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Medizin

Hirnforschung: Ritalin macht nicht klüger, motiviert aber zum Lernen

Dienstag, 31. März 2020

/EinBlick, stock.adobe.com

Providence, Rhode Island − Die Einnahme von Methylphenidat, besser bekannt unter dem Markennamen Ritalin, verbessert nicht die kognitiven Fähigkeiten, sie könnte allerdings die Motivation fördern, sich schwierigen Aufgaben zu stellen, weil die Belohnung nach der erfolgreichen Absolvierung als stärker empfunden wird.

Dies war in Experimenten in Science (2020; 367: 1362-3166) allerdings nur bei Probanden der Fall, die aufgrund eines Dopamin-Defizits im Striatum weniger motiviert waren.

Bevor Menschen sich einer Herausforderung stellen, wägen sie Kosten und Nutzen gegeneinander ab. Lohnt sich der Aufwand des Vokabellernens oder wäre es nicht einfacher, den Nachmittag über zu chillen.

Das Ergebnis dieser – in der Regel unbewussten – Überlegungen wird maßgeblich vom Neurotransmitter Dopamin im Striatum beeinflusst. Dort befindet sich das sogenannte Belohnungssystem, das einen entscheidenden Einfluss auf die Motivation hat. Der wichtigste Neurotransmitter ist hier Dopamin.

Andrew Westbrook von der Brown University in Providence, Rhode Island und Mitarbeiter haben bei 50 gesunden Erwachsenen im Alter von 18 bis 43 Jahren mit der Positronen-Emissions-Tomografie die Synthesekapazität von Dopamin im Striatum bestimmt. Dann fragten sie die Probanden, ob sie an einer Reihe kognitiver Tests teilnehmen würden, von denen einige einfacher und andere schwieriger wären. Für die Teilnahme wurden ihnen Geldbeträge angeboten. Für die härtesten Tests gab es das meiste Geld.

Jeder der Probanden beendete das Experiment 3 Mal − einmal nach Einnahme eines Placebos; einmal nach der Einnahme von Methylphenidat und einmal nach der Einnahme von Sulpirid, einem Antipsychotikum. Die Forscher verwendeten ein doppelblindes Versuchsdesign, bei dem weder sie noch die Probanden wussten, welche Pille jedem Probanden verabreicht wurde.

Die Ergebnisse entsprachen weitgehend den Erwartungen. Die Probanden mit den niedrigeren Dopaminkonzentrationen im Striatum entschieden sich eher für die leichten Aufgaben. Sie stuften die Nachteile, die mit den anspruchsvolleren kognitiven Tests verbunden sind, für sich als höher ein als die mit dem Geld verbundene Belohnung. Die Probanden mit den höheren Dopaminspiegeln waren eher bereit, sich der Aufgabe zu stellen.

Bei den Probanden mit einer niedrigen Dopaminkonzentration konnte die Motivation durch die Einnahme von Methylphenidat oder Sulpirid gesteigert werden. Bei den Probanden mit hohen Dopaminkonzentrationen hatten die beiden Wirkstoffe keine Wirkung. Westbrook führt die Wirkung darauf zurück, dass beide Medikamente die Konzentration von Dopamin im Striatum erhöhen.

Die Mittel seien deshalb eher in der Lage, die Motivation von Schülern zur fördern, schreibt der Forscher. Eine direkte Steigerung der kognitiven Leistungen sei nicht zu erkennen. Interessant ist auch, dass ein Einfluss nur auf Probanden mit einer niedrigen Dopaminkonzentration zu beobachten war. Dies deckt sich mit den Erfahrungen von Psychiatern, nach denen Ritalin nur bei Patienten mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung wirkt, nicht aber bei gesunden Kindern. © rme/aerzteblatt.de

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