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Ausland

Deutsche Krankenhäuser nehmen COVID-19-Patienten aus Italien und Frankreich auf

Dienstag, 24. März 2020

/Rawf8, stock.adobe.com

Berlin − Deutschland unterstützt seine EU-Partner Italien und Frankreich bei der Behandlung schwerkranker Corona-Patienten. Mehrere Bundesländer haben schon ausländische Notfallpatienten aufgenommen, die beatmet werden müssen − zuhause sind die Intensivstationen der Krankenhäuser mancherorts wegen der Pandemie völlig überlastet. Was fehlt: Betten mit Beatmungsgeräten, Material und Personal.

Bayern wolle einige schwerkranke Italiener zur Behandlung aufnehmen, gab Minister­präsident Markus Söder (CSU) heute bekannt. „Wir wollen auch da ein Signal der Humanität setzen.“ Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte die Aufnahme von zehn Patienten aus dem besonders leidenden Norditalien zu. „Wir wollen signalisieren: Ihr seid nicht allein.“

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Die beiden bevölkerungsreichsten Bundesländer folgen damit Beispielen aus Baden-Württemberg, Sachsen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Dort sind bereits erste Corona-Notfälle aus dem Ausland in Kliniken untergebracht.

In Baden-Württemberg hatten sich am Wochenende vier Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Mannheim und Ulm bereit erklärt, Patienten aus Frankreich aufzunehmen, die dringend auf Beatmung angewiesen sind. Die Krankenhäuser im Südwesten wurden gebeten, freie Beatmungsbetten zu melden. Die Kliniken sollten aber nicht selbst in Not geraten, sagte ein Regierungssprecher. „In einer Krise ist Solidarität gefragt − aber im Rahmen des Möglichen.“

In Sachsen werden nach Angaben von Sozialministerin Petra Köpping (SPD) acht Patienten aus Italien behandelt. Außenminister Heiko Maas (SPD) twitterte nach der Aufnahme von zwei Kranken aus Bergamo in Leipzig: „Gute Genesung! Wir halten zusammen.“ Zuvor hatte sich Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron für die Unter­stützung anderer Länder bedankt. „Vielen Dank an unsere europäischen Nachbarn“, schrieb Macron auf Twitter. „Europäische Solidarität rettet Leben.“

Asklepios-Klinik behandelt zwei Corona-Patienten aus Frankreich

Auch die Asklepios-Kliniken sind bereit, in Absprache mit den Bundesländern, schwer erkrankte Corona-Patienten aus anderen europäischen Ländern zu behandeln. Erste Anfragen habe der private Klinikkonzern am vergangenen Wochenende aus dem französischen Grenzgebiet bekommen, teilte das Unternehmen heute in Hamburg mit. Die Asklepios-Südpfalzklinik in Kandel (Rheinland-Pfalz) habe vorgestern zwei Patienten aus Straßburg aufgenommen, die dringend eine Versorgung mit Beatmungsgeräten brauchten.

Aktuell hätten die Krankenhäuser des Unternehmens ausreichend freie Kapazität für Intensivbetreuung. Die Klinikgruppe sei dabei, seine deutschlandweit 800 Intensiv- und Beatmungsbetten um weitere 500 aufzustocken.

Saar-Uniklinik nimmt fünf Corona-Patienten aus Grand Est auf

Fünf Corona-Notfallpatienten aus der ostfranzösischen Region Grand Est werden nun im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg behandelt. Sie seien gestern eingeliefert worden, nachdem das Saarland der benachbarten Region Unter­stützung zugesagt hatte, teilte Regierungssprecher Alexander Zeyer heute in Saarbrücken mit. Weitere COVID-19-Patienten aus Grand Est würden nicht erwartet. Das Saarland habe sich zur Aufnahme von fünf Kranken bereiterklärt.

Coronavirus-Patienten aus Italien in NRW und Sachsen aufgenommen

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte heute vor dem Düsseldorfer Landtag, er habe gestern angeboten, ­­­­­­­­­„dass wir zunächst zehn Patienten aufnehmen.“ Die italienische Luftwaffe werde die Erkrankten „in den nächsten Tagen“ nach Nordrhein-Westfalen verlegen, sagte Laschet.

In Sachsen trafen in der Nacht zu heute auf dem Flughafen Halle-Leipzig die ersten beiden schwerkranken Corona-Patienten aus Italien zur weiteren Behandlung ein. Die beiden aus Bergamo stammenden Intensivpatienten wurden nach Angaben des Aus­wärtigen Amts in die Uniklinik Leipzig gebracht. Weitere Corona-Patienten wurden in Sachsen erwartet.

Sachsen kommt damit einer Bitte der italienischen Regierung und italienischer Regionen nach. „Unsere Solidarität endet nicht an Landesgrenzen“, schrieb Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gestern im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er sprach zunächst von sechs Patienten.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) betonte heute im Sender Phoenix, die Krankenhäuser in Sachsen hätten noch Kapazitäten. Zudem könnten Ärzte und Virologen bei der Behandlung der Patienten aus Italien Erfahrungen und nötiges Wissen sammeln für den Kampf gegen das Coronavirus in Sachsen.

Inzwischen teilte die Uniklinik Leipzig mit, dass die eingeflogenen Coronavirus-Patienten „in einem kritischen Zustand“ seine, sagte Klinikumssprecher Markus Bien. Neben den beiden Patienten aus Italien habe die Klinik aktuell keine weiteren beatmungspflichtigen Coronavirus-Patienten, hieß es.

Heute Nachmittag sollen weitere Patienten aus Italien nach Sachsen geflogen werden. Auch das Herzzentrum und das Helios Park-Klinikum Leipzig werden zwei Patienten auf der interdisziplinär geführten Intensivstation aufnehmen, sagte der Pressesprecher des Lehrkrankenhauses, Stefan Möslein. Wann die Patienten einträfen, sei noch unklar, man sei aber einsatzbereit. „Wir haben uns in den letzten Tagen darauf vorbereitet“, sagte Möslein. Die Aufnahme von Patienten aus Italien sei „ein solidarischer Akt“.

Auch das Universitätsklinikum Dresden bereitet sich nach Angaben der Pressestelle auf die Aufnahme zweier Patienten aus Italien vor. Der Zeitpunkt ihrer Ankunft blieb auch hier zunächst offen.

Insgesamt sollen acht Patienten aus Italien an den Universitätskliniken Dresden und Leipzig sowie am Helios Klinikum Leipzig und dem Fachkrankenhaus Coswig versorgt werden. © dpa/afp/sn/aerzteblatt.de

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Avatar #112726
woewe
am Mittwoch, 25. März 2020, 12:18

Acht Patienten

das ist weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein! Es geht um Größenordnungen, es geht um Zehntausende, die außerhalb regionaler Intensivstationen versorgt werden müssten, spätestens im April.
Bei neherlab dot org gibt es "COVID-19 Scenarios", die lassen für die Zukunft erschrecken.
LNS

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