NewsPolitikRhön-Kliniken steigern Umsatz und Patientenzahlen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Rhön-Kliniken steigern Umsatz und Patientenzahlen

Dienstag, 24. März 2020

/dpa

Bad Neustadt an der Saale – Der private Klinikkonzern Rhön-Kliniken AG hat das Jahr 2019 mit einem Umsatzplus von 5,8 Prozent abgeschlossen. Wie der Vorstandsvorsitz­ende des Unternehmens, Stephan Holzinger, heute vor Journalisten erklärte, stieg der Umsatz damit von 1,23 auf 1,3 Milliarden Euro an.

Der Konzerngewinn sank hingegen von 51,2 auf 44,5 Millionen Euro. Als Gründe gab Holzinger ein besonders positives Jahr 2018 an, in dem zum Beispiel ein Plus von 20 Millionen Euro durch die Trennungsrechnung am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) in die Bilanz eingegangen sei. Dabei wurden der hoheitliche, die Lehre und Forschung betreffende Bereich vom wirtschaftlichen Bereich des UKGM getrennt. Im Jahr 2017 lag der Konzerngewinn bei 36,7 Millionen Euro.

Anzeige

Die Zahl der Mitarbeiter sei um rund 1.200 auf 18.000 Mitarbeiter angestiegen, erklärte Holzinger. 44,5 Prozent der Mitarbeiter seien in Teilzeit beschäftigt. Die Zahl der Patienten an den fünf Klinikstandorten in Bad Neustadt, Gießen und Marburg, Bad Berka und Frankfurt an der Oder stieg zudem um 1,2 Prozent auf 860.528 an.

Auch der Trend zur Ambulantisierung habe sich fortgesetzt, so Holzinger. So sei die Zahl der ambulant behandelten Patienten von 635.000 auf 645.000 anstiegen, während die Zahl der stationär behandelten Patienten nur leicht von 214.000 auf 215.000 gestiegen sei.

„2019 war die Rhön-Klinikum AG – wie die gesamte Branche – mit einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert“, heißt es im Geschäftsbericht des Konzerns. „Es gab eine wachsende Zahl von Insolvenzen, Notverkäufen und Zusammenschlüssen. Diese wurden ausgelöst durch die politisch gewollte Bereinigung des Markts insbesondere aufgrund einer oftmals evidenzlosen Regulierung und weiteren Bürokratisierung sowie dem Fachkräftemangel.“

Übernahme durch Asklepios: „Der Vorstand war nicht informiert“

Das Übernahmeangebot, mit dem die Asklepios Kliniken GmbH Rhön übernehmen will, wollte Holzinger nicht kommentieren. „Wir erwarten bis spätestens 10. April die entsprechenden Unterlagen“, sagte er.

„Diese werden wir sorgfältig prüfen und dann eine ausführliche Stellungnahme veröffentlichen, so, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist.“ Am 28. Februar hatten Asklepios und der Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende von Rhön, Eugen Münch, ein Joint Venture verkündet, bei dem beide Parteien ihre Anteile am Rhön-Klinikum bündeln. Bereits jetzt summieren sich diese Anteile auf 51 Prozent der Rhön-Aktien. Zudem hat Asklepios angekündigt, den Rhön-Aktionären ein Angebot in Höhe von 18 Euro pro Aktie zu machen.

„Der Vorstand von Rhön war von Herrn Münch über dieses Angebot im Vorfeld nicht informiert worden“, erklärte Holzinger. Auf die Frage, ob es Differenzen bei der strategischen Ausrichtung von Rhön zwischen Münch und dem Vorstand gegeben habe, sagte er: „Alle wesentlichen strategischen Entscheidungen wurden in Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig getroffen.“

Coronakrise: „Bislang keine Engpässe“

Bernd Griewing, Vorstand Medizin der Rhön-Klinikum AG, erklärte, das Unternehmen sei gut auf die Coronakrise vorbereitet. „Aktuell haben wir im Unternehmen 426 Intensiv­plätze mit Beatmungsgeräten: in Gießen 176, in Marburg 100, in Bad Neustadt 60 und in Bad Berka 51.“ Die planbaren Operationen seien heruntergefahren worden und so könne man jetzt sehr flexibel auf die Nachfrage von Patienten reagieren. „Zurzeit sind bei uns keine Engpässe absehbar“, so Griewing. So würden insgesamt zwölf Coronapatienten derzeit im Unternehmen behandelt. Sechs davon seien schwer krank und müssten beatmet werden.

Gunther K. Weiß, Operativer Vorstand bei Rhön, kritisierte, dass manche der Maßnahmen, die der Bundestag morgen im COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz verabschieden will, zu kurz gegriffen seien. „Der Investitionsbedarf pro Intensivbett mit Beatmungsgerät liegt bei 85.000 bis 100.000 Euro“, sagte Weiß. „Da sind die im Gesetz vorgesehenen 50.000 Euro deutlich zu wenig.“ Und ob die 560 Euro, die die Krankenhäuser pro freiem Bett infolge des Verschiebens planbarer Leistungen erhalten sollen, ausreichten, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen.

Das Aussetzen des Fixkostendegressionsabschlags im Jahr 2020 lobte Weiß. Dass die Quote der Abrechnungsprüfungen durch den Medizinischen Dienst bei 5 Prozent festgesetzt worden sei und nicht ebenfalls ausgesetzt werde, sei allerdings nicht zu verstehen.

Weiß lobte hingegen das Land Hessen, das mit über 750.000 Euro für die Beschaffung von Beatmungsmasken sehr schnell und unbürokratisch geholfen habe. „Wir setzen darauf, dass die Lücken durch die Länder gefüllt werden“, sagte Weiß. „Wir können jetzt nicht abschätzen, wie groß die wirtschaftlichen Auswirkungen sein werden.“

Weitere Ausrichtung auf digitale Transformation

Im Jahr 2020 will Rhön seine Ausrichtung auf die weitere digitale Transformation des Konzerns fortsetzen. Zusammen mit dem Schweizer Telemedizinunternehmen Medgate solle weiter an der Etablierung eines telemedizinischen Leistungsangebots gearbeitet werden, erklärte Rhön. Dafür sei im Dezember 2019 die Medgate Deutschland GmbH gegründet worden, die das Potenzial habe, sich zu einem wichtigen Geschäftsfeld von Rhön zu entwickeln

„Medgate Deutschland soll an 365 Tagen im Jahr zeit- und ortsunabhängige telemedizi­nische Beratung und Behandlung anbieten“, erklärte Rhön. „Der Start des operativen Betriebs ist für das zweite Halbjahr 2020 vorgesehen.“

„2020 bedarf es einer weiteren Verbesserung der medizinisch-organisatorischen Prozesse, auch die Struktur der Konzern- und Standortverwaltungen wird in den Mittelpunkt der Verbesserungsbemühungen gestellt“, heißt es weiter.

„Hierzu wurde eine Analyse und Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Mit beiden Ansätzen will das Unternehmen den hohen finanziellen Belastungen unter anderem aus der Pflegeregulierung entgegenwirken.“ © fos/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER