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Politik

Coronakrise: Lehren für die Zukunft der Krankenhäuser

Freitag, 20. März 2020

/picture alliance

Berlin – Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, hat angesichts der Coronakrise eine Neubewertung der Krankenhauslandschaft in Deutschland gefordert. „Ich habe immer gesagt, es ist eine gute Situation, zehn Prozent Überkapazitäten im stationären Bereich zu haben statt eines Systems, das auf Kante genäht ist“, sagte Baum gestern auf dem Virtuellen DRG-Forum. „Das bedeutet mehr soziale Sicherheit für die Menschen.“

In den vergangenen Jahren wurde von vielen Experten ein Abbau von Überkapazitäten in der deutschen Krankenhauslandschaft gefordert, da es vor allem in Ballungsgebieten zu viele kleine Krankenhäuser und zu viele Krankenhausbetten gebe. „Ich denke, da haben wir jetzt, durch die Coronakrise, ein komplett neues Bewusstsein“, meinte Baum. Neu ausrichten müsse man das System nach der Krise zudem „bei dem bürokratischen Überbau“.

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Verantwortlichkeiten klarer definieren

„Die Idee war es, die Krankenhauslandschaft zu zentralisieren und zu ambulantisieren“, sagte hingegen Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. „Dann brauchen wir weniger Betten und weniger Standorte. Es hieß aber nicht, dass wir weniger Intensivkapazitäten brauchen. Ich sehe keinen Widerspruch zwischen einer stärkeren Zentralisierung und dem Vorhalten von Intensivkapazitäten.“

Augurzky sprach sich dafür aus, die Verantwortlichkeiten klarer zu definieren. „Wir brauchen einen Plan für die Krankenversorgung, wer sich in einer Pandemie um was kümmert“, sagte er. „Da sehe ich die Politik auf nationaler Ebene in der Verantwortung.“

Er sprach sich zudem dafür aus, „in einem solchen Fall die Gesamtverantwortung auf die nationale Ebene zu heben“. Denn bei einem Krisenmanagement sei der Föderalismus hinderlich. „Selbst wenn die Länder wie jetzt mit dem Bund an einem Strang ziehen, hat man bei einer Entscheidung im Föderalismus mehrere Schleifen, während der Bund sofort entscheiden könnte“, so Augurzky.

Große Krankenhäuser sollen koordinieren

Eine klarere Abstimmung zwischen den Krankenhäusern forderte auch Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin. „Es muss klar sein, wer die Versorgung koordi­niert und wer wofür zuständig und verantwortlich ist“, forderte er. Es dürfe nicht jedem Krankenhaus überlassen bleiben, was es anbiete

„Ein solcher Plan, wie die Krankenhäuser in einem Pandemiefall zusammenarbeiten, lag nicht in der Schublade“, sagte Busse. „Denn eigentlich stehen die Krankenhäuser ja im Wettbewerb zueinander.“

Busse schlug vor, dass die 50 bis 60 größten Krankenhäuser des Landes, darunter in jedem Fall die Universitätskliniken, die Versorgung in ihrem Bereich koordinieren. Ein solches Krankenhaus wäre dann für etwa 1,7 Millionen Menschen zuständig und würde zum Beispiel entscheiden, welche Krankenhäuser in der Region Beatmungsgeräte bekämen. Eine entsprechende Struktur müsse sich in den Krankenhausplänen abbilden.

Die Krise nutzen

Zur Diskussion über die Überkapazitäten sagte er: „Wir haben in Deutschland die Situation, dass wir Reservekapazitäten ständig in unserem System vorhalten. Andere Länder unterscheiden klarer zwischen einem Normalbetrieb und einer Notsituation, in der zusätzliche Kapazitäten dann schnell hochgefahren werden können.“

Busse forderte, die Krise zu nutzen, um das System mit dem Fokus auf Qualität umzustrukturieren. „Es wäre fatal, wenn wir jetzt für neun Monate eine Notregelung finden und dann weitermachen wie bisher“, sagte er. © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #84272
koettnitz
am Sonntag, 22. März 2020, 13:48

Coronakrise: Lehren für die Zukunft der Krankenhäuser

"Danach" weiter zu machen wie zuvor - weil wir ja "glücklicherweise" doch sehr viel mehr Betten vorgehalten haben als die Länder um uns herum - ist sicher keine vernünftige Lösung. Die Notfallplanung für "Danach" sollte aber nicht alleine den großen Häusern vorbehalten werden, da zu erwarten ist, dass diese bezüglich der Versorgung in der Peripherie eher auf einem Auge blind sind .... Auch in der Peripherie gibt es kluge Köpfe mit guten Ideen und Überlegungen zur Krisenprävention in ihren Versorgungsräumen.
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Freitag, 20. März 2020, 22:58

auf Kante genäht

ist das System bei uns auch schon, so viele KH haben geschlossen, ewige Wartezeiten in Nofaufnahmen auch schon vor Corona.
Das liegt an der Privatisierung, die Überkapazitäten würden zu viel Profit kosten. Was zuletzt dabei raus kommt, kann man in Italien sehen. Die vielen Toten entlasten immerhin das Rentensystem....
LNS

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