden, weil infektionsverstärkende Antikörper schwere Verlaufsformen eines hämorrhagischen Dengue-Fiebers gefördert hatten.

Krammer erklärte gegenüber Science, dass er und seine Kollegen den Test bereits an ihrer Klinik einsetzen, um die Immunreaktion auf die Infektion näher zu untersuchen und unter rekonvaleszenten Patienten mögliche Serumspender zu ermitteln. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Montag, 23. März 2020, 14:42

Evidenzbasierung

...wird sonst immer verlangt, da schauts aber momentan mau aus, wie hier Dr. Eisenbarth richtig ausführt. Ist auch seltsam, dass Drosten das ablehnt (Antikörperfrage), während er sagt, dass sein PCR 100% richtige Ergebnisse abliefert, was nicht sein kann. Kleinere Unschärfen gab es bis dato IMMER.
Hier die Erkenntnisse eines der wichtigsten Epidemiologen weltweit:
http://impf-info.de/64-kontakt/315-ioannidis-fiasko-deutsch.html
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 23. März 2020, 13:35

In Deutschland wurde schon sehr früh mittels PCR getestet

Außerdem gibt es Sentinelsysteme, die hier eine klare Sprache sprechen:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/111008/SARS-CoV-2-erstmals-in-Sentinelprobe-nachgewiesen
https://influenza.rki.de/
An alle Pandemieleugner, bitte erst lesen und dann schreiben.
Avatar #821806
Doktor-Eisenbarth
am Montag, 23. März 2020, 13:18

Es gibt meines Erachtens keine Covid 19 Pandemie

Wie kann man mit Sicherheit - seriös - von täglichen Covid 19 Neuerkrankungen sprechen und somit von einer Epidemie ? Kann es nicht vielmehr auch so sein, dass die Weltbevölkerung auch von diesem Coronavirus Subtypus schon lange zu einem hohen Anteil durchseucht ist. ? So würde sich erklären warum nur die jetzt erheblich ausgeweiteten Testungen diese hohen Zahlen an Infizierten hervorbringen, die nun als Neuerkrankungen interpretiert werden. Wobei hier die lediglich kontaminierten Menschen gar nicht berücksichtigt werden, denn jeder Virusträger gilt ja gleich als infiziert. Auch bei völliger Symptomfreiheit. Wieso ? Eine - sofortige - breit angelegte Studie zur Untersuchung auf das Vorhandensein von Covid 19Serum IgG in Menschen, die nachweislich in den letzten drei Monaten nicht an Atemwegsinfekten erkrankt sind und sich auch nicht in den sog. Risikogebieten aufgehalten haben würde dies annähernd belegen. Dies wird nach meiner Kenntnis laut Focus Interview von Herrn Prof. Drosten jedoch als sinnlos eingestuft. Warum ? Coronaviren, auch Covid 19, sind doch wahrscheinlich Bestandteil der humanen pathogenen Virusflora , genau wie dies auf vorhandene bekannte andere Erreger von Atemwegserkrankungen wie z. B. das Influenzavirus, das RSV Virus oder die Rhinoviren auch zutrifft. Es ist schließlich nicht üblich bei saisonalen Atemwegsinfekten immer eine Erregerbestimmung durchzuführen. Vor allem keine Testung auf Coronaviren. Der Erreger wurde bislang einfach nicht entdeckt weil man ihn nicht gesucht hat. In China, einem Land mit 1,4 Milliarden Menschen gibt es offiziell seit Dezember ca. 81.000 mit Covid19 infizierte Menschen mit ca. 3800 Toten. Im gleichen Zeitraum beträgt die allgemeine Sterberate in China ca. 3,2 Millionen. Nämlich 800.000 pro Monat. Das kann man überall anhand offizieller Daten nachvollziehen. Mann kann jedoch dieselbe Feststellung auch machen, wenn man die gleichen zugänglichen Daten aus Ländern wie Italien, Iran und Deutschland vergleicht. Es steht sicher außer Frage dass Covid 19 eine hohe Individualgefährdung durch potentielles Auslösen einer Viruspneumonie bei Risikopatienten darstellt. Ob dies jedoch massenhaft und weltweit auch für die Allgemeinbevölkerung der Fall ist begründen alle bislang erhältlichen epidemiologischen Maßzahlen nicht. Die nächste Frage die sich stellt ist, ob alle mutmaßlich an einer Covid 19 Infektion verstorbenen Menschen wirklich an einer kausal im Zusammenhang mit der Covid 19 Infektion stehenden Todesursache verstorben sind. Hier käme als Todesursache ja eigentlich nur eine Viruspneumonie in Betracht. Tatsächlich liest man gehäuft von bereits zuvor schwerstkranken oder greisen Patienten, bei denen sicher auch andere Befunde zum Tod geführt haben könnten. Wobei auch bislang dieser Personenkreis schon unter einer Influenza ebenfalls eine Viruspneumonie erwerben könnte und dies auch so zuweilen geschieht. Dies sind nur zwei kritische Überlegungen zu diesem Thema. Es gäbe viele andere zu diskutieren. Stattdessen verweist ein Experte auf den nächsten und eine namhafte Institution auf die nächste ohne irgendetwas nachvollziehbar zu begründen. Die aktuelle Diskussion zu diesem Thema scheint mehr von Aktionismus, mutmaßlichen Heldentum und Profilierung Einzelner geprägt zu sein als vom hinterfragen aktueller Thesen durch Anwendung sauberer wissenschaftlicher Methoden. Denn dies ist in der bereits emotional aufgeheizten Debatte sowohl unter medizinischen Laien als auch unter Medizinern ja leider gar nicht mehr möglich. Wer von denen die die Katastrophe beschwören würde sich denn auch jetzt noch hinstellen und einen Irrtum zugeben ? Das würde nicht ohne Verlust von Reputation des "Experten" einhergehen.
Avatar #821733
Lylea
am Sonntag, 22. März 2020, 23:26

Corona AK Test - Unterschied zu existierenden AK Schnelltest (IgM, IgG)?

https://www.praxisdienst.de/Laborbedarf/Tests/Schnelltests/Coronavirus+Schnelltest+Right+Sign.html
Was ist der Unterschied zu den bereits existierenden Antikörpertests? Ist der neue genauer? Weiss das jemand?
Avatar #821732
susibu62
am Sonntag, 22. März 2020, 22:58

Corona-Antikörpertest

Super, denn ich fände es wichtig, dass bei allen, die Corona-Symptome hatten, aber leider nicht getestet wurden und auch bei denen, die positiv getestet wurden, ein Test auf neutralisierende Antikörper gemacht würde, damit sie wüssten, ob sie immun sind.
Das wäre für die Betroffenen sehr erleichternd, denn sie müssten sich keine Sorgen mehr machen, sich anzustecken und könnten gefahrlos denen helfen die zu der Risikogruppe gehören, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben, wenn man z. B für sie einkaufen geht. Kinder, die immun sind könnten wieder in Kitas, Kindergärten, Tagesgruppen gehen, usw..
Beim Pflegepersonal und bei den Ärzten, usw. könnte auch so das knappe Infektionsschutzmaterial eingespart werden, denn sie bräuchten dann keine Schutzkleidung, Mundschutz, usw. mehr.
Es könnten auch im Nachhinein noch Übertragungswege recherchiert werden, denn die Dunkelziffer der Infizierten ist mit Sicherheit weitaus höher, als alle vermuten.
Avatar #809461
Katharina2006
am Sonntag, 22. März 2020, 08:10

Verfügbarkeit

Wann werden unsere Labore einen ELISA anbieten? Weiß da jemand was? Danke
Avatar #821100
christineS
am Samstag, 21. März 2020, 16:15

Antikörperbildung

Angeblich 1 Woche:

https://www.focus.de/gesundheit/news/gute-nachrichten-top-virologe-drosten-covid-19-patienten-offenbar-immun_id_11785068.html
Avatar #821100
christineS
am Samstag, 21. März 2020, 14:15

Für einen Test....

...würde ich mich gerne anbieten! Die Idee finde ich sehr gut, denn m.E. ist es sehr wichtig, die Gesellschaft asap wieder funktional zu machen.
Avatar #813444
Gastr
am Samstag, 21. März 2020, 11:08

Wie lange braucht die AK-Bildung

Ich sehe durcheaus einen großen Nutzen im Schnelltest. Frage, wann sind ausreichend Antikörper gebildet?
Avatar #820775
Ruediger Meier
am Samstag, 21. März 2020, 02:42

Nutzen des Tests:

Mit dem Test kann eine repräsentative Stichprobe aus der Gesellschaft auf Antikörper getestet werden. Man wählt hier also z.B. 10000 Personen aus, die in ihrer Verteilung nach Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen, etc. möglichst genau mit der Gesamtbevölkerung in Deutschland vergleichbar sind. Je größer die Stichprobe, desto besser. Mit Hilfe der Ergebnisse kann man dann abschätzen, wie groß der Durchseuchungsgrad der Bevölkerung momentan ist, also wie viel Prozent der Bevölkerung sich bisher bereits insgesamt mit SARS-CoV-2 angesteckt haben. Erst dann kann man abschätzen, wie ernst die Lage in Deutschland wirklich ist. (Das ganze kann man natürlich international genauso testen und berechnen.)
Wenn der Prozentsatz positiv getesteter Personen sehr niedrig ist, folgt daraus, dass die Pandemie sich noch im Anfangsstadium befindet, und deswegen auch immer noch eine große Gefahr für die Bevölkerung besteht. (Bei niedrigem Durchseuchungsgrad gibt es keinen „Herdenschutz“ der Bevölkerung – das Virus kann sich also ungehindert weiter mit großer Geschwindigkeit ausbreiten.)
Wenn der Prozentsatz positiv getesteter Personen dagegen sehr hoch ist, kann man davon ausgehen, dass die Pandemie bereits länger als bisher angenommen läuft, ihren Höhepunkt überschritten hat, und die aktuellen Schutzmaßnahmen kontrolliert wieder aufgehoben werden können. (Dann wäre auch klar, dass die Mortalitätsrate weit unter den bisher erwarteten Werten liegt.)
Aktuell haben wir zum Durchseuchungsgrad (und damit auch zur korrekten Morbiditäts- und Mortalitätsrate) leider noch gar keine verlässlichen Daten. Aus diesem Grund erscheint es auch wichtig, derzeit zur Sicherheit vom schlimmsten Fall auszugehen, alles andere wäre wohl fahrlässig.
Avatar #760435
eyedoc1
am Freitag, 20. März 2020, 21:52

Nutzen des Tests?

Antikörper schützen nicht vor (erneuter) Ansteckung, sondern helfen bei deren Bekämpfung. Ob Andere angesteckt werden können, ist m.W. unklar.
LNS

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