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Politik

Giffey: Coronakrise könnte mehr häusliche Gewalt zur Folge haben

Dienstag, 24. März 2020

/patila, stock.adobe.com

Berlin − Isolation und finanzielle Sorgen durch die Coronakrise könnten zu mehr häuslicher Gewalt führen. Das sagte Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) heute im ZDF-Morgenmagazin. Umso wichtiger sei es für Opfer zu wissen, dass sie das Haus verlassen dürfen, um sich Hilfe zu holen. Das sei ein triftiger Grund.

Auch telefonische Hilfe-Hotlines seien erreichbar und würden angesichts der Corona-Pandemie ausgebaut, sagte die Ministerin. Viele Familien seien momentan in einer schwierigen Situation, sagte sie zuvor im RTL-Nachtjournal. Dies könne zu einem erhöhten Konfliktpotenzial beitragen. „Umso wichtiger ist es, dass jetzt auch die Schutzeinrichtungen weiter aufrecht erhalten werden.“

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Soziale Einrichtungen, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, seien dabei, neue Hilfsangebote wie Einkaufshilfen oder telefonische Hilfsangebote zu organisieren. „Es heißt ja nicht, dass in der Krise niemand mehr etwas machen kann“, sagte Giffey. Es müsse eben umgeplant werden.

Experten hatten zuletzt vor steigenden Zahlen bei häuslicher Gewalt gewarnt. Auch der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, äußerte seine Sorge über eine Zunahme von Gewalt gegen Kinder. „Der Druck auf die Familien wächst, zugleich entfallen viele Sicherungsnetze“, sagte er der Rheinischen Post. Weil Kitas und Schulen mit ausgebildetem Fachpersonal zu und auch die Nachbarschaftskontakte unterbrochen seien, gebe es so gut wie keine soziale Kontrolle mehr.

Auch wenn viele Familien nun in einer Ausnahmesituation sind, warnte Hilgers vor Menschen, die sich im Netz als Kinderbetreuer anbieten. „Ich rate Eltern dringend davon ab, Kinder in die Obhut solcher Menschen zu geben, wenn sie die nicht kennen“, betonte er. Nicht umsonst hätten Kitas und Schulen Schutzkonzepte entwickelt, die Kinder vor physischer, psychischer und sexueller Gewalt schützen sollen. „Das Risiko ist zu groß“, sagte Hilgers.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sagte ebenso in der WDR-Polittalkshow „hart aber fair“ gestern Abend, es seien soziale Folgen von Ausgangssperren zu bedenken − etwa im Hinblick auf einen befürchteten Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt.

Ministerin Giffey bekräftigte, sie wolle sich mit den Ländern kurzschließen, um zu gewährleisten, dass möglichst viele Frauenhäuser offenbleiben können. Auch der Kinder- und Jugendnothilfedienst soll möglichst uneingeschränkt weiterlaufen. Über notwendige gesetzliche Änderungen soll der Bundestag noch in dieser Woche beschließen.

Arme Familien oder solche mit krassen Einkommenseinbrüchen könnten zudem ab 1. April einen Zuschlag zum Kindergeld bekommen, sagte Giffey. Vorgesehen seien bis zu 185 Euro im Monat. „Das bedeutet, dass die finanziellen Sorgen ein großes Stück abgefedert werden.“ Der Zuschlag werde digital beantragbar sein.

Giffey und Hilgers wiesen auf Hilfetelefone hin. Der vom Familienministerium unterstützte 24-Stunden-Dienst gegen Gewalt an Frauen (Tel.: 08000 116016), der Beratung und Hilfe vor Ort vermittele, solle auch unter den derzeit schwierigen Bedingungen aufrecht erhalten werden.

„Betroffene Kinder, Jugendliche und Elternteile können sich aber weiterhin zu jeder Zeit an die Nummer gegen Kummer wenden“, sagte Hilgers. Die ist bundesweit unter 116111 erreichbar. Über die Internetseite www.nummergegenkummer.de bleibt das Beratungsangebot auch online bestehen. © dpa/kna/aerzteblatt.de

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