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Coronakrise: BÄK appelliert an Unternehmen, Schutzausrüstung zu produzieren

Mittwoch, 25. März 2020

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundes­ärzte­kammer /dpa

Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, hat die Wirt­schafts­unternehmen des Landes dazu aufgerufen, sich angesichts der Corona-Pandemie an der Produktion von Schutzausrüstungen zu beteiligen. „Die Ausstattung von Ärzten, Praxis­mitarbeitern und Pflegepersonal mit Schutzausrüstung gegen eine Corona-Infek­tion ist unzureichend“, betonte Reinhardt heute.

Deshalb sei es gut, dass sich neben dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium auch die Länder, die Ärzte und die Krankenhäuser um die Beschaffung von Schutzausrüstung kümmerten. Diese bleibe vor allem angesichts der stark angespannten weltweiten Marktsituation, insbesondere für Atemschutzmasken, eine Gemeinschaftsaufgabe.

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Die BÄK begrüßt und unterstützt ausdrücklich die Bemühungen des Bundesgesundheits­ministers, Fertigungskapazitäten für medizinische Schutzausrüstung in Deutschland auf­zu­bauen. „Dafür setzen wir auf das Engagement und auf kreative Lösungen von Wirtschafts­­unternehmen aus den verschiedensten Branchen“, betonte Reinhardt.

„Ob Automobilzulieferer oder Textilunternehmen – alle sind aufgerufen, wenn irgend möglich ihre Fertigung umzustellen und in die Produktion von Schutzausrüstung einzu­steigen.“ Gleiches gelte für die Fertigung von Beatmungsgeräten für die Intensiv­statio­nen.

Hilferufe aus den Ländern

Reinhardt betonte, dass sich alle Akteure darin einig seien, dass eine solche Notlage nicht vorhersehbar gewesen sei. Zugleich sprach er von „ersten Erfolgen“, die in einigen Bereichen bereits sichtbar würden.

„So wird durch eine schnelle, konzertierte Aktion der chemischen Industrie und weiterer Partner die Auslieferung von erforderlichen Ressourcen für die Desinfektionsmittel­her­stellung an Kliniken bundesweit deutlich erhöht werden können“, berichtete der BÄK-Präsident. „Zeit, Produktionskapazitäten und eine hochfunktionale Logistik spielen jetzt eine entscheidende Rolle. Nur wenn wir alle Kräfte bündeln, haben wir eine Chance, diese Krise gut zu bewältigen.“

Aus den Bundesländern kommen derweil Hilferufe, weil die medizinische Schutzaus­rüs­tung in den Arztpraxen mehr und mehr zur Neige geht. So forderte die Kassenärzt­liche Vereinigung (KV) Berlin heute den Regierenden Bürgermeister der Stadt, Michael Müller (SPD), in einem Brief dazu auf, unverzüglich ein Maßnahmenpaket aufzusetzen, um den drohenden Zusammenbruch der medizinischen Versorgung in Berlin noch zu verhindern.

„Jeden Tag behandeln die Vertragsärzte ungeschützt Patienten, die zunehmend auch infiziert sind oder es sein könnten“, heißt es in dem Schreiben. Und noch immer fehle die dringend benötigte Schutzkleidung. Spätestens zu Ostern könne das Gesundheitssystem an seine Grenzen kommen, weil die Intensiv- und Beatmungskapazitäten überbelegt seien.

Erste Arztpraxen müssen schließen

Auch die Ärztekammer Niedersachsen appellierte heute „dringend“ an die Landesregie­rung, für ausreichenden Schutz der Ärzte und Pflegekräfte im Kampf gegen das Corona­virus zu sorgen. „Es kann nicht sein, dass mittlerweile schon Praxen schließen müssen, weil dort tätige Ärzte und Pfleger aus Mangel an Schutzausrüstung mittlerweile selbst krankheitsbedingt ausgefallen sind“, sagte die Präsidentin der Ärztekammer Niedersach­sen, Martina Wenker.

Denn „ohne Schutz kann niemand von Ärztinnen und Ärzten zwangsweise verlangen, Patienten zu behandeln, die an COVID-19 erkrankt sind.“ Nur ein geschützter Arzt beziehungsweise eine Pflegekraft könne lange im Gesundheitsversorgungssystem bleiben, um möglichst viele Patienten wieder gesunden zu lassen.

Wegen des weltweit existierenden Engpasses im Bereich medizinischer Schutzaus­rüstung hatte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium beschlossen, die Beschaffung der Ausrüstung zentral zu organisieren.

Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gestern mitteilte, werden die so be­schafften Artikel an die KVen geliefert, die sie dann an die Arztpraxen weiterverteilen. „Mit ihrer gesamten Logistik stehen die Kassenärztlichen Vereinigungen bereit, die zu­gesagten Lieferungen des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums mit Schutzmaterial zu ver­teilen“, betonte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen.

Gassen: „Der Umfang der Lieferungen scheint sich zu erhöhen“

Das BMG informiere täglich darüber, welche Mengen sich in der Zulieferung befinden. „Auch wenn die ersten Lieferungen nicht ausreichend waren, scheint sich der Umfang der Lieferungen zu erhöhen“, erklärte Gassen. So bewegten sich die Mengen der vergangenen beiden Tage im Bereich von durchschnittlich einer Maske pro Praxis.

Gestern seien beispielsweise laut Angaben der Lieferanten rund 372.000 Exemplare der FFP2-Masken sowie der Mund-Nasen-Schutz-Masken ausgeliefert worden. „Ein Großteil der Lieferungen sind Handschuhe und Schutzkittel. Deutlich dringender werden jedoch Masken und Desinfektionsmittel benötigt“, betonte KBV-Vorstand Stephan Hofmeister.

Auch Kittel würden dringend benötigt, ergänzte Gassen. „Wir hoffen, dass die avisierten Mengen möglichst zeitnah bei den KVen eintreffen und konsequent für weiteren Nach­schub gesorgt wird.“ © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 12. April 2020, 02:49

Seit 2012 (!)

weiß die Bundesregierung aus dem Pandemiebericht des RKI anläßlich SARSCov1, dass im Fall einer weltweit gleichzeitigen Pandemie ein kritischer Mangel an Schutzausrüstung eintreten wird.
Das Papier urde abgezeichnet und abgelegt fertig... Hauptsache, die Planspiele funktionierten...
Aber ein simulierter Notfall braucht keine Hardware - vor allem nicht in mehrfacher Menge über lang Zeiträume.
Niemand hat sich darum gekümmert, im ständigen Kompetenzgerangel von Bund und Ländern ist so etas der Beliebigkeit von Politikern ausgesetzt.
Und die fürchteten die Schlagzeile mehr "Millionen Euro für unnütze Schutzausrüstung ausgegeben" als dass sie eine tatsächliche Pandemie erwarte hätten.
Avatar #824634
D. Jahn
am Freitag, 10. April 2020, 21:53

Leider springt Herr Spahn zu kurz...

Ich empfehle allen einmal die Ausschreibungsbedingungen auf der Seite des BMG zu studieren. Dann wird sofort klar, daß hier zu kurz gesprungen wird. Es wird die Produktion von zu wenigen Masken angeschoben und dann auch noch höchstens im Standard FFP-2. Auf dem vom BMG beschrittenen Weg, bleiben die Mangelzustände dauerhaft erhalten. FFP-3 Masken sind in der Ausschreibung gar nicht vorgesehen. Es wird auf dem vom BMG beschrittenen Weg auch längerfristig nicht zu einer relevanten Entspannung der Situation kommen. Die Herstellung von Masken, insbesondere von Vlies für die Herstellung von FFP-3 Masken kann man mit 30% Investitionszuschuss nicht wirklich befördern. Anlagen zur Produktion des Vlies für FFP-3 Masken wie diese von Firmen wie Reifenhäuser in Deutschland angeboten werden kosten ca. 10 Millionen € pro Stück. So etwas lohnt sich für die Privatwirtschaft nicht, wenn diese dann nur bis 2021 Abnahmegarantien bekommt. Solche Maschinen haben viel längere Abschreibefristen. Die für die Produktion von hinreichend viel Vlies (Meltblown-Verfahren für FFP-3 Masken) notwendigen ca. 25 Anlagen müsste der Staat / die Bundesländer / Große Unternehmen wie VW / BMW / Mercedes kaufen und betreiben. Nur so kann dauerhaft und vor allem auch schnell eine hinreichende Kapazität für genug FFP-3 Masken aufgebaute werden. In Anbetracht der immensen Summen, die in den Shutdown investiert werden nehmen sich die 250 Millionen € die 25 solche Anlagen kosten würden wie die berühmten „Peanuts“ aus. Etwa genau so viel würden noch einmal die Maschinen für die Maskenproduktion in grossen Stückzahlen, ca. 150. Millionen FFP-3 Masken pro Tag kosten. Für eine halbe Milliarde könnte man dann schnell und zuverlässig das gesamte medizinische Personal, Pfleger, Schwestern, Altenpfleger, Polizei und alle systemrelevanten Personen in Ämtern, Sparkassen, Supermärkten, Lieferdiensten und später auch Teile der wieder arbeitenden Bevölkerung z.B. in der Industrie schützen...
Leider wird vom BMG die Zeit brutalst möglich verschwendet...
Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 26. März 2020, 19:16

BÄK-Präsident oder Ge­sund­heits­mi­nis­ter, wer bzw. was ist Reinhardt?

Macht Platz, der Mann hat großes vor.

Wer kümmert sich wegen Corona um die Ärzte oder um die Medizinstudenten? Der Minister.
Wer kümmert sich um die Beschaffung von fehlendem Material, um die Beschaffung von Schutzausrüstung oder fragt die Industrie, ob sie ihre Produktion nicht kurzfristig in den Dienst von Corona stellen können? Der Präsident der BÄK.

Fällt nur mir auf, dass hier Koch und Kellner die Rollen getauscht haben?
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