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COVID-19: Verschiebung elektiver Operationen muss individuell entschieden werden

Dienstag, 24. März 2020

/Syda Productions, stock.adobe.com

Berlin - Nach dem Willen von Bundes- und Landesbehörden sollen planbare Operationen befristet verschoben werden, um genügend Intensivbetten und Beatmungsplätze für schwere COVID-19-Fälle vorzuhalten. Doch welche Operationen und welche Einrichtungen sind besonders von dieser Maßnahme betroffen? Und wie lange ist es medizinisch vertretbar, elektive Eingriffe zu verschieben?

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) nimmt in einer aktuellen Mitteilung hierzu Stellung:

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1. Um die Ausweitung des SARS-CoV-2-Virus zu verzögern, sollen die stationären und ambulanten Einrichtungen sowie des Personals in COVID und NON-COVID Behandlungseinheiten aufgeteilt werden. Hierzu gehöre die sorgfältige Identifizierung von jeweils geeignetem Personal unter besonderer Berücksichtigung des individuellen Risikos.

2. Die Verschiebung von geplanten Eingriffen gelte für alle stationären und ambulanten Einrichtungen - unabhängig davon, ob sie für die Behandlung von schweren COVID-19-Fällen geeignet oder zugelassen sind.

3. Wie lange planbare Operationen verschoben werden können, hänge von der zugrundeliegenden Diagnose und der auszuführenden Operation ab. Dies sei bei der Fächer-und Indikationsvielfalt im Gebiet Chirurgie generell nicht zu beantworten und könne von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten betragen. Allerdings sollte das Sterblichkeitsrisiko durch die Verschiebung eines Eingriffes nicht höher sein als das einer schweren krankenhauspflichtigen COVID 19- Erkrankung.

Die DGCH weist zudem darauf hin, dass die Eilbedürftigkeit beziehungsweise Verschieb­barkeit eines chirurgischen Eingriffs nicht allein an der Frage der fehlenden Lebensgefahr oder einem Organverlust zu definieren sei: „Während einige Fälle auf lange Sicht verschoben werden können, ist die Mehrheit der Fälle durch die Progression der zugrundeliegenden Erkrankung (Karzinome, Organversagen, Gefäßkrankheiten, Auftreten von Komplika­tionen einer Krankheit oder eines Unfalls) charakterisiert. Das Ausmaß und der Zeitrahmen dieser Progression ist krankheitsspezifisch“, heißt es in der Stellungnahme. Denn auch das zeitlich prolongierte Bestehen einer Krankheitssituation könne zu einem irreversiblen Dauerschaden führen.

Die Terminplanung einer Operation sei oft zeitkritisch und beruhe auf mehreren Kriterien, die teilweise in den Empfehlungen der einzelnen chirurgischen Fachgesell­schaften niedergelegt sind. Das individuelle Vorgehen könne deshalb nur von einem Facharzt des jeweiligen chirurgischen Fachgebiets getroffen werden.

„Das Risiko für den einzelnen Patienten manifestiert sich einerseits durch das realistische Risiko des Eingriffs auch unter den veränderten Bedingungen des Gesund­heits­systems und andererseits durch das individuelle Risiko der Verschiebung des Eingriffs, auch unter der Erwartung, dass in 6-8 Wochen gegebenenfalls deutlich günstigere Bedingungen vorliegen könnten.

Diese Bedingungen müssen in kurzfristigen Abständen evaluiert werden, um einen Wechsel in der Risiko - Nutzen Betrachtung rechtzeitig zu erkennen und die Entscheidung zur Verschiebung gegebenenfalls zu revidieren“, so die DGCH. © zyl/aerzteblatt.de

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