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Ärzteschaft

Hilfsorganisationen besorgt über medizinische Versorgungslücken

Mittwoch, 25. März 2020

/dpa

München/Berlin − Die Organisation Ärzte der Welt und rund 40 weitere Organisationen sorgen sich um medizinische Versorgungslücken angesichts der Coronakrise. „Hundert­tau­sende Menschen in Deutschland haben keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu notwendiger Gesundheitsversorgung − dies sind zum Beispiel Menschen ohne Kranken­versicherung, Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus oder erwerbslose EU-Bürger und Bürgerinnen“, heißt es in einem heute veröffentlichten Schreiben.

Zu den Unterzeichnern zählen unter anderen der Paritätische Gesamtverband, Diakonie Deutschland, der Jesuiten-Flüchtlingsdienst und die Deutsche Aidshilfe. Die Betroffenen, darunter auch Obdachlose, hätten häufig keine ausreichenden Möglichkeiten, sich testen und behandeln zu lassen oder in Quarantäne zu gehen, so die Organisationen.

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Auch zu Informationen über das Coronavirus hätten viele Menschen kaum Zugang. Sie könnten oft nicht die notwendigen Hygiene- und Selbstisolations­maßnahmen treffen und seien so einer besonders hohen Gefahr ausgesetzt, sich anzustecken. Prekäre oder ille­gale Arbeitsverhältnisse führten dazu, dass sie auch mit für COVID-19 typischen Sympto­men arbeiten gehen müssten.

Bei Nichtversicherten sei die Kostenübernahme von Tests und der Behandlung einer Er­krankung nicht ausreichend geklärt. Es sei daher zu befürchten, dass Patienten mit CO­VID-19-Verdacht, die keine Versicherungskarte haben, derzeit nur getestet würden, wenn sie die Kosten selbst zahlen können.

Vor allem Menschen, die ohne geregelten Aufenthaltsstatus in Deutschland lebten, blie­ben oft unter dem Radar des regulären Gesundheitssystems, da sie aufgrund der im Auf­enthaltsgesetz festgeschriebenen sogenannten Übermittlungspflicht fürchten müssten, abgeschoben zu werden, wenn sie die Kostenübernahme für eine medizinische Behand­lung beantragen.

Die Organisationen fordern die Bundesregierung auf, umgehend die Kostenübernahme für Diagnostik und Behandlung für alle Menschen sicherzustellen − bei Bedarf anonym. Für Obdachlose oder Personen, die mit anderen auf beengtem Raum leben, müssten Wohnungen zur Verfügung gestellt werden, in denen sie in Quarantäne gehen können.

Informationen zur Coronapandemie sollten zügig bereitgestellt werden; Beratungs­angebote und Anlaufstellen für besonders gefährdete Zielgruppen benötigten zudem zusätzliche materielle Unterstützung. © kna/aerzteblatt.de

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