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Medizin

Prostatakrebs: PSMA-PET/CT verbessert Tumorstaging in Studie

Freitag, 27. März 2020

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Melbourne − Ein PSMA-PET/CT, das Metastasen mit einem Tracer für ein Oberflächen­protein von Epithelzellen der Prostata erkennt, hat in einer randomisierten Studie im Lancet (2020; doi: 10.1016/S0140-6736(20)30314-7) das Staging von Hoch-Risiko-Patienten mit neu diagnostiziertem Prostatakarzinom gegenüber einem konventionellen Staging mit CT und SPECT verbessert und häufig die therapeutischen Entscheidungen beeinflusst.

Bei vielen Patienten mit Prostatakarzinom kommt es in den ersten Monaten nach einer radikalen Prostatektomie oder einer Radiotherapie zu einem Rezidiv, weil bei der Erstun­tersuchung Fernmetastasen übersehen wurden. Besonders gefährdet sind Patienten mit einem PSA-Wert von 20,0 ng/ml vor Behandlungsbeginn, einer ISUP-Gruppe 3 bis 5 (International Society of Uropathology) oder einem klinischen Stadium T3 oder schlechter.

Bei diesen Patienten wird vor der Behandlung ein Staging vorgenommen. Standard ist eine Computertomografie (CT) vom Brust- bis zum Beckenbereich sowie eine Single-Photon-Emissions-Tomographie (SPECT) nach Injektion von Technetium-99m. Die beiden Untersuchungen sollen Knochenmetastasen aufspüren, haben sich jedoch in der Vergangenheit nicht als besonders zuverlässig erwiesen.

Bei vielen Patienten werden manchmal bereits wenige Monate nach einer radikalen Prostatektomie oder einer Radiotherapie Metastasen nachgewiesen, die den Nutzen der Erstbehandlung infrage stellen.

Seit einigen Jahren gibt es eine Alternative zur SPECT-Untersuchung. Mit einer Positronen-Emissions-Tomografie (PET) wird nach Zellen gesucht, die auf ihrer Ober­fläche das Protein PSMA („Prostata-spezifisches Mem­bran-Antigen“) tragen. PSMA ist im Körper nur auf Zellen der Prostata vorhanden. Werden diese Zellen im Knochen nachgewiesen, muss es sich um eine Metastase handeln.

Um die Ortung zu erleichtern, wird das PET heute in der Regel mit einem CT kombiniert. Die beiden Untersuchungen finden gleichzeitig statt und sind mit einer deutlich verminderten Strahlenbelastung verbunden als die Doppeluntersuchung mit CT und SPECT. Die Kosten der Untersuchung sind allerdings höher.

An 10 Kliniken in Australien wurden beide Staging-Methoden miteinander verglichen. Die 302 Teilnehmer mit den genannten Hochrisiko-Merkmalen, bei denen eine kurative Behandlung (Prostatektomie oder Radiotherapie) geplant war, wurden auf 2 Gruppen randomisiert.

Bei der Hälfte der Patienten wurde zunächst ein PSMA-PET/CT durchgeführt. Wenn dabei nicht eindeutig eine metastasierte Erkrankung gefunden wurde, folgte die Standard­untersuchung mit CT und SPECT. In der anderen Gruppe war die Reihenfolge umgekehrt.

Primärer Endpunkt war die Treffsicherheit der Erstuntersuchung bezüglich dem Auftreten von Metastasen. Dazu wurden alle Hinweise genutzt, die in den folgenden 6 Monaten auf Metastasen hinwiesen, einschließlich weiterer bildgebender Verfahren.

Wie Michael Hofman vom Peter MacCallum Cancer Centre in Melbourne und Mitarbeiter berichten, erwies sich die PSMA-PET/CT bei Staging als zuverlässiger. Die Genauigkeit (in einer AUC-Analyse) betrug 92 % gegenüber nur 65 % nach der konventionellen Unter­suchung mit CT und SPECT. Der Vorteil von 27 %-punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 23 bis 31 %-punkten signifikant.

CT und SPECT waren sowohl in der Sensitivität (38 versus 85 %) als auch in der Spezifität (91 versus 98 %) im Nachteil.

Die Ergebnisse des PSMA-PET/CT-Staging haben laut Hofman bei 28 % der Patienten die Behandlungsstrategien beeinflusst („medium/high management impact“). Nach der konventionellen CT und SPECT war dies nur bei 15 % der Patienten der Fall.

Insgesamt 42 % der Patienten unterzogen sich einer Operation, 41 % einer Strahlen­therapie. Bei den anderen Patienten wurde (nach der Diagnose von Metastasen) eine Androgendeprivation entweder allein (9 %) oder in Kombination mit einer Chemo­therapie (6 %) durchgeführt. Die Strahlenbelastung wurde laut Hofman von 19,2 auf 8,4 Millisievert gesenkt.

Wie sich die Therapieänderungen auf die Lebensqualität und die Überlebenszeiten der Patienten ausgewirkt haben, wurde in der Studie nicht untersucht. Offen ist auch die Frage der Kosten-Effektivität. Die PSMA-PET/CT erhöht die Therapiekosten. Durch die Vermeidung einer unnötigen Operation oder Radiotherapie könnten aber auch Kosten eingespart werden. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #665789
jacekw
am Sonntag, 5. April 2020, 20:12

nmCRPC gibt es noch?

Es gibt neue Medikamente die nur für nmCRPC zugelassen sind.
Gibt es noch nmCRPC? oder werden die Metastasen einfach durch die Bildgebung nicht gesehen.
Ich bin der Meinung, dass ein Zustand "nicht metastasiert" bei steigendem PSA-Wet nach der Prostataektomie nicht existiert.
Medikamente für nmCRPC sollen auch für Patienten mit metastasierten mCRPC zugelassen werden
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