NewsPolitikEthikrat-Chef: Coronakrise bedeutet „unfassbare Verantwortung“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Ethikrat-Chef: Coronakrise bedeutet „unfassbare Verantwortung“

Montag, 23. März 2020

Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock. /dpa

Nürnberg − Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, sieht angesichts der Corona-Krise eine „unfassbare Verantwortung“ auf Deutschlands Politik und Bürgern liegen. Je länger die Maßnahmen andauerten, die auf die Eindämmung des Virus abzielten, desto bedrängender werde die Frage „Wie lange können wir das aushalten?“, sagte er den Nürnberger Nachrichten heute.

Wer wolle es etwa verantworten, wenn das deutsche, europäische und globale Wirtschaftssystem nachhaltigen Schaden nähmen und vielleicht mehr als ein Jahrzehnt benötigten, sich wieder zu erholen, fragte der Professor für Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Ethik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Anzeige

Im Moment stünden diese Fragen jedoch noch nicht an, so Dabrock weiter: „Wenn jeder von uns sich jetzt am Riemen reißt, erhöht sich die Chance, dass diese so schwere Zeit möglichst kurz gehalten wird.“ Dennoch müsse sich die Gesellschaft mental auf diese Fragen vorbereiten.

Zu den ethisch besonders schwierigen Problemen zähle die Frage, wer im Extremfall zuerst behandelt oder zuerst operiert werde, ergänzte der Ethik-Experte: „Diese Szenarien gehören zum Schlimmsten im klinischen Alltag. Es werden tatsächlich gerade auch bei uns Empfehlungen erarbeitet, wie man mit dieser schrecklichen Situation möglichst verantwortlich umzugehen hat.“

Dazu seien in der Katastrophenmedizin eine Reihe von Kriterien entwickelt worden, die jetzt auf die Corona-Pandemie übertragen würden: „Wichtig ist auch, wenn jemandem nicht mehr die lebenserhaltenden Maßnahmen, die er benötigt, zuteil werden, dass er dann ausreichend palliativ versorgt wird. Aber ich hoffe, dass es nicht so weit kommt.“

Daher solle man alle Ausgangsbeschränkungen nicht als Freiheitseinschränkung ansehen, sondern als Akt der Solidarität mit älteren und kranken Mitmenschen. Zugleich, so Dabrock weiter, beeindrucke ihn die Bereitschaft großer Teile der Bevölkerung, „das mitzutragen, ja wo möglich Hilfe zu leisten oder die Helfer moralisch oder finanziell zu unterstützen. Hier und nicht in hetzerischen Demonstrationen erlebe ich: Wir sind ein Volk! Wir halten zusammen − und vergessen hoffentlich nicht die anderen Probleme der Welt.“

Als gläubiger Christ, so der Theologe, beeindrucke ihn zudem die Fantasie in vielen Gemeinden, „wie man über die unterschiedlichsten medialen Kanäle die Botschaft weiter, nein neu verkündet, wie man Nachbarschaftshilfen, gerade für Ältere, organisiert und wie man am Ende des Tages singt.“ © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #821907
Dieter Broemsen
am Dienstag, 24. März 2020, 07:08

Professor aus Stanton

Es wäre sehr dringend nötig mutigen Menschen wie diesem Professor Gehör zu verschaffen. Es ist exakt sein Fachgebiet . Sowie diesem Nobelpreisträger https://www.calcalistech.com/ctech/articles/0,7340,L-3800632,00.html https://www.statnews.com/2020/03/17/a-fiasco-in-the-making-as-the-coronavirus-pandemic-takes-hold-we-are-making-decisions-without-reliable-data/
LNS

Nachrichten zum Thema

31. März 2020
Berlin – Mehr als 61.913 Personen haben sich in Deutschland mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert (Stand 31.3. um 0 Uhr), das sind 4.615 mehr als am Vortag. Und 583 Patienten sind an den Folgen der
RKI rechnet mit steigender COVID-19-Sterberate
31. März 2020
Berlin – Im Kampf gegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2 wägen Politiker derzeit die Chancen und Risiken von Tracking-Apps von Bewegungsdaten auf freiwilliger Basis ab. Das Thema hatte die Union im
SARS-CoV-2: Unterstützung für freiwillige Apps mit Bewegungsdaten
31. März 2020
Berlin – In anderen Staaten gehören Menschen mit Mundschutz schon länger zum Bild der Coronakrise. Nun wird auch in Deutschland darüber diskutiert, die Rede ist sogar von einer Maskenpflicht. Die
Debatte über Mundschutzpflicht
31. März 2020
Heinsberg – „Wir sind der übrigen Bundesrepublik zwei Wochen voraus“. Das hat heute der Landrat des Landkreises Heinsberg, Stephan Pusch, bei der heutigen Pressekonferenz zum Start einer
Heinsberg-Studie zur Klärung von Ansteckungswegen beginnt
31. März 2020
Düsseldorf − Rund 45 Prozent der bestehenden Intensivbetten in Deutschland sind nach Angaben von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) derzeit frei für die Behandlung von
Spahn: Fast die Hälfte der Intensivbetten frei für Corona-Patienten
31. März 2020
Frankfurt am Main − Frankfurter Forscher haben ein Verfahren zur schnelleren und großflächigeren Analyse von Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 entwickelt. „Damit wird es möglich, die
Proben-Pooling: Neues Verfahren soll schnellere SARS-CoV-2-Testung ermöglichen
31. März 2020
Berlin – Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, verlangt, dass Angehörige sterbende Heimbewohner begleiten können müssen. „Da ist die Menschenwürde berührt. Es muss
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER