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Gericht: Krankenkasse lehnt Begleithund zu Recht ab

Montag, 23. März 2020

/pololia, stock.adobe.com

Celle − Begleithunde sind für Kinder, die an vorgeburtlich erlittenen Schäden durch den Alkoholkonsum der Mutter leiden, kein Hilfsmittel der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Das entschied das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen in Celle in einem heute bekanntgewordenen Urteil vom 18. Februar (Az. L 16 KR 253/18).

Im vorliegenden Fall hatte ein Grundschüler aus dem nördlichen Niedersachsen geklagt. Der Junge wurde den Angaben zufolge als viertes von sechs Kindern einer alkohol­kranken Mutter geboren, er leidet demnach an einem sogenannten fetalen Alkohol­syndrom und Entwicklungsverzögerungen.

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Das Kind sei zappelig und neige zum Redeschwall, teilte das Gericht mit. Die behan­delnde Kinderärztin habe dem Jungen, der bei Pflegeeltern lebt, einen Behinderten­begleithund verordnet, der ihn beruhigen sollte. Ein Hund gebe Geborgenheit und fördere auch den Kontakt zu anderen Kindern. Die Krankenkasse lehnte eine Kosten­übernahme ab, es handele sich um allgemeine Haustierhaltung.

Das Gericht bestätigte die Rechtsauffassung der Krankenkasse. Im Gegensatz zum Blindenhund sei ein Begleit- oder Assistenzhund kein Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenkasse. Zwar werde die positive Wirkung des Hundes nicht infrage gestellt, weil der Junge in Gegenwart des Tieres ruhiger sei. Ein Haustier werde aber allein durch förderliche Auswirkungen nicht zum Hilfsmittel, es gehe um kein Grundbedürfnis. © dpa/aerzteblatt.de

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Hennighausen
am Montag, 23. März 2020, 21:56

Blindenführhund ist e. Leistung der GKV

Es gibt einen Schnack: "Zwei Richter, drei Urteile".
Das Urteil ist als richtig anzusehen, wenn man sich die Definition eines "Begleithundes" und die Bestimmungen der gesetzlichen Krankenkassen vor Augen hält:
Definition nach Wikipedia: Unter einem Begleithund versteht man nach den Richtlinien des VDH (Verband für das Deutsche Hundewe-sen) einen Hund, der die unterste Stufe in einem mehrstufigen System von Ausbildungen erreicht hat.
Der Blindenführhund ist im Prinzip ein Begleithund, hat aber eine spezielle, wesentlich weitergehende Ausbildung und gilt rechtlich gesehen als Hilfsmittel (§ 33 SGB V) und muss demnach beim Vorliegen von Blindheit nach dem Gesetz von der gesetzlichen Krankenkasse des/ der Betroffenen bezahlt werden, wenn eine Kompatibilität zwischen Betroffenem/ er und Hund erreicht wird.
In dem dargestellten Falle wäre es vielleicht hilfreich, von einem Therapiehund zu sprechen; vielleicht wäre es sinnvoll, dann am Sozialamt einen Antrag auf Zuschuss für den Kauf des Hundes zu stellen.
LNS

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