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Medizin

Migräne: Manuelle Akupunktur senkt in Studie die Zahl der Anfälle

Dienstag, 7. April 2020

/WavebreakmediaMicro, stock.adobe.com

Wuhan − Eine manuelle Akupunktur, die durch die Manipulation der Nadeln ein „Qi“-Gefühl erzeugen soll, hat in einer randomisierten Studie die Zahl der monatlichen Migräneattacken und -tage gegenüber einer konventionellen Behandlung und teilweise auch gegenüber einer Scheinakupunktur gesenkt, wie die jetzt im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2020; doi: 10.1136/bmj.m697) vorgestellten Ergebnisse zeigen.

Patienten mit häufigen Migräne-Attacken (3 oder mehr pro Monat) wird zu einer prophylaktischen Behandlung geraten, für die eine Reihe von Wirkstoffen zur Verfügung steht. Sie sind allerdings nicht zuverlässig wirksam. Viele Patienten lehnen zudem die regelmäßige Einnahme ab.

Als alternative Heilmethode ist deshalb eine Akupunktur in der Diskussion. In den letzten Jahren sind laut der jüngsten Meta-Analyse der Cochrane Collaboration 22 Studien mit insgesamt 4.985 Teilnehmern durchgeführt worden, die in der Mehrheit zu dem Ergebnis kamen, dass sich die Zahl der Schmerzattacken senken lässt, wenn auch nicht immer häufiger als durch eine Scheinakupunktur.

Viele Akupunkteure setzen mittlerweile auf eine elektrische Stimulation der Nadeln, die möglicherweise andere Afferenzen stimuliert als die traditionelle chinesische Methode, bei der der Akupunkteur durch eine Manipulation der Nadeln die als „Qi“ bezeichnete „Lebenskraft“ in den hypothetischen Meridianen zu aktivieren versucht.

Ein Team um Wei Wang von der Huazhong Universität in Wuhan hat in den letzten Jahren die traditionelle manuelle Akupunktur in einer randomisierten Studie mit einer Scheinakupunktur und der normalen klinischen Behandlung verglichen. Die Schein­akupunktur erfolgt mit Nadeln, die eine stumpfe Spitze haben, die nicht in die Haut eindringt. Sie wurde außerdem auf dem Rücken durchgeführt, wo die Patienten nicht sehen konnten, was genau mit den Nadeln geschah.

An der Studie nahmen 147 jüngere Patienten (Durchschnittsalter 36,5 Jahre) teil, die seit mindestens einem Jahr unter Migräne litten mit 2 bis 8 Schmerzattacken im Monat. Die Patienten erhielten an sieben Kliniken im Verlauf von acht Wochen 20 Sitzungen einer 30-minütigen Akupunktur oder die übliche medizinische Betreuung. Keiner der Patienten hatte zuvor eine Akupunktur erhalten, und alle wurden angewiesen, während der Studie keine Schmerzmittel einzunehmen oder andere Behandlungen zu beginnen.

Wie Wang berichtet, kam es in allen drei Gruppen zu einem Rückgang der Schmerztage und der Schmerzattacken. Die Unterschiede zur Kontrollgruppe waren bereits in der Behandlungsphase signifikant. Ein Vorteil gegenüber der Scheinakupunktur wurde erst nach dem Ende der Behandlungen in den Studienwochen 13 bis 16 signifikant, als die Zahl der Migränetage unter der manuellen Akupunktur um 3,5 Tage und unter der Scheinakupunktur um 2,4 Tage zurückgegangen war. Die adjustierte Differenz von 1,4 Tagen war laut Wang mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,3 bis 2,4 Tagen signifikant.

In den Wochen 17 bis 20 ging die Zahl der Kopfschmerztage um 3,9 beziehungsweise 2,2 Tage zurück (adjustierte Differenz 2,1 Tage; 1,2 bis 2,9 Tage). In den Wochen 17 bis 20 war auch der Rückgang in der Anzahl der Schmerzattacken signifikant: minus 2,3 unter der manuellen Akupunktur versus minus 1,6 unter der Scheinakupunktur; adjustierte Differenz minus 1,0 Tage (0,5 bis 1,5 Tage). Schwerwiegende Nebenwirkungen durch die Akupunktur sind laut Wang nicht aufgetreten. Die Patienten hätten keinen Unterschied zwischen der manuellen Akupunktur und der Scheinakupunktur wahrgenommen.

Wang sieht in den Ergebnissen einen Beleg für die Wirksamkeit der manuellen Akupunktur, die signifikant bessere Ergebnisse erziele als eine Scheinakupunktur oder die übliche Betreuung. Die Akupunktur sollte deshalb in die Leitlinien der Fachgesellschaften aufgenommen und von den Krankenkassen bezahlt werden, findet Wang.

Auch die Neurologin Heather Angus-Leppan vom Royal Free London NHS Foundation Trust meint in einem Editorial, dass es jetzt gute Belege für die Wirksamkeit der Akupunktur gebe. Die Verringerung um einen Migränetag pro Monat sei zwar gering und es sei unklar, ob die Behandlung den Patienten auch langfristig nützen könnte. Da es allerdings für 90 % der Patienten mit häufigen Attacken keine vorbeugende Behandlung gebe, sei die Akupunktur ein nützliches zusätzliches Instrument im therapeutischen Armamentarium. Diese Studie helfe, die Akupunktur von einem unbewiesenen Status in der Komplementärmedizin zu einer akzeptablen evidenzbasierten Behandlung zu machen, schreibt Angus-Leppan. © rme/aerzteblatt.de

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