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Politik

Ethikrat-Chef: Coronakrise bedeutet „unfassbare Verantwortung“

Montag, 23. März 2020

Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock. /dpa

Nürnberg − Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, sieht angesichts der Corona-Krise eine „unfassbare Verantwortung“ auf Deutschlands Politik und Bürgern liegen. Je länger die Maßnahmen andauerten, die auf die Eindämmung des Virus abzielten, desto bedrängender werde die Frage „Wie lange können wir das aushalten?“, sagte er den Nürnberger Nachrichten heute.

Wer wolle es etwa verantworten, wenn das deutsche, europäische und globale Wirtschaftssystem nachhaltigen Schaden nähmen und vielleicht mehr als ein Jahrzehnt benötigten, sich wieder zu erholen, fragte der Professor für Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Ethik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

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Im Moment stünden diese Fragen jedoch noch nicht an, so Dabrock weiter: „Wenn jeder von uns sich jetzt am Riemen reißt, erhöht sich die Chance, dass diese so schwere Zeit möglichst kurz gehalten wird.“ Dennoch müsse sich die Gesellschaft mental auf diese Fragen vorbereiten.

Zu den ethisch besonders schwierigen Problemen zähle die Frage, wer im Extremfall zuerst behandelt oder zuerst operiert werde, ergänzte der Ethik-Experte: „Diese Szenarien gehören zum Schlimmsten im klinischen Alltag. Es werden tatsächlich gerade auch bei uns Empfehlungen erarbeitet, wie man mit dieser schrecklichen Situation möglichst verantwortlich umzugehen hat.“

Dazu seien in der Katastrophenmedizin eine Reihe von Kriterien entwickelt worden, die jetzt auf die Corona-Pandemie übertragen würden: „Wichtig ist auch, wenn jemandem nicht mehr die lebenserhaltenden Maßnahmen, die er benötigt, zuteil werden, dass er dann ausreichend palliativ versorgt wird. Aber ich hoffe, dass es nicht so weit kommt.“

Daher solle man alle Ausgangsbeschränkungen nicht als Freiheitseinschränkung ansehen, sondern als Akt der Solidarität mit älteren und kranken Mitmenschen. Zugleich, so Dabrock weiter, beeindrucke ihn die Bereitschaft großer Teile der Bevölkerung, „das mitzutragen, ja wo möglich Hilfe zu leisten oder die Helfer moralisch oder finanziell zu unterstützen. Hier und nicht in hetzerischen Demonstrationen erlebe ich: Wir sind ein Volk! Wir halten zusammen − und vergessen hoffentlich nicht die anderen Probleme der Welt.“

Als gläubiger Christ, so der Theologe, beeindrucke ihn zudem die Fantasie in vielen Gemeinden, „wie man über die unterschiedlichsten medialen Kanäle die Botschaft weiter, nein neu verkündet, wie man Nachbarschaftshilfen, gerade für Ältere, organisiert und wie man am Ende des Tages singt.“ © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #821907
Dieter Broemsen
am Dienstag, 24. März 2020, 07:08

Professor aus Stanton

Es wäre sehr dringend nötig mutigen Menschen wie diesem Professor Gehör zu verschaffen. Es ist exakt sein Fachgebiet . Sowie diesem Nobelpreisträger https://www.calcalistech.com/ctech/articles/0,7340,L-3800632,00.html https://www.statnews.com/2020/03/17/a-fiasco-in-the-making-as-the-coronavirus-pandemic-takes-hold-we-are-making-decisions-without-reliable-data/
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